
Das Urothelkarzinom ist der bei weitem häufigste Tumor der Harnblase. Das Erkrankungsrisiko von Männern ist bis
zu fünfmal höher als das von Frauen. Eine Reihe von Befunden deutet auf eine hormonelle Komponente in der Ätiologie
und Progression des Urothelkarzinoms hin. Bei der Diagnosestellung ist der Krebs in 70% bis 80% der Fälle noch auf
das Epithel beschränkt. Diese pTa-Tumoren werden nach der aktuellen WHO-Klassifikation gemäß ihrer klinischen,
histopathologischen und molekularen Eigenschaften in niedrig- und hoch-maligne papilläre Tumoren eingeteilt. Das
Carcinoma in situ (Cis) ist auch bei einer Ausdehnung auf nur wenige Zellen mit einem hohen Malignitätspotenzial
behaftet. Die Instillationstherapie mit Bacillus Calmette-Guérin ist zumindest bei hoch-malignen nicht-muskelinvasiven
Urothelkarzinomen einschließlich Cis als Standardtherapie etabliert. Darüber hinaus kommen beim Blasenkarzinom sowohl
intravesikale und systemische Chemotherapien zur Anwendung. Aufgrund der hohen Malignität zahlreicher Blasentumoren
stellt die radikale Zystektomie vielfach nicht nur bei lokal fortgeschrittenen Tumoren die geeignetste Therapieform dar.
Epidemiologie des Urothelkarzinoms der Harnblase
Tatsache ist, dass Männer von Krebserkrankungen der Harnblase bis zu fünfmal häufiger betroffen sind als Frauen. Als Erklärung hierfür wird oft eine berufliche Exposition mit Karzinogenen angeführt. Verschiedene alternative Hypothesen berücksichtigen in erster Linie genetische, anatomische, hormonelle, sozio-ökonomische und Umweltfaktoren.
Bei Frauen ist ein Harnblasenkarzinom bei der Diagnosestellung häufiger als bei Männern bereits in einem fortgeschrittenen
Stadium. Demzufolge sterben relativ gesehen weniger Männer als Frauen an Blasenkrebs. Ferner steht weibliches Geschlecht
im Zusammenhang mit einem schlechteren Ergebnis nach Zystektomie [1].
nach zunehmendem Atypiegrad in ein non-invasive papillary urothelial neoplasm of low malignant potential (PUNLMP), ein nicht
invasives papilläres Urothelkarzinom „low grade“ und ein nicht invasives papilläres Urothelkarzinom „high grade“. Bei PUNLMP
und nicht invasiven papillären Urothelkarzinomen „low grade“ sind die genetische Instabilität und damit Epithelatypien nur
gering ausgeprägt. Das Risiko der Progression wird als niedrig (<5%) eingestuft. Die genetisch instabilen „high grade“-Tumoren
weisen hingegen deutliche Epithelatypien auf. Aus ihnen entwickeln sich mit höherer Wahrscheinlichkeit invasive Tumoren.Als flache intraepitheliale Läsionen werden das Carcinoma in situ (Cis) mit „high grade“ und die Dysplasie als „low grade“ klassifiziert.
Patienten mit einem pT1-Blasentumor werden über die Invasion des subepithelialen Bindegewebes (Lamina propria) definiert. Obwohl T1-Tumoren als oberflächlicher Blasenkrebs klassifiziert wird, kommen solche Tumoren in unmittelbaren Kontakt mit den subepithelialen Blut- und Lymphgefäßen. Bei Patienten mit T1-Übergangszelltumoren, die sich einer radikalen Zystektomie unterziehen, finden sich nicht selten Metastasen in den regionalen Lymphknoten. Gen-Expressionsprofile lassen eine weitgehende Übereinstimmung mit muskelinvasiven pT2-Tumoren erkennen [2].
In der molekularen Pathogenese und Prognose des Urothelkarzinoms lassen sich zwei differente Entwicklungswege unterscheiden [3, 4]: In oberflächlichen Blasentumoren treten „gain-of function“-Mutationen der Onkoproteine RAS, Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor-3 und Phosphatidyinositol-3-Kinase wie auch Deletionen im langen Arm von Chromosom 9 (9q) häufig auf. Andererseits finden sich beim Cis und in invasiven Tumoren „loss-of-function“-Mutationen der Tumorsuppressorproteine p53, Retinoblastom und PTEN.
Lopez-Beltram et. al. (2010) berichten über 13 Fälle von invasiven mikropapillären Varianten des Urothelkarzinoms der Harnblase.
Die mikropapilläre Komponente in den Tumorproben variierte anteilmäßig von 50% bis zu 100%. Alle Patienten hatten Blasenkrebs im
fortgeschrittenen Stadium (>pT2) und bei 8 wurden Metastasen in Lymphknoten vorgefunden. Immunhistochemisch wurden sowohl in den
mikropapillären Anteilen als auch in angrenzenden herkömmlichen Urothelkarzinomen positive Färbergebnisse für MUC1 und 2, Zytokeratin 7,
PTEN, p53 sowie Ki-67 erhalten. In einigen Fällen ließen sich auch HER2, Uroplakin, Zytokeratin 20, CA125 und p16 nachweisen. Der
Immunophänotyp des mikropapillären Karzinoms spricht somit für einen urothelialen Ursprung [6].
