Metastasiertes Urothelkarzinom der Blase

Chemotherapie, Immuntherapie oder deren Kombination als Zweitlinienbehandlung: Umfassende Real-World-Erfahrung


  Das metastasierte Urothelkarzinom (mUC) wird schnell progredient und hat eine schlechte Prognose mit einem voraussichtlichen medianen Gesamtüberleben von ungefähr einem Jahr. Die Hauptstütze der Behandlung for mUC ist die platinbasierte Kombinationschemotherapie. Dabei ist Gemcitabin (GEM) plus Cisplatin die weitgehend am häufigsten verwendete Erstlinientherapie. Anhand eines retrospektiven Reviews sollte die geschätzte Überlebensdauer von Patienten verglichen werden, die eine Erhaltungsmonotherapie mit GEM oder eine Immuncheckpoint-Therapie (IO) bzw. beide Therapien (eine nach der anderen) nach platinbasierter Kombinationschemotherapie bei metastasiertem Urothelkarzinom (mUC) in einem Real-world-Umfeld erhalten hatten.

  In die retrospektive Studie wurden aufeinanderfolgende mUC-Patienten eingeschlossen, die in der Erstlinie eine platinbasierte Chemotherapie erhalten hatten. Die Analyse wurde getrennt mit Patienten durchgeführt, die nach ihrer Erstlinienbehandlung in der Zweitlinie weiterhin eine Kombinationstherapie oder eine Monotherapie mit GEM oder IO erhalten hatten.

 

Abb.: (A) Kaplan-Meier-Schätzung der Überlebensdauer mit Gemcitabin (GEM)-Monotherapie und mit Immuncheckpoint-
Therapie (IO). Zwischen den beiden Gruppen (GEM, 29 Monate; IO, 28 Monate) bestand kein signifikanter Unterschied. (B) Kaplan-Meier-Schätzungen der Überlebensdauer stratifiziert nach IO gefolgt von einer GEM-Monotherapie versus alleiniger GEM-Monotherapie. Eine IO gefolgt von einer GEM-Monotherapie erbrachte im Vergleich zur alleinigen GEM-Monotherapie eine signifikant verlängerte Überlebensdauer (GEM, 29 Monate; IO gefolgt von GEM, nicht erreicht.
 
Patienten-Charakteristika
Von 74 mUC-Patienten, die in der Erstlinie eine platinbasierte Chemotherapie erhalten hatten, waren 19 mit progressiver Krankheit (PD) und 34 mit Komplettremission/partieller Remission/stabiler Krankheit (CR/PR/SD) klassifiziert worden. Von den 74 Patienten erhielten 58 danach eine Monotherapie als Zweitlinienbehandlung, und 16 weiterhin eine Kombinationschemotherapie. In beiden Gruppen bestand kein Unterschied in der Anzahl Patienten mit Metastasen (75% in der Kombinationstherapie- und 71% in der Monotherapie-Gruppe) oder bezüglich der Ergebnisse für die metastatischen Läsionen nach RECIST-Richtlinien.

Überlebensergebnisse
Nach der Erstlinienchemotherapie war die mediane Überlebensdauer mit einer Monotherapie signifikant länger als mit einer Kombinationstherapie (29 vs. 7 Monate, p=0,003). Wie zu erwarten ergab der Vergleich des Ansprechens auf die Erstlinienchemotherapie im Gesamtkollektiv (n=74), dass Patienten mit PD im Vergleich mit den anderen Gruppen das kürzeste mediane Überleben erreicht hatten: (PD, 5 Monate; CR/PR/SD, 29 Monate; Patienten mit neoadjuvanter/adjuvanter Therapie (n=21), 36 Monate; p<0,001).

Prognostische Faktoren für Überleben waren: Alter (<70 vs. 70 Jahre); Resektion des Primärtumors; TNM-Klassifikation (2 vs. >2); regionale Lymphknoten (N1); Fernmetastasen (0 vs. 1); Ergebnis nach der Erstlinientherapie (Andere vs. PD); Monotherapie vs. Kombinationstherapie. In multivariater Analyse zeigte es sich, dass das Ergebnis d=er Erstlinien-Chemotherapie der bedeutendste prognostische Faktor für Überleben war (Hazard Ratio 15,5; p<0,001).

Obwohl die meisten Patienten mit PD in der IO-Gruppe waren, gab es zwischen GEM- und IO-behandelten Fällen keinen signifikanten Unterschied bei den Überlebenszeiten (GEM, 29 Monate; IO, 28 Monate; p=0,405, Abb. A). Allerdings hatten Patienten, die eine IO-Monotherapie gefolgt von einer GEM-Monotherapie (n=9) erhalten hatten, eine signifikant bessere Prognose als jene, die nur eine GEM-Monotherapie erhalten hatten (n=26). Die geschätzten Überlebenszeiten betrugen 29 Monate vs. ‘nicht erreicht’ (p=0,047, Abb. B).


❏ Eine Monotherapie nach der primären Chemotherapie verlängerte die Überlebensdauer der mUC-Patienten signifikant.

❏ Eine Immuncheckpoint-Therapie blieb bei nachfolgender Erhaltungstherapie mit GEM als Einzelsubstanz effektiv.

❏ Mit einer IO behandelte Patienten, die anschließend GEM erhielten, hatten eine längere Überlebensdauer als die mit einer GEM-Monotherapie.

❏ Offensichtlich besteht ein vorteilhafter Zusammenhang zwischen GEM und IO.


Uchida H, Obinata D, Takada S, et al. 2023. Real-world retrospective review of monotherapy following platinum-based chemotherapy for metastatic urothelial cancer. J Int Med Res 51:3000605231173319.

September  2022

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