In die Auswertung kamen Daten von 1.478 Männern (≥60 Jahre) aus der National Health and Nutrition Examination Survey (2011–2016).
Mithilfe von Cox-Regressionsmodellen wurde der direkte Zusammenhang zwischen Testosteron und Mortalität untersucht.
Um indirekte Effekte über den Gebrechlichkeitsindex (FI) zu quantifizieren, wurden Mediationsanalysen durchgeführt und der Anteil der vermittelten
Effekte als Verhältnis des indirekten zum Gesamteffekt berechnet.
Cox-Regressionsanalysen ergaben einen signifikanten inversen Zusammenhang zwischen Testosteronspiegel und Gesamt-
sowie kardiovaskulärer Mortalität. Ein höherer Testosteronspiegel war mit einem reduzierten Risiko für Gesamtmortalität
und kardiovaskuläre Mortalität assoziiert.
Diese Zusammenhänge blieben auch nach der Adjustierung für Alter und BMI signifikant. Testosteron zeigte dabei einen unabhängigen
Schutzeffekt auf die Gesamtmortalität (HR=0,892, 95% KI: 0,830–0,959,
p=0,002) und die kardiovaskuläre Mortalität
(HR=0,820, 95% KI: 0,715–0,939,
p=0,004).
Auch der Frailty-Score war stark mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert. Jeder Anstieg des Frailty-Scores um 0,1 Einheiten
war mit einem höheren Risiko für die Gesamt- und die kardiovaskuläre
Mortalität verbunden. Der Frailty-Score blieb als starker unabhängiger Prädiktor
für die Gesamtmortalität (HR=1,648, 95% KI: 1,495–1,816,
p< 0,01) und die kardiovaskuläre Mortalität
(HR=1,723, 95% KI: 1,460–2,033,
p <0,01) auch nach Adjustierung für Alter, BMI und anderen Kovariaten.
In den durchgeführten Mediationsanalysen zeigte sich, dass Testosteron hinsichtlich der Gesamtmortalität signifikant mit niedrigeren
Gebrechlichkeitswerten
und die Gebrechlichkeit signifikant mit einem höheren Sterberisiko assoziiert waren. Nach Anpassung an den Gebrechlichkeitsfaktor
war der direkte Einfluss von Testosteron stark abgeschwächt und nicht mehr statistisch signifikant.
Der indirekte Einfluss über die Gebrechlichkeit machte etwa 35,9% des Gesamteffekts für die Gesamtmortalität aus.
Hinsichtlich der kardiovaskulären Mortalität zeigte sich ebenfalls ein signifikanter Zusammenhang zwischen Testosteron und Gebrechlichkeit.
Höhere Testosteronwerte waren mit geringerem Risiko für kardiovaskuläre Mortalität verbunden, ein erhöhter Frailty-Score sagte ein
deutlich erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Mortalität voraus. Frailty machte 21,7% des Gesamteffekts für kardiovaskuläre Mortalität aus.
Die Studienergebnisse zeigen, dass Gebrechlichkeit den Zusammenhang zwischen Testosteron und der Gesamtmortalität
sowie der kardiovaskulären Mortalität bei älteren Männern signifikant beeinflusst. Nach Anpassung an
den Gebrechlichkeitsfaktor wird der direkte Einfluss des Testosterons auf die
Sterblichkeit stark abgeschwächt und ist nicht mehr statistisch signifikant. Die Ergebnisse unterstreichen die enge
Verflechtung von Hormonstatus, physiologischer Reserve und Überleben.
❏ Gebrechlichkeit vermittelt signifikant den Zusammenhang zwischen Testosteron und Mortalität bei älteren Männern.
❏ Höhere Testosteronwerte sind mit einer niedrigeren Gesamtmortalität sowie einer geringeren Mortalität durch
Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert.
❏ Männer mit niedrigen Testosteronwerten sind anfälliger für Muskelschwund, reduzierte körperliche
Leistungsfähigkeit und Gebrechlichkeit, was ihr Leben verkürzt.
❏ Die Ergebnisse unterstreichen Gebrechlichkeit als wichtigen Ansatzpunkt für therapeutische Interventionen bei älteren Männern
mit niedrigen Testosteronspiegeln.