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FDA-Expertenpanel bewertet Sicherheit der Testosterontherapie neu
Keine Evidenz für erhöhtes Prostatakarzinom- oder
kardiovaskuläres Risiko
Der männliche Testosteronmangel ist eine relevante, systemische
Erkrankung. Hierzu präsentierte die US-amerikanische Food and Drug Administration
(FDA) nun in einem Meeting klare wissenschaftliche Grundlagen. Bei entsprechender
Indikation (Männlicher Hypogonadismus) muss und darf eine adäquat dosierte Testosterontherapie
(TTh) betroffenen Männern nicht länger aus Sorge vor einem Prostakarzinom
(PCa) oder kardiovaskulären (CV) Risiken vorenthalten werden. Für Urologinnen
und Urologen liefert das FDA-Expertentreffen, das im Dezember 2025 stattfand, wichtige
Erkenntnisse zur TTh [1]. Denn zum wiederholten Male wurden von den Expertinnen und
Experten anhand der Analyse von wissenschaftlichen Daten – insbesondere der
TRAVERSE-Studie aus dem Jahr 2023 [2] – die Sicherheit einer TTh in Bezug auf das PCa und
CV-Risiko bestätigt.
Im Zentrum des FDA-Expertentreffens stand die Sicherheitsbewertung der TTh, insbesondere
in Bezug auf CV-Ereignisse und das PCa – zwei Aspekte, die in der ärztlichen Praxis bislang
häufig zu einer unangebrachten Zurückhaltung hinsichtlich der TTh führten. Entscheidend für
die Neubewertung waren insbesondere die Ergebnisse der TRAVERSE-Studie2 aus 2023, die
als bislang größte randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Sicherheitsstudie zur TTh
gilt. Mehr als 5.200 Männer mit einem symptomatischen Testosteronmangel waren eingeschlossen.
Alle Patienten hatten ein erhöhtes CV-Risiko oder bereits eine CV-Erkrankung in
der Vorgeschichte. Im Ergebnis zeigte sich, dass eine physiologische Testosterongabe weder
mit vermehrten schweren unerwünschten CV-Ereignissen (Myokardinfarkt, Schlaganfall oder
Tod durch CV-Ereignis) noch mit einer Zunahme der PCa-Inzidenz oder -mortalität assoziiert
war: Innerhalb von vier Jahren gab es diesbezüglich keine signifikanten Unterschiede zwischen
der Testosteron- und Placebo-Gruppe.2 Dr. Abraham Morgentaler, Urologe an der Harvard
Medical School, USA, brachte die Bedeutung dieser Daten auf den Punkt: Seiner Mei-
nung nach habe TRAVERSE die seit Jahren bestehenden großen Sicherheitsbedenken, nämlich
die Angst vor Herz-Kreislauf-Risiken und PCa, ausgeräumt.
„Nicht valider als der Glaube an die Zahnfee“
Ein weiterer zentraler Aspekt des Meetings war die Neubewertung des Zusammenhangs zwischen
Testosteron und Prostata. Das jahrzehntelang gelehrte Dogma, Testosteron fördere
das Wachstum oder die Progression eines PCa, wurde von mehreren Referentinnen und
Referenten als wissenschaftlich überholt dargestellt. Zahlreiche randomisierte Studien,
Metaanalysen und populationsbasierte Registerdaten zeigen konsistent, dass weder endogen
hohe Testosteronspiegel noch eine exogene, adäquat dosierte TTh das PCa-Risiko erhöhen.
Im Gegenteil mehren sich Hinweise, dass niedrige Testosteronwerte mit aggressiveren PCa-
Tumorformen und einer ungünstigeren Prognose assoziiert sein können. Morgentaler kommentierte
diese Neubewertung: „Die Vorstellung, Testosteron sei gefährlich für die Prostata,
ist heute wissenschaftlich nicht valider als der Glaube an die Zahnfee.“ Für Urologinnen und
Urologen bedeutet dies, dass hypogonadalen Männern eine indizierte TTh nicht aufgrund pauschaler
Prostataängste vorenthalten werden sollte.
Label-Warnhinweise in den USA überholt
Großen Raum nahm im Meeting zudem die Einordnung des Testosteronmangels als systemische
Erkrankung ein. Niedrige Testosteronspiegel sind mit einer erhöhten Prävalenz von Typ-
2-Diabetes, metabolischem Syndrom, Adipositas, Sarkopenie, Osteoporose, Depression
sowie erhöhter Gesamtmortalität assoziiert. Mehrere Teilnehmende des Panels bezeichneten
Testosteron als einen der wichtigsten verfügbaren Biomarker für die allgemeine Männergesundheit.
Dr. Helen Bernie, Urologin an der Indiana University, USA, brachte dies prägnant
zum Ausdruck: „Testosteron ist einer der aussagekräftigsten Biomarker für die Gesundheit des
Mannes – vergleichbar mit Blutdruck oder HbA1c.“
Bereits 2025 wurde auf Basis der TRAVERSE-Daten [2] in den USA der kardiovaskuläre Warnhinweis
im Label von Testosteron-Präparaten entfernt. Da eine TTh möglicherweise sogar
dazu beitragen könnte die Entwicklung eines PCa zu verhindern, seien die Prostata-Kontraindikationen
und Warnhinweise im Label ebenfalls überholt und sollten entfernt werden, befand
das Panel einhellig.
Fazit: Das FDA-Panel bewertet die aktuell vorliegenden wissenschaftlichen Daten
dahingehend, dass eine adäquat dosierte TTh nicht mit einem erhöhten CV- oder PCa-Risiko
verbunden ist. Besonders die TRAVERSE-Ergebnisse liefern zuverlässige Evidenz für die
Sicherheit der TTh. Vor diesem Hintergrund sollten Urologinnen und Urologen Männern mit
symptomatischem Testosteronmangel eine TTh nicht länger aus Sicherheitsbedenken vorenthalten.
Daten zeigen, dass hypogonadale Männer unter TTh kein erhöhtes Risiko für CVEreignisse
oder PCa aufweisen. Darüber hinaus kann eine TTh wichtige Parameter der metabolischen,
muskuloskelettalen sowie psychischen Gesundheit signifikant verbessern.
Besins Healthcare Germany
Quellen:
[1] Online unter:
https://www.youtube.com/live/BdAawJmQ9FsMC. Letzter Zugriff 17.04.2026.
[2] Lincoff AM, et al. Cardiovascular Safety of Testosterone-Replacement Therapy. N Engl J Med. 2023 Jul 13;389(2):107-117.
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