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Hodenkrebs
TESTCIS-Studie: Inzidenz thromboembolischer Ereignisse bei Patienten mit Hodentumoren unter Cisplatin-Therapie

Trotz der erhöhten Inzidenz von Hodentumoren bei Männern im Alter zwischen 15 und 35 Jahren weisen Patienten mit dieser Neoplasie dank der Chemotherapie eine hohe Fünfjahresüberlebensrate auf. Cisplatin – ein Wirkstoff, der in der Standardbehandlung von Hodentumoren eingesetzt wird – scheint jedoch mit einer erhöhten Häufigkeit thromboembolischer Ereignisse assoziiert zu sein. Ziel der TESTCIS-Studie war es, die Inzidenz thromboembolischer Ereignisse bei Hodentumorpatienten unter Cisplatin-Therapie zu untersuchen, Risikofaktoren für Thromboembolien zu identifizieren und den Anteil der Patienten zu ermitteln, deren Chemotherapie-Schema nach einem thromboembolischen Ereignis modifiziert werden musste, um die Angemessenheit einer begleitenden Thromboseprophylaxe bei der Anwendung von Cisplatin zu bewerten.

Methoden
TESTCIS ist eine deskriptive, longitudinale und retrospektive Studie, die an vier Krankenhäusern in der Verwaltungsregion Chaudière-Appalaches in der Provinz Québec durchgeführt wurde. In die Studie eingeschlossene Patienten mussten eine Cisplatin-basierte Chemotherapie im Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2012 und dem 30. November 2023 begonnen und abgeschlossen haben. Mittels bivariater logistischer Regression wurde der Zusammenhang zwischen den identifizierten Variablen und dem Auftreten eines thromboembolischen Ereignisses untersucht.

Ergebnisse
Im Rahmen der Studie traten bei 23 von 56 Patienten (41,1%) mindestens ein thromboembolisches Ereignis auf. Bei 19 Patienten (33,9%) handelte es sich um ein schwerwiegendes thromboembolisches Ereignis – d.h. eine Lungenembolie, eine tiefe Beinvenenthrombose, eine arterielle Thrombose oder eine zerebrale Venenthrombose. Die Mehrheit dieser thromboembolischen Ereignisse (84,4%) ereignete sich während der laufenden Chemotherapie der Patienten. Unter den untersuchten Merkmalen zeigten das Rezidiv der Erkrankung (p=0,03735) sowie ein Khorana-Score von 2 (p=0,01124) einen statistisch signifikanten Zusammenhang mit dem Auftreten eines thromboembolischen Ereignisses. Bei drei Patienten (5,4%) wurde das Chemotherapie-Schema aufgrund eines thromboembolischen Ereignisses geändert. Insgesamt erhielten 7 Patienten (12,5%) eine Thromboseprophylaxe; drei von ihnen erlitten dennoch ein thromboembolisches Ereignis. Bei fünf Patienten (8,9%) traten Blutungen auf; jedoch nur einer dieser fünf Patienten (der keine Antikoagulationstherapie erhielt) erlitt eine schwere Blutung.

Schlussfolgerung
Das beobachtete Auftreten thromboembolischer Ereignisse bei Patienten in der TESTCIS-Studie verdeutlicht die Notwendigkeit weiterer Studien und Diskussionen, um den tatsächlichen Nutzen einer Thromboseprophylaxe für Patienten mit Hodentumoren, die ein Cisplatin-basiertes Behandlungsschema erhalten, zu ermitteln. Die Autoren vertreten die Ansicht, dass ein rezidivierendes Hodentumorleiden sowie ein Khorana-Score von 2 oder höher bei der Erstuntersuchung als explorative Befunde zu werten sind, die einer Bestätigung in größeren prospektiven Studien bedürfen. Besondere Aufmerksamkeit sollte zudem Patienten mit oberflächlicher Venenthrombose gewidmet werden, da diese Erkrankung das Risiko für ein nachfolgendes schwerwiegendes thromboembolisches Ereignis erhöhen kann. Die Wirksamkeit und Sicherheit der Thromboseprophylaxe in dieser Patientengruppe sollten im Rahmen einer Post-Interventions-Studie weiter evaluiert werden.



Dubois M, et al. 2026. Incidence of thromboembolic events in testicular cancer patients receiving cisplatin (TESTCIS study). Journal of oncology pharmacy practice. 2026 Apr 29 [Epub ahead of print] https://doi.org/10.1177/10781552261445806



Mai 2026 Red.

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