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Zusammenhang zwischen Testosteronersatztherapie und Prostataerkrankungen bei älteren Männern mit Hypogonadismus

Hintergrund

Bedenken hinsichtlich potenzieller prostatabedingter Komplikationen im Zusammenhang mit einer Testosteronersatztherapie (TRT) führen häufig dazu, dass Männer mit Hypogonadismus trotz nachgewiesener Wirksamkeit einer TRT unbehandelt bleiben. Diese Bedenken rühren unter anderem aufgrund der Rolle der Androgene bei der Stimulation des Prostatawachstums und der Anwendung der Androgenentzugstherapie zur Behandlung von fortgeschrittenem PCa her. Diese Studie analysierte die Gesamtauswirkungen der TRT und die Effekte in Abhängigkeit von Anwendungsdauer, Verabreichungsweg und der gleichzeitigen Anwendung von Aromatasehemmern im Hinblick auf das Risiko für PCa und BPH.

Teilnehmer/Methoden

Es handelt sich hier um eine groß angelegte retrospektive Kohortenstudie, die anhand von Medicare-Daten aus den Jahren 2007 bis 2020 Männer ab 65 Jahren mit diagnostiziertem primärem oder sekundärem Hypogonadismus untersuchte. Mithilfe der Cox-Regressionsanalyse und eines 1:1-Propensity-Score-Matchings, jeweils stratifiziert nach Altersgruppen, wurde der Zusammenhang zwischen Prostataerkrankungen und der Anwendung von TRT untersucht. Die TRT-Anwendung wurde zusätzlich nach Behandlungsdauer, Verabreichungsweg und gleichzeitiger Gabe von Aromatasehemmern (AI) kategorisiert.

Ergebnisse

Diese retrospektive Beobachtungsstudie untersuchte ältere Männer mit dokumentiertem Hypogonadismus über einen Zeitraum von 14 Jahren.

Risiko für Prostatakrebs
Im direkten Vergleich zeigte die Testosteronersatztherapie (TRT) eine geringere Prostatakrebsinzidenz als der Verzicht darauf (9,5 vs. 17,3 pro 1000 Personenjahre). Die Langzeitanwendung (>1 Jahr) der TRT wies eine geringere Inzidenz auf als die Kurzzeitanwendung (≤1 Jahr) (6,8 vs. 11,7 pro 1000 Personenjahre). Die parenterale Testosteronersatztherapie (TRT) wies eine etwas niedrigere Inzidenz auf als die topische TRT (9,0 vs. 9,5 pro 1000 Personenjahre), und die Kombination von TRT und Aromatasehemmern zeigte eine niedrigere Inzidenz als die TRT alleine (8,5 vs. 9,5 pro 1000 Personenjahre).

Nach Adjustierung für Störfaktoren war die Anwendung von TRT mit einer signifikanten Risikoreduktion von 16% für Prostatakrebs assoziiert (HR=0,84; 95%-KI: 0,82–0,86). Insbesondere war die Langzeitanwendung von TRT mit einer Risikoreduktion von 15% verbunden (HR=0,85; 95%-KI: 0,82–0,87), während die Kurzzeitanwendung mit einer Risikoreduktion von 16% einherging (HR=0,84; 95 %-KI: 0,82–0,86). Sowohl die parenterale als auch die topische Applikation waren mit einer Risikoreduktion von 12% (HR=0,88; 95 %-KI: 0,86–0,91) bzw. 13% (HR=0,87; 95 %-KI: 0,84–0,90) assoziiert. In Sekundäranalysen zeigte die Kombination von TRT und Aromatasehemmern keine signifikante Risikoreduktion für Prostatakrebs (HR=0,99; 95%-KI: 0,87–1,13), aber die TRT ohne Aromatasehemmer mit einer signifikanten Risikoreduktion von 16% verbunden war (HR=0,84; 95%-KI: 0,82–0,86). Das galt für beide Applikationswege (parenteral und topisch).

Risiko einer benignen Prostatahyperplasie (BPH)
Die mediane Nachbeobachtungsdauer für die BPH-Risikoanalyse war mit 3,3 Jahren relativ kurz, das entspricht insgesamt 1.639.345 Personenjahre als Beobachtungszeit. In diesem Zeitraum wurde bei 172.398 Personen (41,7%) eine BPH diagnostiziert. TRT-Anwender hatten eine längere mediane Nachbeobachtungszeit (3,8 Jahre) als Nicht-Anwender (2,8 Jahre).

