Sarkopenie, ein alters- oder inaktivitätsbedingte, degenerative Verlust von Skelettmuskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Funktion, gehört zu den wesentlichen
klinischen Leitsymptomen des LOH-Syndroms. Studien zeigten, dass niedrigere Serum-Testosteronspiegel sowie
geringere Konzentrationen an freiem Testosteron (FT) unabhängige Risikofaktoren für die Entwicklung einer Sarkopenie darstellen.
Da Testosteron eine stark anabole Wirkung hat, führt ein Mangel direkt zu Veränderungen der Körperzusammensetzung. Vor allem
bei hypogonadalen Männern ist dieser hormonelle Mangel signifikant mit einem erhöhten Risiko für Stürze und Frakturen assoziiert, was wiederum zu einer erheblichen Verschlechterung
der Lebensqualität sowie einer erhöhten Gesamtmortalität führen kann. Körperliches Training in Kombination mit Testosteronersatztherapie (TRT) könnten bei
hypogonadalen Männer eine positive Wirkung haben, um die Muskelmasse zu bewahren und einer Sarkopenie vorzubeugen. Aktuell wurde die Wirksamkeit einer TRT in
Kombination mit körperlichem Training auf die Körperzusammensetzung bei Männern mit Hypogonadismus untersucht.
Teilnehmer/Methoden
In diese retrospektive Studie wurden 213 hypogonadale Patienten aufgenommen
und in vier Gruppen eingeteilt: Patienten, die körperlich aktiv waren und eine TRT erhielten (T+E-Gruppe; n=59);
Patienten ohne regelmäßige körperliche Aktivität, die eine TRT erhielten (T-Gruppe; n=52); Patienten, die körperlich aktiv waren, aber keine TRT erhielten (E-Gruppe; n=57);
sowie eine Kontrollgruppe ohne körperliches Training und ohne TRT (n=46).
Als körperlich aktiv galten Männer, die mindestens zweimal pro Woche für jeweils 30 Minuten
oder länger trainierten. Die Trainingsgewohnheiten wurden beim ersten Besuch
mittels eines Fragebogens (Selbstauskunft) erfasst; die Beibehaltung dieser Gewohnheiten wurde bei der Untersuchung nach 12 Monaten überprüft.
Die TRT erfolgte über einen Zeitraum von einem Jahr mittels intramuskulärer Injektion von Testosteronenanthat (250 mg). Es wurden
Daten zu Alter, medizinischer Vorgeschichte und Begleiterkrankungen erhoben. Bei der Erstuntersuchung sowie 6 und 12 Monate nach Beginn der
medizinischen Interventionen wurden Körpergröße, Gewicht, Körperfettanteil, Body-Mass-Index (BMI), fettfreie Körpermasse (Lean Body Mass, LBM),
Taillenumfang und der Index der fettfreien Masse (Fat-Free Mass Index, FFMI) bestimmt.
Bei allen durchgeführten Analysen wurden p-Werte <0,05 als statistisch signifikant betrachtet.
Ergebnisse
Das Durchschnittsalter (± Standardabweichung, SD) betrug in den Gruppen T+E, T, E und der
Kontrollgruppe: 66,9±8,0, 62,9±9,4, 67,8±7,3 bzw. 67,3±9,3 Jahre. Die mittleren Serum-FT-Spiegel (±SD) lagen bei 6,91±1,97; 7,99±2,19; 6,91±2,00
bzw. 6,80±2,33 pg/ml in den Gruppen T+E, T, E und in der Kontrollgruppe. Die Patienten der T-Gruppe waren signifikant jünger und wiesen signifikant höhere
Spiegel an freiem Testosteron auf als die Teilnehmer der anderen Gruppen.
In der Kontrollgruppe nahm der Taillenumfang zum Zeitpunkt der 12-Monats-Untersuchung signifikant zu, während in den anderen Gruppen keine
signifikanten Unterschiede festgestellt wurden. Der BMI zeigte in keiner der Gruppen signifikante Veränderungen. In der T+E-Gruppe
nahm der Körperfettanteil zum Zeitpunkt der 6-Monats-Untersuchung signifikant ab. Zudem wurde in der T+E-Gruppe nach 6 und 12 Monate nach Beginn der
TRT ein signifikanter Anstieg der fettfreien Körpermasse (LBM) beobachtet, während in den Gruppen T, E und der Kontrollgruppe
keine signifikante Verbesserung der LBM gemessen wurde. Auch der fettfreie Masse-Index (FFMI) nahm in der T+E-Gruppe 6 und 12 Monate nach
Behandlungsbeginn signifikant zu, in den anderen Gruppenkeine wurden signifikanten Veränderungen festgestellt. Der Anstieg des FFMI
vom Ausgangswert bis zur 12-Monats-Untersuchung war nur in der T+E-Gruppe signifikant stärker ausgeprägt (Abb.).
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Abb.:
Veränderung des FFMI vom Ausgangswert bis zum Zeitpunkt 6 Monate (A) bzw. 12 Monate (B) in den jeweiligen Gruppen. Ein Anstieg des
FFMI vom Ausgangswert bis zum 12-Monats-Termin war – im Vergleich zur Kontrollgruppe – nur in der T+E-Gruppe signifikant stärker (*p <0,05).
Zwischen den E- bzw. T-Gruppen und der Kontrollgruppe zeigte sich bei der Veränderung des FFMI vom Ausgangswert bis zum 12-Monats-Termin
kein signifikanter Unterschied.
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Die vorliegende Studie zeigte, dass eine TRT bei hypogonadalen Männern, die regelmäßig Sport treiben, zu
einem signifikanten Anstieg der fettfreien Körpermasse (LBM) sowie des fettfreien Masseindex (FFMI) führte. Im Vergleich zur Kontrollgruppe
konnten durch eine TRT oder sportliche Aktivität allein keine signifikanten Verbesserungen erzielt werden. Der
Anstieg des FFMI 12 Monate nach Abschluss der Interventionen war nur bei den Patienten, die eine TRT erhielten und regelmäßig Sport trieben,
signifikant ausgeprägter als in der Kontrollgruppe.
Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Wirksamkeit von sportlicher Aktivität oder einer TRT allein begrenzt ist und dass eine
Kombinationstherapie – bestehend aus sowohl sportlicher Aktivität als auch TRT – erforderlich ist, um die Muskelmasse bei
hypogonadalen Männern zu erhalten und zu steigern.
Eine einjährige Testosteronersatztherapie (TRT) bei hypogonadalen Männern, die regelmäßig Sport treiben, führte zu
einem signifikanten Anstieg der fettfreien Körpermasse (LBM) und des FFMI.
Nur durch Sport oder TRT allein konnte keine signifikante Verbesserung beobachtet werden. Um die positiven Effekte einer
TRT auf die Muskelmasse bei hypogonadalen Männern zu verstärken, sollte eine tägliche körperliche Betätigung empfohlen
werden.