Bei der bipolaren Androgentherapie (BAT) erfolgt ein schneller Wechsel der Testosteron (T)-Konzentration zwischen nahe Kastrat-
und supraphysiologischen Spiegeln. Das hatte sich bei metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs (mCRPC) als
vielversprechend erwiesen. Die klinischen Effekte dieser Therapiemodalität könnten durch Herbeiführen eines DNA-Schadens
vermittelt sein. Aus präklinischen Studien lässt sich ein Synergieeffekt mit PARP-Inhibitoren ableiten.
In der Open-label-Studie der Phase II wurde bei Patienten mit asymptomatischem mCRPC, die unter Abirateron und/oder Enzalutamid
progredient geworden sind, die klinische Aktivität von BAT (T-Cypionat/Enantat 400 mg alle 28 Tage) und anhaltender
Androgendeprivation plus Olaparib bewertet. Geplant war eine Rekrutierung von 30 Patienten mit mCRPC nach Abirateron und/oder
Enzalutamid (gleicher Anteil mit und ohne Mutation in Genen der homologen Rekombinationsreparatur [HRR]). Das Primärziel war es,
die Rate des PSA50-Ansprechens (PSA-Abfall 50% von Baseline) nach 12 Wochen zu bestimmen.
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Abb.: Wasserfall-Plots der Veränderungen des PSA und des radiographischen Ansprechens. (A) Maximaler PSA-Rückgang
im Verlauf der Studie bei Patienten, die zumindest 12 Behandlungswochen abgeschlossen haben [n=30]). *PSA Veränderungen >100% wurden bei
100% trunkiert. PSA50-Ansprechen zu irgendeinem Studienzeitpunkt trat bei 10/16 (63%) der Patienten mit HRR-defizientem Tumor gegenüber
bei 6/14 (43%) mit HRR-intaktem Tumor. *PSA-Veränderungen >100% wurden bei 100% trunkiert. (B) Radiographisches Ansprechen bei Patienten
mit messbarer Krankheit nach RECIST v1.1. Ein radiographisches Ansprechen trat bei 4/8 (50%) der Patienten mit HRR-defizientem Tumor
gegenüber bei 3/5 (60%) der Patienten mit HRR-intaktem Tumor auf. *Patient hatte ein partielles Ansprechen bei seinen Lymphknotenmetastasen,
doch progressive Krankheit bei den Knochenmetastasen.
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Effektivitätsdaten
Die ITT-Kohorte umfasste insgesamt 36 Patienten, von denen 6 keine 12-monatige Behandlungsphase absolviert haben. In die Analyse der Ansprechrate
gingen daher 30 Patienten ein, von denen 16 im Tumor Mutationen der an der HRR beteiligten Gene aufwiesen (d.h. HRR-defizient), während das
in 14 Fällen nicht der Fall war (d.h. HRR-intakt).
Von den 30 Patienten hatten 53% nach 12 Wochen ein PSA50-Ansprechen (Abb. A). In 13 Fällen lag eine per RECIST v1.1 messbare Krankheit vor.
Sie waren für das radiographische Ansprechen auswertbar. Bei insgesamt 7/13 (54%) ließ sich ein radiographisches Ansprechen nachweisen
(d.h. komplett oder partial); zwei davon waren komplettes Ansprechen (Abb. B). Zwischen der HRR-defizienten vs. der HRR-intakten Kohorte bestand
beim PSA50 und dem radiographischen Ansprechen kein signifikanter Unterschied (Abb. 1A/B).
Für die ITT-Kohorte, betrug das mediane Follow-up für das PSA-progressionsfreie Überleben (PFS) 20 Monate (Interquartilbereich [IQR] 6,2 bis nicht erreicht).
Für das klinisch/radiographische PFS waren es 19 Monate (IQR 16 bis 22), und für das Gesamtüberleben (OS) waren es 29 Monate (IQR 20 bis 37).
Das mediane PSA-PFS erreichte in der ITT-Kohorte 7 Monate. Beim medianen klinisch/radiographischen PFS waren es 13 Monate und beim medianen OS 26 Monate.
In der das Ansprechen bewertbaren Kohorte gab es keinen signifikanten Unterschied des PSA-PFS oder des klinisch/radiographischen PFS zwischen der HRR
defizienten vs. der HRR intakten Kohorte. Das OS unterschied sich zwischen den Subgruppen marginal (p=0,07).
Sicherheit und Lebensqualität
Die Behandlung wurde im Allgemeinen gut vertagen. Die meisten unerwünschten Ereignisse (uE) waren niedergradig. Die am häufigsten
vorkommenden behandlungsbezogenen uE (bbuE) (d.h. zumindest möglichst Studienmedikament-bezogen) waren gastrointestinal bedingt und Fatigue.
Fünf Patienten hatten ein bbuE vom Grad 3, darunter ein Schlaganfall (Grad 4) und ein Myokardinfarkt (Grad 5). Nach einer Abänderung,
die den Ausschluss bei einem Myokardinfarkt in der Anamnese vorsah, wurden keine weiteren kardiovaskulären uE verzeichnet. Nach 12 Wochen
waren keine signifikanten Veränderungen im Blutbild aufgetreten. Die Lebensqualität blieb im Studienverlauf erhalten. Der Score für die
erektile Funktion score verbesserte sich über mehrere Zeitpunkte.

❏ Die bipolare Androgentherapie plus Olaparib steht im Zusammenhangmit einer hohen
Ansprechrate und langem progressionsfreien Überleben.
❏ Der klinische Benefit wurde ungeachtet des Mutationsstatus von Genen der homologen Rekombinationsreparatur festgestellt.
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Schweizer MT, Gulati R, Yezefski T, et al. 2023.
Bipolar androgen therapy plus olaparib in men with metastatic castration-resistant prostate cancer.
Prostate Cancer Prostatic Dis 26:194–200.
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