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ASCO GU 2026
NIAGARA-Studie: utDNA und ctDNA bei Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs, die perioperativ Durvalumab erhielten

Hintergrund
Bei Patient:innen mit muskelinvasivem Harnblasenkarzinom (MIBC) kann anhand des Tumor-DNA-Status im Urin (utDNA) nach neoadjuvanter Therapie die Prognose eingeschätzt und damit das Management der Erkrankung verbessert werden. Für die explorative Analyse wurden die Daten der NIAGARA-Studie verwendet. Die perioperative Gabe von Durvalumab (D) zusätzlich zur neoadjuvanten Therapie (NAC) und radikaler Zystektomie (RC) führte in der Phase-III-Studie NIAGARA zu einer signifikanten Verlängerung des ereignisfreien Überlebens (EFS) (HR: 0,68; 95%-KI 0,56-0,82; p<0,0001) und des Gesamtüberlebens (OS) (HR 0,75; 95%-KI 0,59-0,93; p=0,0106) [1]. Die Rate an pathologischen Komplettremissionen (pCR) wurde um 10% verbessert.

In einer früheren explorativen Analyse wurde festgestellt, dass zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) nach der neoadjuvanten Therapie nicht mit der pCR assoziiert war, aber einen prognostischen Wert bezüglich des EFS hatte [2]. In der aktuellen Analyse wurde die Tumor-DNA im Urin (utDNA) als komplementärer Ansatz für das Management des MIBC untersucht und die Ergebnisse auf dem diesjährigen ASCO GU vorgestellt.

Patienten/Methoden
Cisplatin-geeignete Patienten mit MIBC wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder perioperatives D plus NAC (Cisplatin + Gemcitabin) und RC (D-Arm) oder NAC und RC allein (Vergleichsarm [C]). Die beiden primären Endpunkte waren EFS und pCR. Eine explorative Analyse von utDNA und ctDNA wurde zu Studienbeginn (BL; n=205) und vor der RC (n=183) durchgeführt.

Ergebnisse
Von 1.063 Patienten bildeten 265 (25%) die für die Biomarker-Analyse auswertbare Population (134 im D-Arm; 131 im C-Arm). Zu Beginn der Behandlung (BL) waren niedrigere utDNA-Werte mit einem längeren EFS assoziiert (niedrige vs. hohe utDNA-Werte: HR 0,65, 95%-KI 0,40–1,04). Von der Baseline bis zur prä-RC sank die utDNA-positiv-Rate von 85% auf 55%. Die utDNA-Clearance war mit einem längeren ereignisfreien Überleben (EFS) assoziiert (HR 0,24, 95%-KI 0,09–0,62) und war im D-Arm im Vergleich zum C-Arm um 12% höher (39% vs. 27%). Der utDNA-Status vor der RC war mit einer pathologischen Komplettremission (pCR) assoziiert (utDNA-negativ: 72% [55/76] vs. utDNA-positiv: 18% [17/96]). Der utDNA- und ctDNA-Status vor der RC korrelierte unterschiedlich mit dem Krankheitsstadium bei RC: utDNA-positiv korrelierte mit nicht-invasiver Erkrankung, ctDNA-positiv hingegen mit invasiver Erkrankung (&+8805;T2N0M0) oder systemischer Metastasierung. Die geschätzte EFS-Rate nach 24 Monaten war am höchsten bei Patienten mit doppelt negativem Status vor der radikalen Zystektomie (utDNA-negativ, ctDNA-negativ; 90%, 95%-KI 83–97), gefolgt von Patienten mit ausschließlich utDNA-positiv (utDNA-positiv, ctDNA-negativ; 75%, 95%-KI 65–87), und am niedrigsten bei Patienten mit doppelt positivem Status (utDNA+ ctDNA+; 55%, 95%-KI 41–75).


Schlussfolgerungen
Diese Analyse legt nahe, dass niedrigere BL-Werte und die prä-RC-Clearance von utDNA mit einem besseren EFS assoziiert sind und zeigt, dass die Hinzunahme von D zur NAC die utDNA-Clearance erhöhte. Der utDNA-Status vor RC korrelierte enger mit der pCR als frühere Befunde zum ctDNA-Status. Die kombinierte prä-RC-Analyse von ctDNA und utDNA korrelierte mit dem EFS und könnte komplementäre Einblicke in das Krankheitsstadium zum Zeitpunkt der RC liefern. Der utDNA-Status könnte klinisch relevante Informationen über den primären Blasentumor liefern, insbesondere bei ctDNA-negativen Patienten, und unterstreicht den potenziellen Nutzen der Kombination von utDNA und ctDNA für die zukünftige Behandlung von MIBC.


Fazit
Die utDNA-Clearance vor Zystektomie scheint prognostisch für das ereignisfreie Überleben zu sein und assoziiert mit einer höheren pCR-Wahrscheinlichkeit. In der kombinierten Analyse von utDNA im Urin und ctDNA liege ein hohes prognostisches Potenzial, resümierten die Autoren.



Van der Heijden MS, et al. 2026. Urinary tumor DNA and circulating tumor DNA in patients with muscle-invasive bladder cancer who received perioperative durvalumab in NIAGARA. ASCO GU 2026, Abstr. #636

Referenzen:
[1] Powles T, et al. N Engl J Med 2024; 391: 1773-1786
[2] Powles T, et al. ASCO 2025, Abstr. #4503


April 2026 IS
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