Die retrospektive Kohortenstudie untersuchte das Auftreten schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse bei männlichen
Patienten mit nicht-funktionierenden Hypophysenadenomen und Prolaktinomen, mit und ohne SHG.
Die eingeschlossenen Probanden wurden in drei Kohorten unterteilt: Gruppe 1=kein SHG, Gruppe 2=SHG unter TRT-Behandlung
und Gruppe 3=SHG ohne Behandlung.
Das primäre Endereignis waren MACE, definiert als ein zusammengesetztes Endereignis
aus nicht-tödlichem Myokardinfarkt (MI), nicht-tödlichem Schlaganfall, perkutaner koronarer Revaskularisation ohne vorausgehenden MI
sowie kardial bedingter Mortalität.
408 Patienten [Gruppe 1, n=150 (36,7%) Männer, Gruppe 2, n=214 (52,5%) Patienten und Gruppe 3, n=44 (10,8%) Patienten]
wurden über einen medianen Zeitraum von 8,1 Jahren (Interquartilsabstand 3,3–14,1) nachbeobachtet.
Von den mit TRT behandelten Patienten (Gruppe 2) erhielten 119 (55,6%) eine intramuskuläre Depot-Testosterontherapie und 95 (44,4%) eine transdermale Therapie.
Die multivariate logistische Regressionsanalyse zeigte keinen signifikanten Unterschied
im Auftreten von MACE zwischen den Gruppen. Die MACE-Ergebnisse wurden weder durch
die Adenomgröße noch durch das Vorliegen anderer hypophysärer Hormondefizite oder den Testosteronspiegel beeinflusst.
Patienten der Gruppe 3 hatten ein erhöhtes Mortalitätsrisiko im Vergleich zu Gruppe 2 und 1.
Die Männer in der Gruppe 3 waren älter (Durchschnittsalter 61,7 J. [SD 15,1]) im Vergleich zu 56,8 J. (Gruppe 2) bzw. 53,7 J. (Gruppe 1)
(
p=0,0087) und die Raten an vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen (CVD) waren höher 27,3% versus 14,7% (Gruppe 2)
und vs. 15% (Gruppe 1) (
p=0,027). Es bestand kein signifikanter Unterschied bei den aktuellen Testosteronspiegeln zwischen der
Gruppe 1 (Median des Testosterons 14,8 [IQR 11,9; 18,5]) und der Gruppe 2 (Median des
Testosterons 14,8 [IQR 10,2; 21,4]) (
p=0,75; Referenzbereich 8,0–32,0 nmol/l), in der Gruppe 3 (SHG ohne Behandlung) wiesen die Männer signifikant
niedrigere Testosteronspiegel auf (3,2 nmol/l [IQR 0,6; 5,1];
p<0,001). Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen
den drei Gruppen hinsichtlich ihrer Serum-Hämatokritwerte.
MACE-Outcome (Abb.)
Insgesamt 73 (17,9%) Patienten erlitten ein MACE-Ereignis. Einige Patienten erlebten mehr als ein kardiovaskuläres (CV) Ereignis
während des Nachbeobachtungszeitraums. Nur zwei Patienten wurden revaskularisiert, ohne dass ein Myokardinfarkt auftrat; beide
gehörten zur Gruppe 1. Es bestand kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der Anzahl
der MACE-Ereignisse (
p=0,57).
Ein TRT-behandelter SHG, die Art des Hypophysenadenoms, das Vorliegen weiterer hormoneller Defizite sowie die
Testosteronspiegel waren nicht mit einem statistisch signifikanten Anstieg der Wahrscheinlichkeit für ein MACE-Ereignis assoziiert.
In der multivariaten Regression zeigten Patienten mit TRT-behandeltem SHG keine höhere Wahrscheinlichkeit für ein MACE-Ereignis
im Vergleich zu Patienten ohne SHG (OR 0,74 [95-%-KI: 0,37–1,51];
p=0,413). Wie erwartet, war die Wahrscheinlichkeit für das
Auftreten von MACE bei Patienten, die Statine (OR 3,79 [95%-KI: 1,48–9,72];
p=0,006) oder eine antihypertensive Therapie
(OR 6,04 [95%-KI: 2,11–17,28];
p=0,0008) erhielten, sowie bei Patienten mit vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung (CVD)
(OR 5,88 [95%-KI: 2,75–12,56];
p <0,0001) signifikant höher.
Beim Vergleich der Darreichungsformen zeigte sich kein signifikanter Unterschied hinsichtlich des Auftretens
von MACE; sie wurden bei 19,33% (23/119) der Patienten unter intramuskulären Depot-Testosterontherapie und bei 12,63% (12/95) der Patienten
unter transdermaler Anwendung (
p=0,1882) beobachtet.
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Abb.: Gesamtzahl der MACE, nicht-tödliche Schlaganfälle, nicht-tödliche Myokardinfarkte und kardiale Todesfälle
(mod. nach Munro V, et al.).
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Diese Studie belegt die kardiovaskuläre Sicherheit einer TRT bei Patienten mit SHG und
Hypophyseninsuffizienz. Trotz höherer Raten anderer Hormonmängel wiesen mit TRT-behandelte
SHG-Patienten im Vergleich zu Männern ohne SHG und unbehandelten SHG-Patienten kein erhöhtes Risiko für MACE auf.
Wie bereits in früheren Studien gezeigt, war unbehandelter SHG mit einer höheren Mortalität
assoziiert; diese Patienten wiesen jedoch häufig schwerere Begleiterkrankungen auf, was zu einer Ablehnung der Therapie führte.
Diese Studie liefert weitere Belege für die kardiovaskuläre Sicherheit der TRT und kann Patienten, die aufgrund von Bedenken
hinsichtlich kardiovaskulärer Nebenwirkungen eine Therapie ablehnen, ermutigen eine TRT in Erwägung zu ziehen.
Fazit
Eine TRT ist für Patienten mit hypophysär-bedingtem sekundärem Hypogonadismus sicher und erhöht das Risiko für MACE
nicht. Ein unbehandelter SHG scheint hingegen mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko einherzugehen – auch wenn Betroffene
älter sind und mehr Begleiterkrankungen aufweisen.