Androgenrezeptoren wurden beim Menschen im normalen Blasenepithel wie auch in Blasentumoren von Männern und Frauen nachgewiesen. In Zelllinien aus menschlichen Übergangszell-Karzinomen ließen sich durch Behandlung mit kleinmolekularer interferierender RNA (siRNA) gegen den Androgenrezeptor die Proliferationsraten wie auch die Migrationskapazität der Zellen deutlich senken und die Apoptoseraten signifikant steigern. Zugleich wurde eine Erniedrigung der Expression von Wachstums- und Metastasierungs-bezogenen Genen wie Cyclin D1, Bcl-xL und der Matrix-Metallopeptidase-9 mittels quantitativer Reverse-Transkriptase-Polymerasekettenreaktion festgestellt. Ähnliche Ergebnisse lieferte die Behandlung von Urotheltumor-tragenden Nacktmäusen bei Behandlung mit siRNA gegen den Androgenrezeptor. Die Untersucher glauben, dass die Herunterregulierung der Androgenrezeptor-Expression bei Blasenkrebs als therapeutisches Ziel genutzt werden könnte [8].
In der Therapie des nicht-invasiven Urothelkarzinoms der Harnblase kommen operative (blasenerhaltend und nicht-blasenerhaltend; partielle
Zystektomien werden nur in Ausnahmefällen durchgeführt) wie auch konservative Therapieverfahren zur Anwendung.
Transurethrale Resektion (TUR)
Bei der transurethralen Resektion (TUR) werden beim oberflächlichen Harnblasenkarzinom zugleich diagnostische und kurative Ziele verfolgt.
Hierbei gilt es das korrekte Tumorstadium zu erfassen und alle sichtbaren Läsionen vollständig zu entfernen.
Bei pT1-Tumoren und bei positiven Randbiopsien ist eine Nachresektion nach 1-6 Wochen erforderlich. Diese Maßnahme empfiehlt sich auch bei
Ta/T1-“high grade“-Karzinomen. Weiterhin ist eine Nachresektion bei Patienten angezeigt, in deren pathologischem Präparat keine Muskulatur
zu erkennen war [10].
Radikale Zystektomie
Auch bei Hochrisiko-Blasenkrebs der Stadien Ta, T1 und Cis wird von der EAU eine Empfehlung für die radikale Zystektomie als alternative
Therapie bei Rezidiven nach intravesikaler Behandlung mit Bacillus Calmette-Guérin ausgesprochen [11].
Strahlenbehandlung im Rahmen multimodaler Therapien
In einer aktuellen Übersichtsarbeit berichten Kotwal und Munro (2010) über Ergebnisse verschiedener Studien der letzten Jahre, in denenen
Patienten mit Hochrisiko-pT1-Tumoren oder organbegrenztem muskelinvasivem Blasenkrebs im Rahmen einer multimodalen Therapie – meist in
Verbindung mit endoskopischer Tumorresektion und einer Chemotherapie – bestrahlt wurden. Solche Prüfungen waren überwiegend in einzelnen
Institutionen durchgeführt worden. Sie zeigten durchweg befriedigende Resultate hinsichtlich des krankheitsfreien Überlebens und der lokalen
Kontrolle des Tumors [12].
Instillationstherapie mit Bacillus Calmette-Guérin
Bereits in den späten 1980er Jahren zeigte sich, dass die Verabreichung von Bacillus Calmette-Guérin (attenuierte Tuberkuloseerreger) in die
Harnblase eine effektive Form der Immuntherapie dieser Krankheit darstellt. Auch wenn die exakten Mechanismen noch nicht aufgeklärt sind, wird
davon ausgegangen, dass Bacillus Calmette-Guérin offenbar eine lokale Immunreaktion gegen den Tumor hervorruft.
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Abb. 1: Kaplan-Meier-Kurven für rezidivfreies Überleben bei Patienten mit einem nicht-muskelinvasivem „high risk“-Urothelkarzinom der Harnblase, bei denen nach dem Fehlschlagen einer Instillationstherapie mit Bacillus Calmette-Guérin eine radikale Zystektomie indiziert gewesen wäre, aber aus verschiedenen Gründen nicht durchgeführt werden konnte, und die randomisiert nochmals mit Bacillus Calmette-Guérin oder intravesikal mit Gemcitabin behandelt wurden (nach Di Lorenzo G, et al. 2010). |
Die Patienten in beiden Armen, die nach einem initialen Behandlungskurs ohne Rezidiv blieben, setzten die Therapie aus zehn monatlichen Behandlungen im ersten Jahr fort.
Von den 120 randomisierten Patienten (60/60; 47/46 Männer) konnten die Daten von 55 Patienten im Mitomycin-Arm und 54 Patienten im Gemcitabin-Arm ausgewertet werden. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug in beiden Armen 36 Monate.
Im Gemcitabin-Arm blieben 39 von 54 Patienten (72%) und im Mitomycin-Arm 33 von 55 Patienten (62%) ohne Rezidiv (Abb. 2).
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Abb. 2: Kaplan-Meier-Kurven für krankheitsfreies Überleben seit Studieneintritt bei Patienten mit oberflächlichem Blasenkrebs Grad 3 (nach Addeo R, et al. 2010). |
Gemcitabin erwies sich rezidiviertem oberflächlichem Blasenkrebs gegenüber Mitomycin als wirksamer und besser verträglich. Ihm wird die Rolle
eines Kandidaten für die Instillationstherapie bei Patienten mit refraktärem Übergangszellkarzinom beigemessen.
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