urologen-infoportal-logobar
  
Prostatakrebs
Transdermale Estradiolpflaster bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs

Transdermales Estradiol (tE2) ist eine Alternative zu LHRH-Agonisten (Luteinisierendes Hormon-Releasing-Hormon) in der Androgenentzugstherapie bei Patienten mit Prostatakrebs. Durch die Gabe von tE2 wird der Testosteronspiegel gesenkt, und die Nebenwirkungen des Östrogenmangels aufgrund von LHRH-Agonisten sowie die thromboembolischen Nebenwirkungen oraler Östrogene werden gemildert.

Patienten / Methoden
In dieser randomisierten Phase-III-Nichtunterlegenheitsstudie wurden zwischen 2007 und 2022 1.360 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs (M0 und N0 oder N+) über das Studiennetzwerk von PATCH oder STAMPEDE-1 rekrutiert und randomisiert entweder mit tE2-Pflastern (100 µg Estradiol alle 24 Stunden) oder mit LHRH-Agonisten behandelt. Das mediane Alter der Patienten betrug 72 Jahre (68–77 Jahre); 85% von ihnen wiesen ein T3-Tumorstadium und 65% ein N0-Lymphknotenstadium auf.
Primärer Endpunkt war das metastasenfreie Überleben nach 3 Jahren. Die Nichtunterlegenheitsgrenze lag bei 4 Prozentpunkten; dies entsprach einer Ziel-Hazard-Ratio von 1,31, abgeleitet aus dem beobachteten metastasenfreien Überleben nach 3 Jahren in der LHRH-Agonisten-Gruppe. Zu den sekundären Endpunkten gehörten Kastrations-Testosteronwerte (<1,7 nmol/l), das Gesamtüberleben und die Sicherheit.

Ergebnisse
Das beobachtete 3-Jahres-Überleben ohne Metastasierung betrug 87,1% unter tE2 und 85,9% unter LHRH-Agonisten (Hazard Ratio für bestätigte Metastasierung oder Tod: 0,96; obere Grenze des einseitigen 95%-Konfidenzintervalls [KI]: 1,11, womit das Kriterium der Nichtunterlegenheit erfüllt war) (Abb. A). Bei den Patienten, die die ihnen zugewiesene Behandlung fortsetzten, blieben die Kastrations-Testosteronwerte im ersten Jahr nach Randomisierung in beiden Gruppen bei 85% erhalten. Das beobachtete 5-Jahres-Gesamtüberleben betrug 81,1% unter tE2 und 79,2% unter LHRH-Agonisten (Hazard Ratio für Tod: 0,90; 95%-KI: 0,75–1,07) (Abb. B). Während der Behandlung traten Hitzewallungen bei 44% der mit tE2 behandelten Patienten und bei 89 % der mit LHRH-Agonisten behandelten Patienten auf (Grad ≥2: 8% bzw. 37%). Gynäkomastie wurde bei 85% bzw. 42% der Patienten beobachtet (Grad ≥2: 37% bzw. 9%).

 
Abb. A und B: Metastasenfreies Überleben und Gesamtüberleben unter Anwendung von tE2 oder LHRH-Agonisten. Die schattierten Bereiche kennzeichnen 95%-Konfidenzintervalle (modifiziert nach Langley RE, et al.).
 

Zusammenfassung
Die Studienergebnisse zeigen, dass tE2-Pflaster wirksam sind, um Kastrations-Testosteronwerte zu erreichen, und LHRH-Agonisten hinsichtlich des metastasenfreien Überlebens nicht unterlegen waren. Die Häufigkeit von Hitzewallungen, die sehr belastend sein können, war bei tE2-Pflastern geringer als bei LHRH-Agonisten. Frakturen traten in der tE2-Gruppe bei einem geringeren Prozentsatz der Patienten auf als in der LHRH-Agonisten-Gruppe, aber die Häufigkeit von Gynäkomastie war bei tE2 höher. Angesichts dieser Ergebnisse können tE2-Pflaster als Alternative zur Testosteronsuppression bei Männern mit metastasiertem Prostatakrebs im Stadium M0 und nodalem Stadium N0 oder N+ in Betracht gezogen werden.


Langley RE, et al. 2026. Transdermal Estradiol Patches in Locally Advanced Prostate Cancer. N Engl J Med, 2026 Mar 25. doi: 10.1056/NEJMoa2511781. Online ahead of print.


April 2026 Red.
fusszeile

 
       © 2003-2026 pro-anima medizin medien   –   impressum   –   mediadaten   –   konzeption
  –   datenschutz