Diese randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Phase-II-Studie mit parallelen Gruppen wurde an zwei akademischen
medizinischen Zentren mit Männern ab 40 Jahren mit organbegrenztem, niedriggradigem Prostatakrebs (Gleason-Score 6
oder 7) durchgeführt. Die Teilnehmer waren krebsfrei und wiesen seit mindestens zwei Jahren nach radikaler Prostatektomie einen nicht
nachweisbaren PSA-Wert, eine verminderte Libido, erektile
Dysfunktion oder Müdigkeit auf. Der mittlere Testosteronspiegel lag unter 275 ng/dl.
Die Patienten wurden mittels verdeckter Blockrandomisierung stratifiziert nach
Alter (40–60 Jahre oder >60 Jahre) und Einnahme von PDE5-Hemmer. Der erste Teilnehmer wurde am 13. Mai 2019
randomisiert, und der letzte Studienbesuch fand am 16. Mai 2025 statt. Die Behandlungsdauer war auf 12 Wochen begrenzt.
Der PSA-Wert wurde regelmäßig zu Studienbeginn, während der Interventionswochen
2, 4, 6, 8 und 12 kontrolliert und 3 Monate nach Beendigung der Studienmedikation gemessen.
Körperzusammensetzung, Muskelleistung, körperliche Funktion und maximale aerobe Leistungsfähigkeit
(VO2peak) wurden zu Studienbeginn und in Woche 12 beurteilt.
Die Studienteilnehmer erhielten wöchentlich intramuskulär 100 mg Testosteroncypionat oder Placebo über einen Zeitraum von 12 Wochen.
Der primäre Wirksamkeitsparameter war die Bewertung der sexuellen Aktivität. Zu den sekundären Endpunkten gehörten sexuelles
Verlangen, erektile Funktion, Wohlbefinden, Körperzusammensetzung,
aerobe Kapazität und körperliche Leistung. Als Sicherheitsendpunkt wurde das biochemische Rezidiv
(PSA ≥0,2 ng/ml) definiert.
Insgesamt wurden 136 Männer randomisiert (68 erhielten 100 mg Testosteroncypionat, 68 erhielten Placebo);
125 Männer schlossen die Studie ab.
Beide Gruppen wiesen vergleichbare Ausgangsmerkmale auf:
Das mittlere Alter (Standardabweichung [SD]) der Teilnehmer
betrug 68,6 (6,5) Jahre; 52 (38%) der Patienten hatten einen Gleason-Score
von 6 (3+3) und 84 (62%) einen Gleason-Score von 7 (3+4).
Die mittleren (SD) präoperativen PSA-Werte lagen bei 6,3
(5,7) ng/ml. Jeweils 19 Männer (27,9%) pro Gruppe gaben an,
zu Studienbeginn PDE5-Hemmer einzunehmen.
Unter TRT stiegen die Testosteronwerte stärker an als unter Placebo: Gesamt-Testosteronspiegel erhöhte sich
um 349 ng/dl und das freie Testosteron um 139 pg/ml.
Wirksamkeit
In der TRT-Gruppe zeigte sich ein signifikant stärkerer Anstieg der sexuellen
Aktivität als in der Placebo-Gruppe, bereinigt um die Anwendung von PDE5-Inhibitoren und das Alter
(geschätzter Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der sexuellen Aktivität
über 12 Wochen: 0,91 Ereignisse pro Tag [95%-KI: 0,56–1,26];
p <0,001.
Die TRT verbesserte das sexuelle Verlangen und verringerte negative Affekte stärker als Placebo und erhöhte
den EPIC-26-Score im Bereich Sexualität, der stark von Erektionsfähigkeit, -häufigkeit und -qualität sowie
der damit verbundenen Belastung beeinflusst wird, signifikant stärker als Placebo (Differenz zwischen den
Gruppen: 5,35 [95 %-KI: 1,63–9,07]).
Die Erektionsfähigkeit blieb unverändert.
Die TRT führte zu einem signifikant stärkeren Anstieg der fettfreien
Masse am gesamten Körper (Behandlungseffekt: 2,56 kg
[95%-KI: 1,88–3,24 kg]), an den Extremitäten (1,50 kg
[95%-KI: 1,10–1,90 kg]) und am Rumpf (1,06 kg [95%-KI: 0,70–1,41 kg]) im Vergleich zu Placebo. Die Fettmasse am gesamten
Körper (-1,52 kg [95%-KI: -2,21 bis -0,84 kg]), an den Extremitäten (-0,58 kg [95%-KI: -0,88 bis -0,28 kg])
und am Rumpf (-0,97 kg [95%-KI: -1,40 bis -0,55 kg]) nahm in der
Testosteron-Gruppe signifikant stärker ab als in der Placebo-Gruppe.
Sicherheit
In keiner der beiden Gruppen trat
während der 12-wöchigen Interventionsphase oder der 12-wöchigen Nachbeobachtungszeit
ein biochemisches Rezidiv auf.
Die Serum-PSA-Werte blieben bei allen bis auf drei Teilnehmer unterhalb der Nachweisgrenze.
Kein Teilnehmer erlitt ein klinisches Rezidiv. Die IPSS- und EPIC-26-Harnfunktionswerte veränderten sich in
keiner der beiden Gruppen.
Bei drei mit Testosteron behandelten Teilnehmern trat eine Erythrozytose (Hämoglobin >18 g/dl) auf.
Bei Männern mit Hypogonadismus, die sich aufgrund eines niedriggradigen Prostatakarzinoms einer radikalen Prostatektomie
unterzogen hatten, verbesserte eine 12-wöchige Testosteronersatztherapie (TRT) signifikant die sexuelle Aktivität,
das sexuelle Verlangen, das Wohlbefinden, die Körperzusammensetzung, die körperliche Funktionsfähigkeit sowie die aerobe Leistungsfähigkeit.
Während der 12-wöchigen TRT und der anschließenden dreimonatigen Nachbeobachtungszeit trat kein biochemisches
Rezidiv auf.
Diese Ergebnisse lassen sich nicht auf Männer mit hochgradigem Prostatakarzinom oder auf Patienten unter
Androgendeprivationstherapie oder Strahlentherapie übertragen.
Aufgrund der kurzen Studienlaufzeit und geringer Teilnehmerzahl war
keine Bewertung des klinischen Rezidivs oder der Langzeitsicherheit möglich, dennoch liefert diese
Proof-of-Concept-Studie eine solide Grundlage für eine größere Langzeitstudie.