Integrierter hormoneller Parameter für „gesundes Altern“ bei Männern

Hintergrund

Bei der Erforschung des gesunden Alterns lag der Schwerpunkt in den vergangenen 25 Jahren insbesondere auf altersassoziierten hormonalen Veränderungen. Insbesondere der Abfall des Spiegels an freiem Testosteron im Blut war bei Männern mit altersabhängigen klinischen Beschwerden wie Gebrechlichkeit, erektiler Dysfunktion oder Depressionen in Verbindung gebracht worden. Die Prävalenz des Late-onst-Hypogonadismus (LOH) wurde in der European Male Aging Study für den weiten Altersbereich von 40 bis 79 Jahren mit 2,1% ermittelt. Andererseits wurde in letzter Zeit auch die Bedeutung erniedrigter Spiegel an Dehydroepiandrosteron (DHEA), Estradiol und Progesteron für das psychologische, sexuelle und physische Leistungsvermögen erkannt. Aktuell ist Testosteron bei LOH aber das einzige Zielhormon für therapeutische Intervention bei Hormondefizienz.

Zielsetzung
In einer aktuellen Studie sollte ein sensitiver vereinheitlichter hormoneller Indikator für gesundes Altern bei Männern identifiziert werden, um damit sich anbahnende gesundheitliche Beeinträchtigungen noch vor der symptomatischen Manifestation erkennen zu können.

Teilnehmer und Methoden
An der Studie waren 272 Männer zwischen 45 und 75 Jahren beteiligt, die sich selbst als gesund einschätzten. Mit ihnen wurden psychometrische Daten erhoben, und sie gaben Speichelproben für Hormonanalysen ab. Die depressive Symptomatik wurde anhand der Allgemeinen Depressionsskala-Langform 2 (ADS-L2). Chronische Belastung wurde mit dem Trier Inventar zur Erfassung von chronischem Stress (Version 2, Kurzform) erfasst. Ihren gefühlten Gesundheitszustand vermittelten die Patienten mit dem General Health Questionnaire, der Kurzform-36 (SF-36) und der Aging Males‘ Symptoms (AMS) Skala.

Ergebnisse
Zunächst wurde eine Hauptkomponentenanalyse mit zehn Speichelanalyten durchgeführt (Testosteron, DHEA, Estradiol, Progesteron, Melatonin, Kortison, Alpha-Amylase, C-reaktives Protein, Interleukin-6 und Immunglobulin A). Um die vier Sexualsteroide Testosteron, DHEA, Estradiol und Progesteron durch eine einzelne Messgröße mit der höchsten Varianz angeben zu können, wurde eine Hauptkomponentenanalyse mit einem Faktor unter Verwendung nur der vier Sexualsteroide durchgeführt. Daraus resultierte die Hauptkomponente der degressiven Steroidhormone (DSH).

Die Korrelationen nullter Ordnung zwischen Alter und Sexualsteroiden im Speichel hatten durchweg ein negatives Vorzeichen. Für Testosteron, DHEA, Estradiol und Progesteron wurde eine mittlere jährliche Abnahme von 1,18%, 3,52%, 1,18% bzw. 1,68% errechnet. Die DHS reduzierte sich im Jahr um ungefähr 0,042 Einheiten (Abb.). Darin spiegelt sich die mittlere Änderungsrate der degressiven Steroidhormonspiegel wider.

Moderierende Effekte auf die Beziehung zwischen Alter und DHS wurden mittels zwei Regressionstechniken analysiert. Anhand der Kleinste-Quadrate-Regression wurde eine signifikante Assoziation zwischen Alter und DHS für depressive Symptome, chronische Belastung und die gefühlte allgemeine Gesundheit ermittelt. Bei robuster Regression ergaben sich im Wesentlichen die gleichen signifikanten Assoziationen.

Die mittlere Änderungsrate der DHS von 0,042 Einheiten stieg bei der Erhöhung um eine Standardabweichung auf der ADS-L2 auf 0.053 Einheiten an. Analog war es für chronische Belastung ein Anstieg auf 0,056 Einheiten und bei der Allgemeingesundheit eine Erniedrigung auf 0,028 Einheiten.

Schlussfolgerungen
Die jährliche Absenkung des DSH, d.h. die durchschnittliche Änderungsrate der degressiven Steroidhormonspiegel, bietet sich als zukunftsträchtiger Parameter für die aktive Überwachung eines gesunden Alterns bei Männern an. Bei derartiger laborchemischer Begleitung des Alterungsprozesses bestehen günstige Aussichten die endokrine Balance durch eventuelle psychologische Interventionen, Lebensstilanpassungen und Hormonsubstitution aufrechterhalten zu können.
   
Literatur:
Walther A, Philipp M, Niclà Lozza N, Ehlert U, 2016. The rate of change in declining steroid hor­mones: a new parameter of healthy aging in men? Oncotarget Aug 31. doi: 10.18632/oncotarget.11752. [Epub ahead of print].

September 2016 Druckversion jfs
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