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Ipilimumab und Nivolumab beim Nierenzellkarzinom
Erfahrungen aus der klinischen Praxis bei seltenen Varianten des Nierenzellkarzinoms, Hirnmetastasen und Auswirkungen immunbedingter Nebenwirkungen und Steroidgebrauch

Bei Patienten mit zuvor unbehandeltem, fortgeschrittenem klarzelligem Nierenzellkarzinom (ccRCC) zeigte die Kombination von Ipilimumab und Nivolumab im Vergleich zu Sunitinib ein überlegenes Gesamtüberleben (OS) und anhaltende Remissionen und etablierte sich damit als Standard-Erstlinientherapie bei intermediärem und hohem Risiko [1]. Im Gegensatz dazu sind die Behandlungsstrategien für seltene Varianten des Nierenzellkarzinoms im Vergleich zum ccRCC weniger gut definiert. Die Interpretation wird zusätzlich durch die histologische Heterogenität innerhalb der Subtypen seltener Varianten erschwert.
Ziel dieser Real-World-Studie war die Bewertung der Wirksamkeit und Toxizität von Ipilimumab und Nivolumab als Erstlinientherapie bei Patienten mit fortgeschrittenen klarzelligem Nierenzellkarzinom (ccRCC) und seltenen Varianten des RCC, sowie Beurteilung der Auswirkungen immunbedingter Nebenwirkungen (irAEs) und Steroidgebrauch auf das Überleben.


Patienten und Methoden
Diese retrospektive, monozentrische Studie umfasste Patienten mit fortgeschrittenem klarzelligem Nierenzellkarzinom (ccRCC) oder einer seltenen Variante des Nierenzellkarzinoms, die zwischen 2016 und 2025 im Royal Marsden Hospital mit Ipilimumab und Nivolumab als Erstlinientherapie behandelt wurden. Überleben, Toxizität sowie die Auswirkungen von immunvermittelten Nebenwirkungen (irAEs) und Steroidgebrauch wurden mithilfe von Landmark- und zeitabhängigen Methoden analysiert. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS); zu den sekundären Endpunkten zählten das progressionsfreie Überleben (PFS), die Gesamtansprechrate (ORR), die Ansprechdauer (DOR) und die Sicherheit.

Ergebnisse
Insgesamt 154 Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom (RCC) erhielten eine Erstlinientherapie mit Ipilimumab und Nivolumab: 117 Patienten litten an klarzelligem RCC (ccRCC), 35 an einer seltenen RCC-Variante und bei 2 Patienten war die Histologie unbekannt. 18 Patienten hatten Hirnmetastasen (BM). Zu den seltenen RCC-Varianten gehörten papilläre RCC (n=10), SMARCB1-defiziente medulläre RCC (n=3), chromophobe RCC (n=2), FH-defiziente RCC (n=2) sowie je 1 Fall von TFE3-rearrangiertem RCC, TFEB-amplifiziertem RCC und eosinophilem solidem und zystischem RCC (ESC-RCC). Bei 15 Erkrankten waren die Varianten nicht klassifiziert.

Obwohl mehr Patienten mit seltenen Varianten ein hohes Risiko aufwiesen (54,3% vs. 35,0%), war die IMDC-Risikoverteilung insgesamt nicht signifikant (p=0,114). Lungenmetastasen traten häufiger bei ccRCC auf (p=0,006), Lymphknotenmetastasen bei seltenen Varianten (p=0,013), während Nebennieren- und Knochenmarkmetastasen keine signifikanten Tendenzen zeigten.
Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 20,3 Monate (ccRCC) vs. 24,2 Monate (seltene RCC-Varianten). Das mediane Gesamtüberleben (OS) lag bei 31,9 Monaten (95%-KI: 23,5–59,1) für ccRCC und bei 25,9 Monaten (95%-KI: 21,9–nicht bestimmbar (NE)) für seltene Varianten. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) betrug 9,0 Monate (95%-KI: 7,1–12,8) bzw. 7,2 Monate (95%-KI: 4,6–NE). Die objektiven Ansprechraten (ORR) lagen bei 41,0% (ccRCC) bzw. 38,2% (seltene Varianten). Bei Patienten mit Hirnmetastasen betrug das mediane OS 14,5 Monate (95%-KI: 8,3–NE), das PFS 6,2 Monate (95%-KI: 3,3–NE) und die ORR 27,8%.
Immunologische Nebenwirkungen (irAEs) des Grades 3–4 traten bei 28,4% der Patienten auf und waren mit einem längeren OS nach 6 Wochen assoziiert (nicht signifikant vs. 23,1 Monate, p=0,033). Eine Prednison-Dosis von ≥40 mg war mit einem verbesserten OS assoziiert (61,2 vs. 22,3 Monate, p=0,021), was in der multivariablen Analyse bestätigt wurde.

Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse unterstützen den Einsatz von Ipilimumab und Nivolumab im klinischen Praxisalltag bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom (RCC) oder bei seltenen Varianten des RCC. Auch Patienten mit Hirnmetastasen könnten ein anhaltendes Ansprechen erzielen. Immunvermittelte Nebenwirkungen (irAEs) des Grades 3–4 und die Anwendung hochdosierter Steroide zu deren Behandlung waren mit einem verbesserten Gesamtüberleben assoziiert.

Klinische Relevanz
• Die Ergebnisse belegen eine klinisch relevante Wirksamkeit über verschiedene Histologien hinweg, was den Einsatz auch bei unterrepräsentierten RCC-Subtypen unterstützt.

• Immunvermittelte Nebenwirkungen (irAEs) des Grades 3–4 waren mit einem verbesserten Gesamtüberleben assoziiert.

• Die Anwendung hochdosierter systemischer Steroide zur Behandlung von irAEs hatte keinen negativen Einfluss auf das Überleben.

• Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten mit fortgeschrittenem, seltenem Nierenzellkarzinom weiterhin von einer dualen Checkpoint-Blockade profitieren können.



Peres T, Larkin J. 2026. Ipilimumab and nivolumab in renal cell carcinoma: real-world experience in rare variant renal cell carcinoma, brain metastases and impact of immune-related adverse events and steroid use. Clin Genitourin Cancer 2026; 24: 102470


Referenzen
[1] Tannir NM, et al. 2024. Ann Oncol 35: 1026-1038. März 2026 IS

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