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Blasenkarzinom
Therapiemodifikationen nach geriatrischer Einschätzung älterer Patienten mit Blasenkarzinom im Praxisalltag
Hintergrund
Die Entscheidungsfindung hinsichtlich der Behandlung älterer Patienten mit Blasenkarzinom (BC) wird durch
Gebrechlichkeit und Begleiterkrankungen erschwert. Ein umfassendes geriatrisches Assessment (CGA) kann
diesen Prozess unterstützen. Die vorliegende Studie untersuchte den Einfluss des CGA auf die Therapiewahl
und identifizierte durch das CGA veranlasste Interventionen bei älteren Patienten mit nicht-muskelinvasivem
Blasenkarzinom (NMIBC) mit hohem Risiko oder muskelinvasivem Blasenkarzinom (MIBC).
Patienten/Methoden
In einer prospektiven Single-Center-Studie des Erasmus Medical Center in Rotterdam wurde untersucht, inwieweit
ältere Patienten (≥70 Jahre) mit muskelinvasivem Harnblasenkarzinom (MIBC) oder Hochrisiko nicht-MIBC (HR-nMIBC)
von einem CGA profitierten. Untersucht wurden Patienten, die zwischen Juni 2020
und November 2024 behandelt wurden. Die Fälle wurden erst in einem multidisziplinären Tumorboard von
Urologen, Onkologen und Radiologen besprochen, danach wurden die Patienten in die Geriatrie
für das CGA überstellt und schließlich eine finale Therapieentscheidung im multidisziplinären Tumorboard mit
dem Facharzt oder der Fachärztin für Geriatrie getroffen.
Die Patienten waren zu Beginn gebrechlicher und erhielten häufiger eine rein
supportive Behandlung (Best Supportive Care).
Ergebnisse
Im Ergebnis wurde bei 19% der insgesamt 201 eingeschlossenen Patienten die Therapieentscheidung durch
das CGA beeinflusst. Am häufigsten führte das geriatrische Gutachten zu einer Deeskalation der Therapie (66%).
Bei 18% der Patienten wurde die Resilienz gegenüber der geplanten Therapie angezweifelt und bei 16% führte
die CGA zur Selektion innerhalb von diversen Optionen. Insgesamt wurden 443 patientenspezifische Interventionen
veranlasst, insbesondere Anpassungen der Medikationen (22%), paramedizinische Konsultationen (20%)
und Empfehlungen für das Monitoring (18%). Vergleich der Gruppe mit versus ohne Modifikationen aufgrund
des CGA zeigte, dass Patienten, bei denen das CGA zu Interventionen führte, einen schlechteren
Allgemeinzustand (körperlich und kognitiv) hatten, häufiger eine Herzinsuffizienz (13% vs. 3,7%) und
Diabetes (37% vs. 22%) vorkam. Das mediane Gesamtüberleben (OS) lag bei Patienten mit MIBC bei
8,4 Monaten (mit Modifikationen aufgrund des CGA) versus 40,3 Monate (ohne Modifikationen durch
das CGA) sowie bei Patienten mit NMIBC bei 19,4 Monaten versus Median war noch nicht
erreicht. Patienten ohne Modifikationen aufgrund des CGA erhielten häufiger eine kurative
Behandlung (radikale Zystektomie: 43,0% vs. 7,9%, Chemoradiotherapie: 12,0% vs. 5,3%). Patienten,
bei denen das CGA die Therapieentscheidung beeinflusste, erhielten hingegen häufiger nur die beste
supportive Behandlung (40,0% vs. 3,7%).
Fazit
Patienten, bei denen die Therapie aufgrund eines CGA modifiziert wurde, waren in der Regel gebrechlicher,
erhielten häufig nur die beste supportive Behandlung und hatten dementsprechend eine kürzere Überlebenszeit
verglichen mit Patienten, deren Therapie nicht modifiziert wurde. Das geriatrische Assessment ist
möglicherweise ein wertvolles Instrument, um ältere Patienten zu identifizieren, die von einer deeskalierten
Therapie profitieren könnten, schlussfolgerten die Autoren. Robuste Evidenz für einen Effekt auf den klinischen
Erfolg und die Lebensqualität stehen allerdings noch aus.
Klinische Relevanz
Diese Studie zeigt, dass die Einbindung
eines umfassenden CGA in die multidisziplinäre Versorgung die Therapieempfehlungen
maßgeblich beeinflussen, Patienten identifizieren, die von einer Deeskalation der Behandlung profitieren könnten,
und beeinflussbare Faktoren aufdecken kann, welche die Therapieverträglichkeit sowie die allgemeine
Versorgungsqualität verbessern. Diese Ergebnisse sprechen für eine breitere Anwendung des CGA im
Rahmen der routinemäßigen Entscheidungsfindung bei älteren Patienten mit Blasenkrebs.
Rutten VC, et al. 2026.
Real-world impact of integrating comprehensive geriatric assement into clinical treatment decision-making
for older patients with bladder cancer. Eur Urol Open Sci 2026; 91: 23-31
September 2026
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