Diese retrospektive Studie umfasste insgesamt 647 Patienten mit nicht-obstruktiver Azoospermie, die aufgrund von Fertilitätsproblemen
an die urologische Klinik des Universitätsklinikums Zagreb überwiesen worden waren. Die Studie wurde im Zeitraum von 2013 bis 2026
durchgeführt; analysiert wurden ausschließlich Fälle idiopathischer nicht-obstruktiver Azoospermie (n=363). Als Kontrollgruppe
dienten 109 Patienten mit der Diagnose einer obstruktiven Azoospermie (OA-Gruppe).
Die Patienten mit Azoospermie unterzogen sich einer umfassenden urologischen Untersuchung, einschließlich Spermienanalyse,
Bestimmung des Hormonstatus, Hodensonographie, Karyotypisierung sowie Untersuchung auf Y-Chromosomen-Mikrodeletionen
und Mutationen im CFTR-Gen (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator). Nach Abschluss der Diagnostik wurden
alle Patienten einer multifokalen offenen Hodenbiopsie (konventionelle testikuläre Spermienextraktion, cTESE) unterzogen.
Einige Parenchymproben wurden kryokonserviert, während andere einer histologischen Analyse unterzogen wurden
(Hämatoxylin-Eosin-Färbung [HE], Immunhistochemie [IHC] und Transmissionselektronenmikroskopie [TEM]).
Die OA-Gruppe wies normale Werte für das follikelstimulierende Hormon (FSH), das luteinisierende Hormon (LH) und das
Gesamttestosteron (T) auf. Patienten der NOA-Gruppe zeigten signifikant erhöhte FSH- und LH-Spiegel, wobei ein Patient
einen FSH-Wert von 64,9 IE/l aufwies. Innerhalb der NOA-Gruppe hatten 269 Patienten normale Testosteronspiegel, 92 wiesen
erniedrigte oder grenzwertig niedrige Werte auf, und bei 2 Patienten war der Testosteronspiegel leicht erhöht.
In Hodenbiopsieproben von Patienten mit NOA enthielt das Interstitium Leydig-Zellen unterschiedlicher Morphologie. In einigen Bereichen der
Biopsieproben behielten die Leydig-Zellen ihr charakteristisches Erscheinungsbild bei. In vielen NOA-Fällen fanden sich
jedoch häufig größere Cluster von Leydig-Zellen (30–80 Zellen), die einen erheblichen Teil des Interstitiums einnahmen.
Zudem gab es Leydig-Zellen mit vermehrtem Zytoplasma und Anzeichen einer ausgeprägten Hypertrophie. Die IHC-Analyse
deutete auf eine signifikante Abnahme der Testosteron-Expression (in situ) in einigen Leydig-Zellen hin. Die positive
IHC-Reaktion war häufig auf einen bestimmten zytoplasmatischen Bereich beschränkt, während der übrige Bereich kein
Signal zeigte. Die TEM-Analyse solcher Leydig-Zellen zeigte große Vakuolen sowie eine verringerte Menge an glattem
endoplasmatischem Retikulum, Mitochondrien und Lysosomen. Darüber hinaus wiesen einige Zellen eine drastische
Zunahme von Lipidtröpfchen auf, sowohl hinsichtlich der Anzahl als auch der Größe.
Bei dieser Studie handelt es sich um eine monozentrische Studie, daher sollten die Ergebnisse in einer
multizentrischen Studie unter Einbeziehung noch größerer Kohorten von NOA-Patienten bestätigt werden.
Die Studienergebnisse zeigen, dass die Ursache für niedrige Testosteronwerte oder grenzwertig niedrige Werte in
feinstrukturellen Veränderungen der Leydig-Zellen liegt. Da die Leydig-Zellen überwiegend für die Testosteronproduktion zuständig sind, können
ausgeprägte strukturelle Veränderungen zu funktionellen Problemen führen. Zu den möglichen Langzeitkomplikationen zählen
Libido- und Vitalitätsverlust, Müdigkeit, Adipositas, Diabetes mellitus Typ II, erektile Dysfunktion, Osteoporose und Infertilität.