Tendenzen bei der Anwendung einer Testosterontherapie nach überstandenem Prostatakrebs

Hintergrund/Zielsetzung

Über ärztliche Verschreibungsmuster in Verbindung mit der Anwendung einer Testosterontherapie bei Männern nach kurativer Prostatakrebsbehandlung sind kaum Daten verfügbar. Anhaltspunkte hierzu liefert die Analyse demographischer Daten und die Beleuchtung der Anwendungsmuster einer Testosterontherapie bei Männern mit abgeschlossener Prostatakrebsbehandlung in den USA.

Patienten und Methoden

Aus der Optum®-Clinformatics™-Data-Mart-Datenbank wurden Männer im Alter ab 40 Jahren identifiziert und retrospektiv ausgewertet, die zwischen 2003 und 2018 wegen Prostatakrebs operativ und/oder mit Bestrahlung behandelt worden waren und die daraufhin eine Testosterontherapie erhalten hatten. Aus den gespeicherten Informationen gingen demographische und klinische Faktoren hervor anhand derer sich Tendenzen über die Anwendung der Testosterontherapie nach überstandenem Prostatakrebs erkennen lassen.

Demographische Vergleiche

Von insgesamt 126.374 Prostatakrebspatienten, bei denen im Verlauf des Studienzeitraums eine Prostatakrebsbehandlung (42.515 Operation, 75.186 Bestrahlung und 8.673 beides) abgeschlossen war, hatten 3.074 (2,4%) im Anschluss Testosteron erhalten. Unter den mit Testosteron behandelten Männern waren im Vergleich zu denen ohne Testosterontherapie nach kurativer Prostatakrebsbehandlung im Mittel jüngere (63,8 vs. 67,3 Jahre) Patienten, sowie vermehrt Männer weißer Hautfarbe, mit College-Ausbildung und einer höheren Gehaltsklasse. Ferner hatten die mit Testosteron behandelten Männer eher an erektiler Dysfunktion und depressiven Störungen gelitten, und ihr PSA-Spiegel lag vor der Prostatakrebsbehandlung seltener über 10 ng/ml. Ungewöhnlicherweise lag bei 34,0% bis 37,4% der Männer vor dem Beginn der Testosterontherapie offenbar kein Testosterontest vor.

Inanspruchnahme während der Studienperiode

Bei der Anwendung von Testosteron nach kurativer Behandlung von Prostatakrebs wurde seit dem Beginn der Studienperiode bis zum Jahr 2013 ein Anstieg von 0,21% auf 4,9% aller in Frage kommender Männer festgestellt. Dieser Trend war auch nach Aufteilung der Männer mit Operation vs. Bestrahlung vs. Kombination nachvollziehbar. Nach 2013 stellte sich allmählich ein Plateau bei 1,79% der Männer ein.

Vergleich von Laborparametern

Der mediane (Interquartilbereich) PSA-Wert vor der Testosterontherapie hatte in der operierten, in der bestrahlten und in der mit beiden behandelten Gruppe 0 (0 – 0), 0,2 (0 – 0,8) bzw. 0 (0 – 0,5) ng/ml betragen. Als medianer Testosteronspiegel vor Beginn der Testosterontherapie waren 254 (188 – 343), 214 (98 – 303) bzw. 172 (14 – 335) ng/dl bestimmt worden.

Vergleiche nach Therapiemodalität

Die mediane Zeit bis zum Beginn der Testosterontherapie nach Abschluss der Prostatakrebsbehandlung betrug bei den operierten Männern 78,4 Wochen, bei den bestrahlten Männern 100,4 Wochen und 137,4 Wochen bei der kombiniert behandelten Kohorte. Als mediane Dauer der Testosterontherapie ließen sich 1,37, 0,83 bzw. 0,94 Jahre ermitteln. Die Kohorte Männer mit Testosterontherapie nach Prostatakrebsoperation bestand gegenüber jenen mit Bestrahlung vermehrt aus weißen Männern, die häufiger über einen Bachelor-Abschluss oder darüber verfügten, die häufiger über 100k pro Jahr verdienten und im Mittel (SD) mit 59,8 (7,8) Jahren vs. 67,5 (9,0) jünger waren.

Kernaussagen
 
❏ Zahlreiche Männer erhalten nach abgeschlossener kurativer Prostatakrebstherapie eine Testosteronbehandlung.

❏ Die Tendenz der Verschreibung von Testosteron lässt Präferenzen bei jüngeren, besser situierten, prostatektomierten Männern mit erektiler Dysfunktion und depressiven Störungen erkennen.

❏ Bei diesen Patienten unterscheiden sich die Indikationsstellung und die Therapieüberwachung nicht von den Verfahren in der übrigen Bevölkerung.

   

Literatur:
Chen  T, Li  S, Eisenberg ML, 2021. Trends in testosterone therapy use in prostate cancer survivors in the United States. J Sex Med 18:1346-1353.

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