Prostatakrebs:

Testosteron-Status vor der radikalen Prostatektomie als Prädiktor für onkologisches Ergebnis und postoperative erektile Funktion

Hintergrund

Die Rolle präoperativer Testosteronspiegel für pathologische und Überlebensresultate bei Prostatakrebs-Patienten, die sich einer radikalen Prostatektomie unterziehen, wurde teils kontrovers dargestellt. Dabei dominieren allerdings Analysen, die eine Verbindung niedriger Testosteronwerte mit verschlechterter Prognose ergeben haben. Die negative prädiktive Rolle einer niedrigen Testosteron-Konzentration wird mit Theorien wie dem Sättigungsmodell erklärt.

Zielsetzung
Unter Verwendung der in letzter Zeit vor radikalen Prostatektomien an der Klinik regelmäßig durchgeführten Hormonbestimmungen sollte analysiert werden, inwieweit eine Beziehung zwischen Gesamttestosteron (TT) wie auch freiem Testosteron (FT) und der postoperativen Prognose, erektilen Funktion sowie Kontinenz besteht.
Teilnehmer und Methoden
Für die Analysen standen Daten von insgesamt 586 Patienten (medianes Alter: 69 Jahre) zur Verfügung. Bestimmungen des TT waren mit einem Chemilumineszenz-Immunoassay vorgenommen worden. Zur Berechnung des FT diente die Formel von Vermeulen. Die postoperative Kontinenz und die erektile Funktion nach 12 Monaten wurden anhand der Erfordernis von Vorlagen bzw. dem International Index of Erectile Function (IIEF-5)-Score bewertet.

Ergebnisse

Die mediane TT-Konzentration in der Studienkohorte erreichte 344 ng/dl. Bei 106 Männern lag sie unterhalb 300 ng/dl. Die FT-Konzentration belief sich auf median 6,9 ng/dl. Bei 152 Patienten (25,9%) war sie auf <65 ng/dl abgefallen. In 101 Fällen hatten die Männer sowohl einen niedrigen TT- als auch einen niedrigen FT-Wert.


Abb. A,B: Kaplan-Meier-Kurven der Anteile Männer frei von biochemischem Rezidiv (BCR) gesondert nach normalem oder niedrigem Spiegel an freiem Testosteron (FT; A) bzw. Gesamttestosteron (TT; B).


Die mediane TT-Konzentration in der Studienkohorte erreichte 344 ng/dl. Bei 106 Männern lag sie unterhalb 300 ng/dl. Die FT-Konzentration belief sich auf median 6,9 ng/dl. Bei 152 Patienten (25,9%) war sie auf <65 ng/dl abgefallen. In 101 Fällen hatten die Männer sowohl einen niedrigen TT- als auch einen niedrigen FT-Wert.

Bei 180 Patienten lag ein pT3-Tumor vor – inklusive 23 Fälle mit Invasion der Samenbläschen. Ein Gleason-Score ≥8 betraf 201 Patienten. Positive Schnittränder waren nach 50 Operationen nachweisbar. Bei 250 Lymphadenektomien wurden bei 25 Patienten positive Lymphknoten vorgefunden.

Bei 119 Patienten (20,3%) kam es zum biochemischen Rezidiv (BCR). Bei 31 von 39 gestorbenen Patienten war Prostatakrebs die Todesursache. Kaplan-Meier-Kurven ergeben für Patienten mit niedrigem FT ein signifikant erhöhtes BCR-Risiko (p<0,001; Abb. A). Zudem bestand bei Patienten mit niedrigem TT der Trend zu vermehrten BCR (p=0,058; Abb. B).

In den 12 Monaten nach RP benötigten 69 Patienten täglich eine oder mehrere Vorlagen. Weder TT noch FT standen in Beziehung zur Inkontinenz (p=0,41 bzw. p=0,78).

Die Anzahl der Patienten mit zufriedenstellender erektiler Funktion vor der RP war 12 Monate nach der Operation von 376 (64,2%) auf 197 (33,6%) abgesunken. Patienten mit niedrigem TT hatten präoperativ häufiger ED. Dagegen stand niedriges FT mit post-operativer ED in Verbindung (p<0,001). Darüber hinaus wurden signifikante Beziehungen der postoperativen ED mit Tumorstadium und Gleason-Score ermittelt.

Schlussfolgerungen
Für Prostatakrebs-Patienten, die sich einer radikalen Prostatektomie unterzogen hatten, war insbesondere eine präoperative niedrige Konzentration des freien Testosterons mit ungünstigen pathologischen Befunden, biochemischem Rezidiv und postoperativer ED verbunden.    
Literatur:
Li T, Sun X, Chen L, et al. 2019. Free testosterone value before radical prostatectomy is related to oncologic outcomes and post-operative erectile function. BMC Cancer PMC6339281.

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