Einfluss eines Testosteronausgleichs auf die Lebensqualität bei Männern mit chronischer Nierenkrankheit

Hintergrund

Obwohl Testosteronmangel bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit (CKD) häufig vorkommt und die Lebensqualität (QoL) sehr belastet, gibt es bislang keine Studien darüber, ob bzw. inwieweit eine Testosteronersatztherapie (TRT) die QoL bei Patienten mit CKD verbessern kann.


Zielsetzungen
Diesbezüglich wurde bei CKD-Patienten mit Testosteronmangel die Wirksamkeit der Applikation von Testosteron-Gel auf die QoL untersucht.


Teilnehmer und Methoden
Je 25 männliche Patienten mit CKD im Stadium 3–4 und einem Serum-Testosteronspiegel <350 ng/dl, wurden für 3 Monate entweder mit Testosteron-Gel behandelt (Gruppe II), oder als Kontrollfunktion wurde ihnen empfohlen, ein Trainingsprogramm zu absolvieren (Gruppe I). Vor und nach der Behandlung wurden in beiden Gruppen, der BMI und die Griffstärke nachgemessen, serologische Tests durchgeführt und Fragebögen angewandt.

Ergebnisse
Gruppenvergleiche zu Baseline
Das mittlere Alter der Patienten betrug 68,5 Jahre (55–84) in Gruppe I und 69,7 (58–86) Jahre in Gruppe II. Zu Baseline bestanden zwischen beiden Gruppen bezüglich Alter, Komorbiditäten, BMI, Vitalparametern, biochemischen Parameter, die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) und das Nierenfunktionsstadium keine sig­nifikanten Unterschiede. Gleiches traf auf die Griffstärke, die Scores für den Short Form (36) Gesundheitsfragebogen, den International Prostate Symptom Score (IPSS), die Aging Males’ Symptoms Scale (AMS), und die Center for Epidemiologic Studies Depression Scale (CES-D) zu.



Stagnation bei Kontrollen
In Gruppe I wurden nach 3 Monaten im Vergleich zu Baseline keine signifikanten Unterschiede bezüglich der biochemischen Parameter wie auch des SF-36-Scores, der AMS, des IPSS und der CES-D registriert. Bemerkenwerterweise blieb trotz des Trainings auch die Griffstärke unverändert.

Einfluss von Testosteron
Anders dagegen bei den Männern der Gruppe II: Mit dem Anstieg des Testosteronspiegels erhöhte sich auch die Griffstärke. Der SF-36-Score – ein Maßstab für QoL – war sowohl in der physischen als auch der mentalen Komponente signifikant verbessert. Die Harnfunktion verbesserte sich anhand des IPSS nach dreimonatigem Testosteronausgleich sowohl bei der Gesamtpunktezahl als auch bei der QoL-Domäne ebenfalls signifikant (p=0,009 bzw. p=0,002).

Die Bewertung der hypogonadalen Symptome auf der AMS hatte vor der Behandlung mit Testosteron bei den Patienten moderate (AMS-Scores: 37–49) oder schwerere Symptome erbracht. Nach der Behandlung waren die mentale, physische und die Sexualfunktion alle signifikant verbessert; gemessen am mittleren AMS-Score handelte es sich um milde Symptome (Scores: 27–36).

Die signifikante Verbesserung des Scores auf der CES-D nach der kurzen Behandlungsdauer von 3 Monaten bekräftigt die Nützlichkeit einer Testosteron-Behandlung bei CKD-Patienten, die über Depressionen und Angstgefühlen klagen.

Die Hb-Konzentration war unter dem Testosteronausgleich signifikant angestiegen. Als günstiges Ergebnis bezüglich des Lipidprofils wurden signifikant reduzierte Triglyceride registriert. Die Blut-Glukose-Werte, die PSA-Spiegel und die GFR blieben gleich. Bei der Schwere der CKD machte sich kein signifikanter Unterschied bemerkbar.


Kernaussagen
 
❏ Bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit verbesserte sich die Lebensqualität nach dreimonatiger Testosterontherapie.

❏ Der Testosteronausgleich machte sich in einer Linderung von Anämie bemerkbar, die zu den häufigen Begleiterkrankungen bei Patienten mit CKD zählt.    

Literatur:
Yeo JK, Koo HS, Yu J, Park MG. 2020. Effects of testosterone treatment on quality of life in patients with chronic kidney disease. Am J Mens Health https://doi.org/10.1177/1557988320917258.


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