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Idiopathische überaktive Blase
Frühzeitige Anwendung von BOTOX® kann Lebensqualität deutlich verbessern

Bei Patient*innen mit idiopathischer überaktiver Blase (idiopathic overactive bladder, iOAB) sollte bei unzureichender Wirksamkeit oder Unverträglichkeit der oralen medikamentösen Therapie frühzeitig eine leitliniengerechte Umstellung auf OnabotulinumtoxinA (BOTOX®) in Erwägung gezogen werden. Wie Studienergebnisse und Real-World-Erfahrungen zeigen, kann sich die Behandlung im Alltag unmittelbar positiv auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirken [1-7]. Im Rahmen einer von AbbVie organisierten „Meet-the-Expert“-Veranstaltung beim diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU)* gab PD Dr. med. Fabian Queißert, Leiter des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums sowie des Bereichs Neurourologie am Universitätsklinikum Münster, einen Einblick, wie OnabotulinumtoxinA wirksam und sicher bei iOAB angewendet werden kann und was es zu beachten gilt.

Die iOAB ist weit verbreitet und kann mit erheblichem Leidensdruck im Alltag einhergehen. Schätzungen zufolge leiden etwa 16-17% der Erwachsenen unter iOAB [8]. Typische Symptome sind imperativer Harndrang, Pollakisurie und Harninkontinenz [9]. Neben konservativen Maßnahmen wie Beckenbodentraining oder Anpassungen des Ernährungs- und Trinkverhaltens kommen mit oralen Anticholinergika oder dem ß3-Adrenorezeptor-Agonist Mirabegron zunächst systemisch wirkende Therapien zum Einsatz [1]. Ihre Anwendung wird jedoch häufig durch Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Obstipation, Akkommodationsstörungen oder kognitive Beeinträchtigungen eingeschränkt [1]. „Viele Patient*innen brechen die orale Therapie aufgrund mangelnder Wirksamkeit oder Verträglichkeit relativ früh wieder ab“, erläuterte Dr. Queißert. Besonders relevant sei zudem die anticholinerge Last, die insbesondere bei älteren und multimorbiden Menschen durch die Kombination verschiedener Medikamente zunehmen und das Sturz- und/oder Demenzrisiko erhöhen kann [10, 13]. Aus Sicht des Experten müssen diese Aspekte bei der Therapieentscheidung dringend berücksichtigt werden.

Frühzeitige Umstellung auf OnabotulinumtoxinA bei Versagen der oralen Therapie
Bei unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit der oralen medikamentösen Therapie empfiehlt die S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) mit hohem Empfehlungsgrad den Wechsel auf die lokale Behandlung mit OnabotulinumtoxinA [1]. Nach Einschätzung von Dr. Queißert sollte diese Option frühzeitig mit den Patient*innen besprochen werden – insbesondere, wenn unter Anticholinergika keine ausreichende Symptomkontrolle erreicht wird oder eine relevante anticholinerge Last besteht. Als einziges Botulinumtoxin vom Typ A ist OnabotulinumtoxinA (BOTOX®) in Deutschland seit mehr als zehn Jahren als minimal-invasive Therapie für Erwachsene zur Behandlung der iOAB mit den Symptomen Harninkontinenz, imperativer Harndrang und Pollakisurie zugelassen, die auf eine systemische Behandlung mit Anticholinergika unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben [2].

BOTOX®: Gute Wirksamkeit und Verträglichkeit umfassend dokumentiert
OnabotulinumtoxinA wird direkt in die Blasenwand injiziert und reduziert dort die Überaktivität des Detrusormuskels. Die Harnblase soll hierdurch wieder in die Lage versetzt werden, normale Mengen an Urin aufzunehmen und zu halten, wodurch sich auch das Dranggefühl wieder normalisieren kann. In randomisierten klinischen Studien führte die Behandlung mit 100 AE** OnabotulinumtoxinA zu einer signifikanten Verbesserung der iOAB-Symptomatik gegenüber Placebo und zeigte gleichzeitig ein günstiges Verträglichkeitsprofil [3, 4]. Da die Wirkung lokal erfolgt, wird die anticholinerge Last nicht zusätzlich erhöht [2, 14]. Die Symptomkontrolle kann dadurch nicht nur die Blasenfunktion, sondern auch die Lebensqualität der Betroffenen verbessern [4-6]. Real-World-Erfahrungen bestätigen die Wirksamkeit im Versorgungsalltag und zeigen mögliche Einsparungen bei oralen Medikamenten und Inkontinenzprodukten [7].

