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78. DGU-Kongress
HSPC: Die Triple-Therapie beim hormonsensitiven Prostatakarzinom

Die im August 2025 veröffentlichten S3-Leitlinien empfehlen eine Triple-Therapie mit Darolutamid, Docetaxel und ADT bei Chemotherapie-fähigen Patienten mit metastasiertem hormonsensitiven Prostatakarzinom [1]. Beim DGU 2026 wurde ein differenziertes Bild diskutiert und neue Studiendaten veröffentlicht [2, 3, 4].

Triple-Therapie für Chemotherapiekandidaten
Prof. Dr. Martin Bögemann, Uniklinik Münster, schlug in einer Fortbildungssitzung zum metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom (mHSPC) vor, eine Triple-Therapie mit Darolutamid, ADT und Docetaxel anstatt, wie in der S3-Leitlinie formuliert, „chemotherapiefähigen Patienten“, besser „Chemotherapiekandidaten“ anzubieten. Zudem würde er zuerst eine Testung auf BRCA (und HRR-Mutationen), PTEN-Verlust sowie ein PSMA-PET-CT durchführen. Er verwies auf die Studien AMPLITUDE [5], die mit der zusätzlichen Gabe von Niraparib zu Abirateron/Prednison und ADT eine Verlängerung des radiologischen progressionsfreien Überlebens (rPFS) bei Patienten mit BRCA-Mutationen (HR: 0,52; p<0,0001) oder HRR-Mutationen (HR: 0,63; p<0,0001) erreichte, und TALAPRO-3, in der bei vorliegenden HRR-Mutationen ein Vorteil durch die zusätzliche Gabe von Talazoparib zu Enzalutamid gezeigt wurde [6]. Bei Patienten mit wie auch ohne BRCA-Mutation wurde das rPFS signifikant verlängert (HR: 0,368; p<0,0001 bzw. HR: 0,567; p=0,0022).

In der Phase-III-Studie PSMAddition wurde mit der zusätzlichen Gabe von 177Lu-PSMA-617 zu einer ADT plus Androgenrezeptor-Inhibitor (ARPI) bei Patienten mit PSMA-positivem mHSPC eine signifikante Risikoreduktion für einen Krankheitsprogress oder Tod erreicht (HR: 0,72; p=0,002) [7]. Die Gabe von Capivasertib, einem AKT-Inhibitor, zusätzlich zu Abirateron/Prednison, verlängerte in der CAPItello-281-Studie das rPFS bei Patienten mit de novo mHSPC und PTEN-Verlust signifikant (HR: 0,81; p=0,034) [8].

Beim DGU-Kongress präsentierte Auswertungen der Phase-III-Studie ARANOTE, mit der die zusätzliche Gabe von Darolutamid zu ADT und Docetaxel beim mHSPC placebokontrolliert geprüft wurde, zeigten signifikante Vorteile bezüglich der Lebensqualität und der Tiefe des Ansprechens [3, 4]. Bögemann erklärte, dass unter der Darolutamid-haltigen Therapie die Progression von Schmerzen signifikant gegenüber dem Kontrollarm verzögert wurde (HR: 0,72; 95%-KI 0,54-0,96) [3].

 
Abb.: Besseres PSA-Ansprechen verlängerte die Zeit bis zum Schmerzprogress.
 

Mit einem besseren PSA-Ansprechen verlängerte sich die Zeit bis zum Schmerzprogress (Abb.). Die Auswertung des FACT-P total score ergab eine Verzögerung der Verschlechterung des allgemeinen Wohlbefindens um 5,1 Monate im Vergleich von Darolutamid zu Placebo. Der Vorteil durch Darolutamid war statistisch signifikant (HR: 0,76; 95%-KI 0,61-0,94) und zeigte sich insbesondere für die Domänen soziales und funktionelles Wohlbefinden sowie bei der Symptomatik des unteren Harntraktes. Prof. Dr. Christian Gratzke, Universitätsklinikum Freiburg, erläuterte, dass ein Abfall des PSA-Werts in den ultra-low Bereich (<0,02 ng/ml) mit Darolutamid plus ADT im Vergleich zur alleinigen ADT zu jedem Zeitpunkt und bei jedem Ausgangs-PSA von deutlich mehr Patienten erreicht wurde [4]. Ein niedrigerer PSA-Wert (<0,2 vs. ≥0,2 ng/ml) war assoziiert mit einem verringerten Risiko für einen radiologischen Krankheitsprogress oder Tod (HR: 0,19; 95%-KI 0,13-0,27), für einen PSA-Progress (HR: 0,08; 95%-KI 0,05-0,12) und für den Progress zur Kastrationsresistenz (HR: 0,16; 95%-KI 0,12-0,23). In der ARANOTE-Studie erreichten im Verlauf der Studie dreimal so viele Patienten unter Darolutamid verglichen mit Placebo ein PSA-Ansprechen <0,2 ng/ml (62,6% vs. 18,5%), so Gratzke.

Referenzen
[1] S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Version 8.1 – August 2025; AWMF-Registernummer: 043-022OL. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/2025-08-22_LL_Prostatakarzinom_Langversion_8.1.pdf
[2] Vortrag „mHSPC: Tripletherapie für Alle, oder ist die Doublette ausreichend?“ von Prof. Dr. Martin Bögemann (Uniklinik Münster), DGU-Kongress, 17. Sept. 2026, Düsseldorf
[3] Bögemann M, et al. DGU 2026, Abstr. #V41-03
[4] Gratzke C, et al. DGU 2026, Abstr. #V41-04
[5] Attard G, et al. Nat Med 2025; 31: 4109-4118
[6] Agarwal N, et al. ASCO Annual Meeting 2026, Abstr. #LBA5007
[7] Tagawa ST, et al. ESMO Congress 2025, Abstr. #LBA6
[8] Fizazi K, et al. ESMO Congress 2025, Abstr. #2383O

Bericht vom 78.DGU-Kongress in Düsseldorf, 16.9. bis 19.9.2026



Oktober 2026 IS
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