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Sollte eine Varikozele bei Kindern und Jugendlichen behandelt werden?
FAZIT:
Die Mehrheit der Männer mit Varikozele ist nicht infertil. Varikozelektomierte Jugendliche profitieren hinsichtlich verbesserter Standard-Samenparameter. Anhand kleiner Fallzahlen wird gefolgert, daß eine Varikozelektomie im Jugendalter schlechtestenfalls nicht schadet und günstigstenfalls die Fertilität bewahrt

Ob bzw. wann, welche Kinder/Jugendliche mit Varikozele behandelt werden sollten, wird seit je her kontrovers diskutiert. Vielfach wird argumentiert, daß sich Varikozelen im Jugendalter mehrheitlich von selbst zurückbildeten. Ferner sei die Mehrheit der Männer mit Varikozele nicht infertil. Auf der anderen Seite wäre es aber unverantwortlich, mit einer Therapie so lange zu warten, bis es im Erwachsenenalter unter Umständen zu irreversibler Infertilität gekommen ist.
  Nach den Empfehlungen des Arbeitskreises Andrologie der DGU sollte behandelt werden bei:

  • Großer kindlicher Varikozele
  • Kleiner kindlicher Varikozele und kleinerem Hoden



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    • Varikozelen werden bei Jungen schon ab dem fünften Lebensjahr vorgefunden und ein linksseitiger Wachstumsstillstand wird bereits bei neunjährigen Jungen beobachtet. Nach Beseitigung der Varikozele holt der linke Hoden auf und erreicht praktisch die Größe des rechten Hodens [1].
    • Bei Kindern kommen Varikozelen nicht selten vor, doch Varikozelen manifestieren sich weit überwiegend erst bei Adoleszenten: Bei Schülern der vierten und achten Klassen in Hamburg wurde mittels Doppler-Ultrasonographie eine Prävalenz bei 18% der Kindern und bei 42,7% der Jugendlichen eine Varikozele (jeweils 1,2% bzw. 7,2% bilateral) festgestellt [2].
       Allein aufgrund der hohen Prävalenz einer Varikozele bei Kindern/Jugendlichen wäre eine generelle Behandlung aller Betroffenen kaum durchführbar.
       
    • Als hauptsächliche testikuläre Funktionsstörung einer Varikozele resultiert unter Umständen eine Beeinträchtigung der Spermatogenese. Diesbezügliche Befunde reichen von einer verringerten Spermienkonzentration, einer erhöhten Anzahl pathologischer Spermienformen, einer verringerten Motilität bis hin zum OAT-Syndrom oder Azoospermie. Bei Adoleszenten kann es durch eine Varikozele zum Wachstumsstillstand kommen.
      Weiterhin wird durch eine Varikozele unter Umständen die endokrine Hodenfunktion verändert.
    • Eine Varikozele bei Jugendlichen birgt unabhängig von der Größe der Varikozele ein hohes Risiko für einen Wachstumsstillstand. Jedoch ist dieses Risiko bei Varikozelen vom Grad III am größten. Auch jeder vierte Jugendliche der bei der Diagnose einer Varikozele gleich große Hoden aufweist, entwickelt noch einen Wachstumsstillstand [3].
    • Ein anomaler GnRH-Test wird bei etwa 30% der Jugendlichen mit Varikozele registriert, steht aber nicht im Zusammenhang mit Hodenatrophie und Infertilität [4].
    • Bei präpubertären Jungen mit Varikozele wurden höhere Konzentrationen an Inhibin B und Inhibin-Promonomer (Proalpha C) im Serum gemessen als bei Jungen ohne Varikozele [5].
       
    • Bei einem Vergleich zwischen operierten und nicht operierten jugendlichen Varikozele-Patienten fand sich nach der Operation bei einem Drittel der Jungen eine Atrophie der Hoden, bei den nicht operierten hatten 12 von 16 eine Hoden-Atrophie. Auch bei den Standard-Samenparametern waren die Ergebnisse bei den varikozelektomierten Jugendlichen eindeutig besser [6].
    • Bei 13 Adoleszenten mit Varikozele, deren jeweiliger linker Hoden deutlich im Wachstum zurückgeblieben war, kam es nach unilateraler Varikozelektomie zu beidseitigem Hodenwachstum und Ausgleich des Volumenunterschieds. Nach der Operation erhöhten sich auch der Serum-FSH-Spiegel und die Reaktion auf einen GnRH-Stimulationstest [7].
    • Bei der Beseitigung einer Varikozele im Jugend- und Erwachsenenalter bessern sich die Samenparameter in gleichem Maße. Da bei den Jugendlichen aber bessere Basiswerte vorlagen, wurde insgesamt eine höhere Spermienqualität erreicht [8].
        Ohne daß eine große prospektive Studie das belegen könnte, wird anhand kleiner Fallzahlen gefolgert, daß eine Varikozelektomie im Jugendalter schlechtestenfalls nicht schadet und günstigstenfalls die Fertilität bewahrt [9].

    [1] Greenfield SP, Seville P, Wan J. 2006. Experience with varicoceles in children and young adults. J Urol 168(4 Pt 2):1684-1688.
    [2] Pfeiffer D, Berger J, Schoop C, Tauber R. 2006. A Doppler-based study on the prevalence of varicocele in German children. Andrologia 38:13-19.
    [3] Thomas JC, Elder JS. 2002. Testicular growth arrest and adolescent varicocele: does varicocele size make a difference? J Urol 168(4 Pt 2):1689-1691.
    [4] Kass EJ, Freitas JE, Salisz JA, Steinert BW. 1993. Pituitary gonadal dysfunction in adolescents with varicocele. Urology 42:179-181.
    [5] Trigo RV, Bergada I, Rey R, et al. 2004. Altered serum profile of inhibin B, Pro-alphaC and anti-Mullerian hormone in prepubertal and pubertal boys with varicocele. Clin endocrinol 60:758-764.
    [6] Okuyama A, Nakamura M, Namiki M, et al. 1988. Surgical repair of varicocele at puberty: preventive treatment for fertility improvement. J Urol 139:562-564.
    [7] Fisch H, Hyun G, Hensle TW. 2003. Testicular growth and gonadotrophin response associated with varicocele repair in adoleszent males. BJU Int 91:75-78.
    [8] Ku JH, Kim SW, Park K, Paick JS. 2005. Benefits of microsurgical repair of adolescent varicocele: comparison of semen parameters in fertile and infertile adults with varicocele. Urology 65:554-558.
    [9] Salzhauer EW, Sokol A, Glassberg KI. 2004. Paternity after adolescent varicocele repair. Pediatrics 114:1631-1633.

    August 2005 Druckversion jfs
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