TRT-Anwender wiesen eine geringere BPH-Inzidenz auf als Nicht-Anwender (91,4 vs. 122,8 pro 1000 Personenjahre). Die Langzeitanwendung war mit weniger BPH-Fällen verbunden als die Kurzzeitanwendung (59,9 vs. 114,5 pro 1000 Personenjahre). Die topische TRT zeigte eine etwas niedrigere Inzidenz als die parenterale TRT (88,4 vs. 89,7 pro 1000 Personenjahre). Darüber hinaus zeigte die Kombination von TRT und Aromatasehemmern eine geringere Inzidenz von BPH als die TRT ohne Aromatasehemmer (78,9 vs. 91,9 pro 1000 Personenjahre).

Nach vollständiger Adjustierung war die Anwendung von TRT im Vergleich zur Nichtanwendung mit einem geringfügigen Anstieg des BPH-Risikos um 13% verbunden (HR=1,13; 95%-KI: 1,11–1,14). Parenterale TRT war mit einem Anstieg um 19% assoziiert (HR=1,19; 95%-KI: 1,17–1,20), während topische TRT mit einem Anstieg um 12% verbunden war (HR=1,12; 95%-KI: 1,10–1,13). Unter den TRT-Subgruppen, definiert nach Applikationsweg und -dauer, zeigte die langfristige topische TRT den geringsten Anstieg (HR=1,09; 95%-KI: 1,07–1,12). Sowohl die TRT mit als auch ohne Aromatasehemmer war mit einem um 12% erhöhten Risiko für eine BPH assoziiert (HR=1,12). Sensitivitätsanalysen bestätigten diese Ergebnisse und zeigten ein vergleichbares erhöhtes Risiko für BPH um 14% bei jeglicher TRT (HR=1,14; 95%-KI: 1,12–1,15): Ein erhöhtes Risiko von 19% bei parenteraler TRT (HR=1,19; 95%-KI: 1,17–1,21), ein erhöhtes Risiko von 12% bei topischer TRT (HR=1,12; 95 %-KI: 1,10–1,14), ein erhöhtes Risiko von 12% bei TRT in Kombination mit einem Aromatasehemmer und ein erhöhtes Risiko von 13% bei alleiniger TRT.

Schlussfolgerungen

Diese Studienergebnisse sind ein weiterer Beweis dafür, dass eine Testosteronersatztherapie das Risiko für Prostatakrebs nicht erhöht. In dieser Studie war die Anwendung von TRT mit einer 16%igen Reduktion des PCa-Risikos verbunden, zeigte aber gleichzeitig ein 13%iges erhöhtes Risiko für eine benigne Prostatahyperplasie.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines differenzierteren Ansatzes bei der Verschreibung von TRT für ältere Männer mit Hypogonadismus und verdeutlichen, wie Verabreichungsweg, Behandlungsdauer und die gleichzeitige Gabe eines Aromatasehemmers das Risikoprofil beeinflussen.

Von den verschiedenen Formen der TRT war die langfristige topische TRT mit dem geringsten Anstieg des BPH-Risikos assoziiert. Die gleichzeitige Gabe eines Aromatasehemmers schien die mit der alleinigen TRT beobachtete Reduktion des PCa-Risikos aufzuheben.

Trotz der nachgewiesenen Wirksamkeit einer TRT-Behandlung von Hypogonadismus bleiben viele Männer aufgrund der Sorge um das PCa-Risiko unbehandelt. Diese Ergebnisse liefern Hinweise, die eine fundiertere, individualisierte klinische Entscheidungsfindung unterstützen und möglicherweise dazu anregen, die TRT-Anwendung erneut in Erwägung zu ziehen.

Literatur:
Baik SH. 2026. Association Between Testosterone Replacement Therapy and Prostatic Disorders in Elderly Hypogonadal Men. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, Volume 111, Issue 3, March 2026, Pages e794–e810, https://doi.org/10.1210/clinem/dgaf504
März 2026 Drucken Red.
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