Minimal-invasiv und ambulant durchführbar
Die Injektion von OnabotulinumtoxinA in die Blasenwand kann ambulant unter lokaler Betäubung durchgeführt werden [2, 15]. „OnabotulinumtoxinA zu spritzen ist sehr einfach – und daher kann ich behandelnden Kolleg*innen nur raten, es selbst in der Praxis zu versuchen“, so Dr. Queißert. „Einschließlich Vorbereitung und Nachkontrolle sollten Patient*innen etwa eine Stunde einplanen, die Injektion in den Detrusormuskel nimmt hiervon nur wenige Minuten in Anspruch.“ Da OnabotulinumtoxinA mechanistisch nicht nur eine Erregungsweiterleitung am Muskel, sondern auch an vorgeschalteten Nervenzellen der Blase verhindert, kann mit der Therapie eine Wirkdauer von ca. sechs Monaten erreicht werden [2].

Wichtig sei laut Dr. Queißert, sich individuell mit den einzelnen Patient*innen und ihrer therapeutischen Situation auseinanderzusetzen. „Achten Sie sowohl auf frühzeitige Anzeichen eines Versagens der systemisch-medikamentösen Therapie als auch auf mögliche negative prädiktive Faktoren für eine lokale Behandlung und ziehen Sie diese in die Bewertung mit ein“, richtete Dr. Queißert seine Empfehlung an das Auditorium. Eine Urodynamik könne aus seiner Sicht dabei helfen, Kriterien wie eine schlechte Dehnbarkeit der Harnblase bei Fibrosierung des Detrusors oder eine Obstruktion abzuklären. Sie sei jedoch nicht grundsätzlich erforderlich. „OnabotulinumtoxinA stellt eine wichtige Therapieoption bei iOAB dar. Individuell abgestimmt können Betroffene bei wiederholter Behandlung langfristig von einer verbesserten Lebensqualität profitieren“, resümierte Dr. Queißert. Eine Real-World-Studie zeigte, dass etwa 70% der Patient*innen die Behandlung auch nach vier Jahren fortsetzen – ein Hinweis für eine hohe Akzeptanz der Therapie [16].


AbbVie-Meet the Expert „BOTOX® bei iOAB – Tipps und Tricks aus Expertenhand“ im Rahmen des 78. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU), Düsseldorf, 17. September 2026.

Literatur
[1] S2k-Leitlinie Harninkontinenz der Frau. AWMF-Registernummer 015-091, Stand Dezember 2021, Version 1.0. Link: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-091l_S2k_Harninkontinenz-der-Frau_2022-03.pdf (Letzter Zugriff: 17.09.2026).
[2] BOTOX® Fachinformation, aktueller Stand.
[3] Chapple C et al. Eur Urol. 2013;64(2):249–256.
[4] Nitti VW et al. J Urol. 2013;189:2186–2193.
[5] Nitti VW et al. J Urol. 2016;196:791–800.
[6] Nitti VW, et al. J Urol. 2017;197(2S):S216-S223.
[7] Hamid R et al. Int Urogynecol J. 2021;32(1):65–74.
[8] Eapen RS, Radomski SB. Res Rep Urol. 2016:8:71-6.
[9] Diokno AC et al. Fam Pract. 2006;23:568–577.
[10] Kiesel EK et al. BMC Geriatr. 2018;18(1):239.
[11] Wilczynski K et al. Medicina (Kaunas). 2021;57(10):1115.
[12] Dmochowski RR et al. Neurourol Urodyn. 2021;40(1):28–37.
[13] Zheng YB et al. Neurosci Biobehav Rev. 2021:127:296–306.
[14] Drake MJ et al. BJU Int. 2017;120(5):611–622.
[15] Chancellor MB et al. Nat Clin Pract Urol. 2008;5(6):319–328.
[16] Nestler S et al. Int Urol Nephrol. 2025;57:3199–3206.


Oktober 2026 Red.

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