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Testosteronbehandlung bei PCa-Überlebenden mit Hypogonadismus: Eine randomisierte klinische Studie

Hintergrund

Prostatakrebs ist die zweithäufigste Krebsart weltweit. Die Mehrheit der Männer, bei denen heute Prostatakrebs diagnostiziert wird, hat eine niedriggradige, auf das Organ beschränkte Erkrankung. Patienten, die sich einer radikalen Prostatektomie aufgrund eines niedriggradigen Prostatakarzinoms unterziehen, haben eine 5-Jahres-Überlebensrate ohne Krankheitsrückfall von über 99%. Gleichzeitig weisen 30–50% dieser Patienten Hypogonadismus auf mit Symptomen wie sexuelle Funktionsstörungen, körperliche Funktionsstörungen, Müdigkeit und depressive Verstimmung, die die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen.

Viele Leitlinien betrachten eine Prostatakrebsvorgeschichte als Kontraindikation für eine Testosteronersatztherapie (TRT), da randomisierte klinische Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit der TRT für diese Patientengruppe fehlen. Dieser Studie hatte zum Ziel, die Wirksamkeit und Sicherheit einer kurzfristigen TRT bei Prostatakrebsüberlebenden mit symptomatischen Hypogonadismus zu untersuchen.

Teilnehmer/Methoden

Diese randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Phase-II-Studie mit parallelen Gruppen wurde an zwei akademischen medizinischen Zentren mit Männern ab 40 Jahren mit organbegrenztem, niedriggradigem Prostatakrebs (Gleason-Score 6 oder 7) durchgeführt. Die Teilnehmer waren krebsfrei und wiesen seit mindestens zwei Jahren nach radikaler Prostatektomie einen nicht nachweisbaren PSA-Wert, eine verminderte Libido, erektile Dysfunktion oder Müdigkeit auf. Der mittlere Testosteronspiegel lag unter 275 ng/dl. Die Patienten wurden mittels verdeckter Blockrandomisierung stratifiziert nach Alter (40–60 Jahre oder >60 Jahre) und Einnahme von PDE5-Hemmer. Der erste Teilnehmer wurde am 13. Mai 2019 randomisiert, und der letzte Studienbesuch fand am 16. Mai 2025 statt. Die Behandlungsdauer war auf 12 Wochen begrenzt. Der PSA-Wert wurde regelmäßig zu Studienbeginn, während der Interventionswochen 2, 4, 6, 8 und 12 kontrolliert und 3 Monate nach Beendigung der Studienmedikation gemessen. Körperzusammensetzung, Muskelleistung, körperliche Funktion und maximale aerobe Leistungsfähigkeit (VO2peak) wurden zu Studienbeginn und in Woche 12 beurteilt.

Die Studienteilnehmer erhielten wöchentlich intramuskulär 100 mg Testosteroncypionat oder Placebo über einen Zeitraum von 12 Wochen. Der primäre Wirksamkeitsparameter war die Bewertung der sexuellen Aktivität. Zu den sekundären Endpunkten gehörten sexuelles Verlangen, erektile Funktion, Wohlbefinden, Körperzusammensetzung, aerobe Kapazität und körperliche Leistung. Als Sicherheitsendpunkt wurde das biochemische Rezidiv (PSA ≥0,2 ng/ml) definiert.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 136 Männer randomisiert (68 erhielten 100 mg Testosteroncypionat, 68 erhielten Placebo); 125 Männer schlossen die Studie ab. Beide Gruppen wiesen vergleichbare Ausgangsmerkmale auf: Das mittlere Alter (Standardabweichung [SD]) der Teilnehmer betrug 68,6 (6,5) Jahre; 52 (38%) der Patienten hatten einen Gleason-Score von 6 (3+3) und 84 (62%) einen Gleason-Score von 7 (3+4). Die mittleren (SD) präoperativen PSA-Werte lagen bei 6,3 (5,7) ng/ml. Jeweils 19 Männer (27,9%) pro Gruppe gaben an, zu Studienbeginn PDE5-Hemmer einzunehmen. Unter TRT stiegen die Testosteronwerte stärker an als unter Placebo: Gesamt-Testosteronspiegel erhöhte sich um 349 ng/dl und das freie Testosteron um 139 pg/ml.

