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Der Zusammenhang zwischen Testosteronersatztherapie und dem Auftreten von Hüftfrakturen: Eine retrospektive Analyse mit Vergleichsgruppe

Hintergrund

Der Zusammenhang zwischen Testosteronersatztherapie (TRT) und Hüftfrakturen ist bisher wenig erforscht. Hypogonadismus, der mit niedrigen Testosteronspiegeln einhergeht, ist ein wesentlicher Faktor, der insbesondere bei alternden Männern zu einer schlechten Knochengesundheit beiträgt. Dieser Hormonmangel tritt auch bei Frauen auf und steht mit Knochenverlust und Alterungsprozessen in Verbindung. In der vorliegenden Studie wurde der Zusammenhang zwischen der Anwendung von TRT und dem Auftreten von Hüftfrakturen bei Männern und Frauen verschiedener Altersgruppen unter Einbeziehung einer Kontrollgruppe untersucht.

Teilnehmer/Methoden

Die Analyse basierte auf der PearlDiver Mariner165-Datenbank, die über 165 Millionen US-Patienten aus den Jahren 2010–2022 umfasst. Mithilfe der Datenbank wurden zwei zufällig ausgewählte Kohorten von je 500.000 Patienten im Alter von 35 bis 75 Jahren gebildet. Die Interventionsgruppe erhielt mindestens drei Monate lang eine TRT, die Kontrollgruppe nicht. Nach 1:1 Matching anhand von Alter, Geschlecht und Komorbiditäten blieben 301.724 gepaarte Patienten übrig, bei denen die Effekte der TRT untersucht worden sind. Patienten mit rheumatologischen, autoimmunen oder Krebserkrankungen wurden ausgeschlossen. Die Inzidenz von Hüftfrakturen wurde über einen zweijährigen Beobachtungszeitraum anhand der ICD-Diagnosecodes (Internationale Klassifikation der Krankheiten) erfasst und der Zusammenhang zwischen TRT und Hüftfrakturen mittels multivariabler logistischer Regression analysiert.

Es wurden Subgruppenanalysen nach Alter (35-45 Jahre, 46-55 Jahre, 56-65 Jahre, 66-75 Jahre) und Geschlecht (männlich oder weiblich) durchgeführt, sowie Variablen wie Hypogonadismus, chronische Nierenerkrankung, Osteoporose, Anwendung von Bisphosphonaten, Arthrose, Lungenerkrankung, Herzinsuffizienz, Demenz, Alkoholmissbrauch, Übergewicht/Adipositas (Body-Mass-Index >25 bzw. >40) kontrolliert. Für jeden Vergleich wurden adjustierte Odds Ratios (aORs) sowie die zugehörigen 95%-Konfidenzintervalle (CIs) berechnet, die statistische Signifikanz lag bei p <0,05.


Ergebnisse

Inzidenz von Hüftfrakturen nach 2 Jahren
Die Anwendung von TRT war im Vergleich zur Kontrollgruppe mit einer geringeren Inzidenz von Hüftfrakturen verbunden (0,13% vs. 0,25%; p <0,001). Bei Stratifizierung nach Alter zeigte sich deutlicher Rückgang bei TRT-Anwendern im Vergleich zu den Kontrollgruppen in den Altersgruppen 46 bis 55 Jahre (0,085% vs. 0,13%; p=0,002), 56 bis 65 Jahre (0,14% vs. 0,22%; p=0,001) und 66 bis 75 Jahre (0,25% vs. 0,59%; p <0,001). Bei den männlichen Patienten der TRT-Gruppe war die Inzidenz von Hüftfrakturen deutlich niedriger als in der Kontrollgruppe (0,13% vs. 0,23%; p <0,001). Auch bei den weiblichen Probanden der TRT-Gruppe war die Inzidenz von Hüftfrakturen deutlich niedriger als in der Kontrollgruppe (0,13% vs. 0,29%; p <0,001).

