Welcher biologische Parameter eignet sich bei Männern >55 Jahre mit Typ-2-Diabetes am besten zur Prädiktion von erektiler Dysfunktion?

Hintergrund

Patienten mit Typ-2-Diabetes sind gegenüber nicht diabetischen Männern deutlich häufiger von erektiler Dysfunktion (ED) betroffen. Zudem ist ED bei Männern >55 Jahre mit Typ-2-Diabetes überdurchschnittlich häufig mit Hypogonadismus assoziiert. Es ist jedoch nicht geklärt, inwieweit niedrige Testosteronspiegel bei diesen Männern mit ED assoziiert sind.

Zielsetzung
Bei Diabetikern >55 Jahre sollten insbesondere die drei biochemischen Parameter wie Gesamttestosteron TT, biologisch verfügbares Testosteron (BioT) und der Freies-Testosteron-Index (FTI) auf ihre Eignung analysiert werden, in dieser Männerklientel eine ED prognostizieren zu können.
Teilnehmer und Methoden
In der prospektiven Querschnittsstudie an der Abteilung für Diabetologie der Universitätsklinik von Guadeloupe wurde bei diabetischen Patienten das Gesamttestosteron (TT) mit der Elektrochemilumineszenz-Methode bestimmt. Anhand der Werte für Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG) und Serum-Albumin wurde daraus der Spiegel an BioT und der FTI errechnet. Ferner wurden der Nüchternblutzucker, das glykierte Hämoglobin, Lipide, das 25-OH-Vitamin-D und hochsensitives C-reaktives Protein (hs-CRP) bestimmt.

Die Patienten machten Angaben darüber, ob bei ihnen eine ED vorliegt. Dann wurde analysiert, inwieweit sich eine ED in den biochemischen Parametern widerspiegelt. Das Vorliegen einer ED wurde anhand des International Index of Erectile Function (IIEF - 15)-Fragebogens überprüft.

Patienten mit Nieren- oder Prostatakrankheiten und jene mit kognitiven Beeinträchtigungen waren ausgeschlossen.

Ergebnisse
Patientencharakteristika: Die aktuelle Kohorte umfasse 115 Männer im mittleren Alter 64 ± 7 Jahren mit einem im Mittel seit 97,5 ± 84 Monaten bestehendem Diabetes. In der Gesamtkohorte wurde ein mittlerer IIEF-15-Score von 16,4 ± 9,2 ermittelt. Ein IIEF-15-Score <26 galt als ED. Nach eigener Beurteilung waren 122 der Männer (67,6%) von ED betroffen. Ihr IIEF-15-Score erreichte nur 13,3 ± 7,8. Die 33 Männer, die angaben, keine ED zu haben, kamen auf 27,9 ± 1,2. Anhand des IIEF-15-Scores läge der Anteil Männer mit ED allerdings bei 78,8%. Als hypogonadal wurden 34,8% der Patienten eingestuft.

Prädiktiver Wert biochemischer Parameter: Sowohl TT als auch BioT waren signifikant mit dem ED-Score assoziiert (Odds Ratio [OR]: 0,91, 95% KI 0,84–0,98, p=0,01 bzw. OR: 0,73, 95% KI 0,58–0,93, p=0,01). Zwischen dem FTI und ED bestand keine Assoziation.

Die Diagnose einer ED anhand des TT-Spiegels erreichte eine Sensitivität von 90% während die Spezifität nur bei 29,3% lag. Bei Männern mit ED lag demnach größtenteils ein niedriger TT-Spiegel vor. Andererseits ließen sich Männer ohne ED nicht ohne Weiteres anhand eines hinreichend hohen TT-Spiegels identifizieren. Das lässt sich so interpretieren, dass sich auch bei Männern ohne ED häufig ein niedriger TT-Spiegel findet.

In univariater Analyse waren von den Testosteronspiegeln nur TT und BioT signifikant mit dem ED-Score assoziiert. In multivariater Analyse mit Adjustierungen für Alter, BMI, Rauchgewohnheiten, Alkoholkonsum und Dauer des Typ-2-Diabetes war nur noch TT mit ED assoziiert. Nach weiteren Adjustierungen für BioT, Vitamin D und hs-CRP blieb jedoch allein hs-CRP mit ED assoziiert (Odds Ratio: 1,71, 95% KI 1,00–2,89, p=0,046).

Kernaussagen
❏ Hochsensitives C-reaktives Protein erwies sich als potentieller prädiktiver Marker von ED.

❏ Gesamttestosteron erreichte bei der untersuchten Population bei hoher Sensitivität keine ausreichende prädiktive Spezifität.

❏ Bioverfügbares Testosteron und der Freies-Testosteron-Index erwiesen sich bei den diabetischen Männern als keine guten Prädiktoren für ED.    

Literatur:
Raharinavalona SA, Chevalier N, Gruel C, et al. 2019. What is the best biological parameter to predict erectile dysfunction in men aged >55 years with type 2 diabetes? J Diabetes Investig doi: 10.1111/jdi.13089. [Epub ahead of print]

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