Wirksamkeit
In der TRT-Gruppe zeigte sich ein signifikant stärkerer Anstieg der sexuellen Aktivität als in der Placebo-Gruppe, bereinigt um die Anwendung von PDE5-Inhibitoren und das Alter (geschätzter Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der sexuellen Aktivität über 12 Wochen: 0,91 Ereignisse pro Tag [95%-KI: 0,56–1,26]; p <0,001.

Die TRT verbesserte das sexuelle Verlangen und verringerte negative Affekte stärker als Placebo und erhöhte den EPIC-26-Score im Bereich Sexualität, der stark von Erektionsfähigkeit, -häufigkeit und -qualität sowie der damit verbundenen Belastung beeinflusst wird, signifikant stärker als Placebo (Differenz zwischen den Gruppen: 5,35 [95 %-KI: 1,63–9,07]). Die Erektionsfähigkeit blieb unverändert. Die TRT führte zu einem signifikant stärkeren Anstieg der fettfreien Masse am gesamten Körper (Behandlungseffekt: 2,56 kg [95%-KI: 1,88–3,24 kg]), an den Extremitäten (1,50 kg [95%-KI: 1,10–1,90 kg]) und am Rumpf (1,06 kg [95%-KI: 0,70–1,41 kg]) im Vergleich zu Placebo. Die Fettmasse am gesamten Körper (-1,52 kg [95%-KI: -2,21 bis -0,84 kg]), an den Extremitäten (-0,58 kg [95%-KI: -0,88 bis -0,28 kg]) und am Rumpf (-0,97 kg [95%-KI: -1,40 bis -0,55 kg]) nahm in der Testosteron-Gruppe signifikant stärker ab als in der Placebo-Gruppe.

Sicherheit
In keiner der beiden Gruppen trat während der 12-wöchigen Interventionsphase oder der 12-wöchigen Nachbeobachtungszeit ein biochemisches Rezidiv auf. Die Serum-PSA-Werte blieben bei allen bis auf drei Teilnehmer unterhalb der Nachweisgrenze. Kein Teilnehmer erlitt ein klinisches Rezidiv. Die IPSS- und EPIC-26-Harnfunktionswerte veränderten sich in keiner der beiden Gruppen. Bei drei mit Testosteron behandelten Teilnehmern trat eine Erythrozytose (Hämoglobin >18 g/dl) auf.

Zusammenfassung
Bei Männern mit Hypogonadismus, die sich aufgrund eines niedriggradigen Prostatakarzinoms einer radikalen Prostatektomie unterzogen hatten, verbesserte eine 12-wöchige Testosteronersatztherapie (TRT) signifikant die sexuelle Aktivität, das sexuelle Verlangen, das Wohlbefinden, die Körperzusammensetzung, die körperliche Funktionsfähigkeit sowie die aerobe Leistungsfähigkeit. Während der 12-wöchigen TRT und der anschließenden dreimonatigen Nachbeobachtungszeit trat kein biochemisches Rezidiv auf. Diese Ergebnisse lassen sich nicht auf Männer mit hochgradigem Prostatakarzinom oder auf Patienten unter Androgendeprivationstherapie oder Strahlentherapie übertragen.

Aufgrund der kurzen Studienlaufzeit und geringer Teilnehmerzahl war keine Bewertung des klinischen Rezidivs oder der Langzeitsicherheit möglich, dennoch liefert diese Proof-of-Concept-Studie eine solide Grundlage für eine größere Langzeitstudie.

Literatur:
Bhasin S, et al. 2026. Testosterone Treatment in Prostate Cancer Survivors With Hypogonadism: A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 186 (7):805-814. doi:10.1001/jamainternmed.2026.1343
Juli 2026 Drucken Red.
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