Die adjustierte multivariate Regression ergab, dass Patienten der TRT-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe eine adjustierte Odds Ratio (aOR) von 0,58 (95%-KI: 0,51 bis 0,66; p <0,001) hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit eine Hüftfraktur zu erleiden aufwiesen. Bei Stratifizierung nach Geschlecht zeigte die adjustierte multivariate Analyse für Männer unter TRT eine aOR von 0,61 (95%-KI: 0,53 bis 0,72; p <0,001) für die assoziierte Inzidenz von Hüftfrakturen vs. Kontrollgruppe. Bei weiblichen Patienten unter TRT lag die aOR für die assoziierte Inzidenz von Hüftfrakturen versus Kontrollgruppe bei 0,49 (95%-KI: 0,38 bis 0,63; p <0,001).

Geriatrische Patienten der TRT-Gruppe, Alter von 66 bis 75 Jahren, wiesen über alle Kohorten hinweg eine deutlich geringere assoziierte Inzidenz von Hüftfrakturen im Vergleich zur Kontrollgruppe auf: aOR 0,42 (95%-KI: 0,35 bis 0,51; p <0,001) für die Gesamtkohorte, aOR 0,41 (95%-KI: 0,33 bis 0,51; p <0,001) für Männer und aOR 0,31 (95%-KI: 0,21 bis 0,44; p <0,001) für Frauen.


Zusammenfassung

Diese Studie zeigte, dass Testosteronersatztherapie (TRT) mit einer geringeren Häufigkeit von Hüftfrakturen verbunden ist. Obwohl frühere Untersuchung den Zusammenhang zwischen TRT und verschiedenen Verletzungen des Bewegungsapparats dokumentiert haben, belegt die vorliegende Studie eine schützende Wirkung der TRT bei den Hüftfrakturen sowohl bei Männern als Frauen verschiedener Altersgruppen.

Die Studie liefert neue Erkenntnisse über die Auswirkungen einer Testosterontherapie auf orthopädische Ergebnisse.

Prospektive, randomisierte, kontrollierte Studien sind jedoch erforderlich, um die kausalen Zusammenhänge zu bestätigen und abschließend festzustellen, ob die TRT direkt zu einer Verringerung von Hüftfrakturen führt. Dies könnte helfen, die Rolle der TRT bei Männern und Frauen mit einem Risiko für Hüftfrakturen besser einzuordnen.

Einschränkungen: Die Studie ist retrospektiv und kann daher keine Kausalität beweisen. Daten zu Dosierung, Formulierung und Therapietreue der TRT fehlen. Weitere Einflussfaktoren wie Ernährung, Aktivität oder andere Medikamente wurden nicht erfasst. Die Ergebnisse sind nur eingeschränkt auf Frauen übertragbar.

Fazit
  • Patienten, die eine Testosteronersatztherapie (TRT) erhielten, hatten ein 1,9-fach geringeres Risiko für Hüftfrakturen, dieser Vorteil blieb auch nach Berücksichtigung von Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Tabakkonsum. Dies deutet auf einen protektiven Effekt von TRT hin.

  • Der stärkste protektive Effekt zeigte sich bei älteren Patienten – insbesondere bei Männern im Alter von 46 bis 75 Jahren und Frauen im Alter von 56 bis 75 Jahren.

  • Dies steht im Einklang mit den gut belegten Daten zur Rolle von Testosteron bei der Erhaltung der Knochendichte und -festigkeit (Ng M, et al, andro.topics 116/2021) insbesondere bei alternden Menschen, die aufgrund sinkender Hormonspiegel ein erhöhtes Risiko für Hüftfrakturen haben.

  • Literatur:
    Peresuh SJ. 2026. A Matched Retrospective Analysis: The Relationship Between Testosterone Replacement Therapy and the Incidence of Hip Fractures. Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons 34(3):p e370-e375, February 1, 2026. | DOI: 10.5435/JAAOS-D-24-01334
    Juni 2026 Drucken Red.
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