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PSMA-PET/CT ändert jede dritte Therapieplanung bei Prostatakrebs
So früh wie möglich und so aggressiv wie nötig – nach dieser Devise sollte jeder Prostatakrebs behandelt
werden, um Rezidive zu verhindern. Doch was bedeutet „nötig“ im Einzelfall?
Und welche Therapien samt Nebenwirkungen kann man dem Patienten womöglich ersparen? Eine aktuelle Studie zeigt,
dass eine frühzeitige, hochauflösende Bildgebung mittels PSMA-PET/CT bei dieser Frage eine gute Entscheidungshilfe
sein kann. Wie der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) mitteilt, lieferte das Verfahren in rund jedem
dritten Fall wichtige Informationen, die die Wahl der Therapie beeinflussten.
PSMA (Prostata-Spezifisches Membran-Antigen) ist ein Protein, das besonders häufig auf der Oberfläche von Prostatakrebszellen
zu finden ist. Für eine PSMA-PET/CT (Positronenemissions-Tomographie/Computertomographie) wird dem Patienten
eine schwach radioaktiv markierte Variante von PSMA gespritzt, die sich ebenso wie das natürliche Protein vornehmlich
auf Prostatakrebszellen anreichert. Bei einer nachfolgenden PET/CT lassen sich die radioaktiv markierten Zellen dann
genau lokalisieren – und zwar nicht nur in der Prostata selbst, sondern im Falle einer Metastasenbildung auch in
umliegenden Lymphknoten oder entfernteren Geweben. „Bislang wird diese Untersuchung nur zur Einschätzung
bereits bekannter, fortgeschrittener Tumoren oder bei der Verlaufskontrolle eingesetzt“, erklärt BDN-Experte
Professor Dr. med. Markus Essler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum
Bonn und Studienautor.
Im Rahmen der aktuellen Studie [1] wurde das Verfahren nun auf seine Eignung für die Erstdiagnostik des Prostatakarzinoms
hin untersucht. Als Probanden konnten die Forschenden insgesamt 230 Männer mit Verdacht auf Prostatakrebs gewinnen,
bei denen bislang weder eine Bildgebung noch eine Biopsie vorgenommen worden war. Die Teilnehmer wurden dem
bisherigen Standard gemäß untersucht, der zunächst eine sogenannte multiparametrische Magnetresonanztomographie
(mpMRT) vorsieht, dessen Bilder anschließend mit Live-Ultraschallaufnahmen kombiniert werden, um eine möglichst präzise
Biopsie vornehmen zu können. Abweichend vom Standardprotokoll wurde jedoch vor der ultraschallgeführten Biopsie eine
zusätzliche PSMA-PET/CT-Bildgebung durchgeführt, die ebenfalls für die Steuerung der Gewebeentnahme verwendet
wurde. Anschließend wurde das Tumorstadium für jeden Patienten zweimal unabhängig eingeschätzt: einmal allein
aufgrund der Standard-Untersuchung, ein zweites Mal mit Hilfe der zusätzlichen Informationen aus der PET/CT.
Insgesamt bestätigte sich der Krebsverdacht bei 137 der 230 Patienten. „Im Vergleich der beiden Bildgebungsverfahren
zeigte sich, dass die PET/CT-gestützte Biopsie mehr Tumoren identifizieren konnte als die MRT-geführte Biopsie.
Durch die Kombination beider Verfahren ließ sich zudem eine differenziertere Aussage über die Tumorausdehnung,
die Tumoraggressivität und damit das Tumorstadium treffen“, sagt Privatdozent Dr. med. Philipp Krausewitz, Leitender
Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des Universitätsklinikums Bonn, der als Erstautor
federführend für die Studie verantwortlich war. „Es wurden mehr Tumorherde erfasst, und ihre Verteilung und räumliche
Struktur wurde deutlicher abgebildet.“
Bei rund jedem dritten Patienten (34 Prozent) hätten diese Erkenntnisse Einfluss auf die Gestaltung der nachfolgenden
Therapie gehabt. Weil Krebszellen auf PET/CT-Aufnahmen deutlicher zu erkennen sind und das Tumorstadium daher
tendenziell höher eingeschätzt wurde, handelte es sich in der Regel um eine Intensivierung der Therapie. Das
bedeutete etwa, dass das Zielgebiet für eine Bestrahlung angepasst wurde oder dass regionale Lymphknoten
entfernt wurden, die ohne die PET/CT-Bildgebung nicht als befallen eingestuft worden wären. „Die detaillierten Aufnahmen
lieferten auch wertvolle Informationen für die Planung und Durchführung einer nervenerhaltenden Operation“, so Krausewitz.
Dabei versuchen die Operierenden, die für die Erektion zuständigen Nerven zu schonen, die dicht an der Prostata verlaufen.
Die PSMA-PET/CT ist ein etabliertes Verfahren, das bei der Untersuchung bereits operierter Prostatakrebs-Patienten
eingesetzt wird, wenn ihre Blutwerte auf eine Rückkehr des Tumors hindeuten. In diesem Fall werden die Kosten auch
von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, sofern das PSMA-PET/CT im Rahmen der Ambulanten
Spezialärztlichen Versorgung (ASV) erfolgt. In der Erstdiagnostik ist das bislang nicht der Fall; hier können
allenfalls Privatpatienten auf eine Kostenübernahme hoffen. „Noch wissen wir nicht, ob die sehr frühen und
detaillierten Erkenntnisse aus der PET/CT sich auch auf den Behandlungserfolg auswirken, also etwa die
Gefahr für ein Rezidiv verringern“, erklärt BDN-Experte Essler. Sollten sich in der geplanten Nachbeobachtungszeit bis
2028 jedoch robuste Hinweise für bessere Heilungschancen durch die leistungsstärkere Bildgebung zeigen, wäre eine
Kostenübernahme auch in der Erstdiagnostik wünschenswert.
Quelle:
[1]Krausewitz P, Essler M, Gaertner FC, et al. 2025. Impact of Initial Prostate-Specific Membrane Antigen
PET/CT Staging and Prostate-Specific Membrane Antigen-Targeted Biopsy on Treatment Decisions in Prostate Cancer:
Results from the Phase 2 DEPROMP Trial. J Nucl Med. 2025 Nov 6:jnumed.125.271344. doi: 10.2967/jnumed.125.271344.
Epub ahead of print. PMID: 41198235.
https://jnm.snmjournals.org/content/early/2025/11/06/jnumed.125.271344
Quelle: Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V.
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