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Zusammenhang zwischen Remnant-Cholesterin und niedrigem Testosteronspiegel bei erwachsenen Männern

Hintergrund

Testosteron, ein Steroidhormon, das hauptsächlich in den Hoden produziert wird, spielt bei der Entwicklung und dem Erhalt männlicher Merkmale und Gesundheit eine wesentliche Rolle. Niedrige Testosteronwerte können die Sexualfunktion beeinträchtigen und zu Muskelschwund, verstärkter Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und verminderter Knochendichte führen, was die Lebensqualität deutlich mindert. Klinische Studien zeigen, dass reduzierte Testosteronwerte mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und chronische Nierenerkrankungen einhergehen.

Remnant-Cholesterin (RC) ist das Cholesterin triglyceridreicher Lipoproteine mit einer hohen atherogenen Wirkung. Cholesterin dient als Vorstufe aller Steroidhormone, einschließlich Testosteron und Veränderungen des Cholesterinspiegels können potenziell die Synthese von Steroidhormonen beeinflussen. Der Zusammenhang zwischen RC und dem Serumtestosteronspiegel ist noch nicht vollständig geklärt. In dieser Studie wurde dieser Zusammenhang untersucht.

Teilnehmer/Methoden

Die Studiendaten stammen aus den Erhebungszyklen 2013–2014 und 2015–2016 der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) und konzentrierten sich auf Männer älter als 20 Jahre in den USA. RC wurde als Differenz zwischen Gesamtcholesterin (TC) und der Summe aus HDL-Cholesterin (HDL-c) und LDL-Cholesterin (LDL-c) gemessen. Die Analysen zum Zusammenhang zwischen RC und niedrigem Testosteronspiegel umfassten logistische Regression, Subgruppenanalyse, Kurvenanpassung und Mediationsanalyse.

Ergebnisse

Ein niedriger Testosteronspiegel wurde bei erwachsenen Männern als Serumtestosteronwert unter 300 ng/dl definiert (gemäß den Richtlinien der American Urological Association (AUA). Im Rahmen dieser Studie wurden Daten von 2.248 Teilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 47,04 ± 0,49 Jahren analysiert und bei 442 Probanden ein niedriger Testosteronspiegel festgestellt. Beim Vergleich der klinischen Basischarakteristika der Gruppe mit Testosteronmangel mit denen der Gruppe ohne Testosteronmangel hat ergeben, dass die Patienten in der Gruppe mit Testosteronmangel älter und häufiger verheiratet waren und sie wiesen einen höheren BMI, HOMA-IR-Wert und höhere Triglyceridwerte auf (p <0,01). Sie zeigten eine höhere Inzidenz von Diabetes, Hypertonie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronischer Nierenerkrankung auf, hatten jedoch niedrigere HDL-Cholesterin-, Serum-Gesamttestosteron- und SHBG-Werte (p <0,001) als Männer in der Gruppe ohne Testosteronmangel. Probanden mit niedrigem Testosteronspiegel hatten signifikant höhere RC-Werte als solche mit normalem Testosteronspiegel (22,28 ± 0,42 vs. 29,19 ± 0,88, p <0,001). Die Subgruppenanalyse identifizierte keine spezifischen Populationen. Es wurde aber festgestellt, dass der Body-Mass-Index (BMI) und der HOMA-IR-Wert diesen Zusammenhang teilweise vermitteln.

Signifikanter Zusammenhang zwischen RC und niedrigem Testosteronspiegel

Es zeigte sich ein direkter Zusammenhang zwischen RC und niedrigem Testosteronspiegel (OR=1,02; 95%-KI: 1,01–1,03; p <0,001). Die logistische Regressionsanalyse ergab einen signifikanten Zusammenhang zwischen RC (als kontinuierliche Variable) und dem Risiko für einen niedrigen Testosteronspiegel. Ohne Berücksichtigung anderer Variablen war ein erhöhter RC-Wert mit einem höheren Risiko für die Entwicklung eines niedrigen Testosteronspiegels assoziiert (p <0,001). Dieser Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung zusätzlicher Kovariaten signifikant (p <0,001). Andererseits hatten Personen mit RC-Werten über 24 mg/dl ein um 73% höheres Risiko für einen niedrigen Testosteronwert als Patienten mit RC-Werten unter 24 mg/dl (p <0,001). Bei Einteilung der RC-Werte in Quartile zeigte sich im höchsten Quartil ein signifikant erhöhtes Risiko (2,19-fach höher als im niedrigsten Quartil; p <0,001) (p für Trend p <0,001). Die Analyse mittels Kurvenanpassung ergab einen linearen Zusammenhang zwischen RC und dem Risiko eines niedrigen Testosteronspiegels (Abb.).

Abb.: Eine Analyse mittels Kurvenanpassung ergab einen
linearen Zusammenhang zwischen RC und dem Risiko für
niedrige Testosteronspiegel (p <0,001).
 

Zusammenfassung
Diese Studie liefert erste Hinweise auf einen engen Zusammenhang zwischen Restcholesterin und dem Risiko eines niedrigen Testosteronspiegels. Der Zusammenhang zwischen den beiden Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen legt eine strengere Beurteilung des Herz-Kreislauf-Risikos bei diesen Patienten nahe. In der klinischen Diagnostik könnten Ärzte den Testosteronspiegel auch als Indikator für Störungen des Cholesterinstoffwechsels heranziehen und mit einer Überwachung der RC-Werte die Behandlung zeitnah anpassen. Personalisierte Behandlungsstrategien sind für Patienten mit niedrigem Testosteronspiegel und hohem RC-Wert, die eine Hormonersatztherapie mit cholesterinsenkenden Medikamenten kombinieren, in Erwägung zu ziehen.

  Fazit
  ❏ Erhöhte RC-Werte korrelieren mit einem erhöhten Risiko für niedrige Testosteronspiegel.

❏ Die Abklärung eines niedrigen Testosteronspiegels bei Patienten mit hohen RC-Werten, ebenso wie die Überwachung des Lipidprofils, insbesondere der RC-Werte, kann bei Männern mit niedrigem Testosteronspiegel in der Beurteilung und Behandlung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen.

Literatur:
Wang Z, et al. 2025. The relationship between remnant cholesterol and low testosterone in adult males. The Journal of Sexual Medicine, 22:258–264 https://doi.org/10.1093/jsxmed/qdae180
Januar 2026 Drucken Red.
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