Alleine die radikal Prostatektomie (RP) ist oft ungeeignet, um Männer mit klinisch lokalisiertem
Hochrisiko-Prostatakrebs (PCa) zu heilen. Da Docetaxel bei Männern mit metastasiertem, gegenüber einer
Androgendeprivationstherapie (ADT) resistentem PCa das mediane Überleben verlängert, war es logisch,
bei Männern mit Hochrisiko PCa und erhöhtem Risiko für das Fehlschlagen einer lokalen Therapie alleine
Docetaxel auch bereits im früheren Krankheitsverlauf einzusetzen.
Diesbezüglich wurde in einer Phase-III-Studie getestet, ob eine Chemo-Hormontherapie (CHT)
mit ADT plus Docetaxel vor der RP das biochemisch progressionsfreie
Überleben (BPFS) bei Patienten mit Hochrisiko-PCa gegenüber der RP alleine verbessern würde.
Männer (medianes Alter 62 Jahre; Bereich 32-83 Jahre) mit klinisch lokalisiertem Hochrisiko-PCa wurden 1:1 in einen Behandlungsarm mit RP alleine
und in einen Behandlungsarm mit neoadjuvaner CHT (ADT plus Docetaxel 75 mg/m2 Körperoberfläche
alle 3 Wochen für 6 Zyklen) und RP randomisiert.
Der primäre Endpunkt war ein 3-Jahre-BPFS. Biochemisches Versagen war als ein Serum-PSA-Spiegel
>0,2 ng/ml definiert, der an 2 aufeinanderfolgenden aber zumindest 3 Monate auseinanderliegenden
Terminen bestimmt wurde.
Sekundäre Endpunkte waren: 5-Jahres-BPFS, Gesamt-BPFS, Lokalrezidive, metastasenfreies Überleben (MFS),
PCa-spezifische Mortalität und Gesamtüberleben (OS).
Behandlungsarme
Im neoadjuvanten Arm wurden 367 Männer und im operativen Arm (alleine RP) 371 Patienten radikal prostatektomiert.
In nahezu 70% der Fälle lag ein tastbarer Tumor vor (T2-3a).
Von der gesamten Kohorte hatten ca. 87% vor der Randomisierung noch keine ADT erhalten.
Die Patienten wurden median 6,1 Jahre nachbeobachtet.
Im neoadjuvanten Arm erhielten 49 Patienten eine adjuvante Bestrahlung. Im operativen Arm waren es 87.
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Abb.: Das biochemisch progressionsfreie Überleben wurde zwischen Männern verglichen,
die mit neoadjuvanter Chemo-Hormontherapie und radikaler Prostatektomie (als neoadjuvant bezeichnet)
oder alleiniger radikaler Prostatektomie (alleine chirurgisch) behandelt wurden.
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Biochemisch progressionsfreies Überleben
Es wurden weder im 3- noch im 5-Jahres-BPFS signifikante Unterschiede zwischen dem neoadjuvanten und dem
chirurgischen Behandlungsarm ermittelt (HR, 0,89 vs. HR, 0,84 bzw. HR, 0,81 vs. HR, 0,74; Abb.).
Bei den Männern im neoadjuvanten Arm war das BPFS über die gesamte Nachbeobachtungszeit hinweg verlängert (HR, 0,69; Abb.).
Die Männer im neoadjuvanten Arm hatten im Vergleich zu den Männern im operativen Arm besseres ereignisfreies Überleben (HR, 0,61).
Das mediane ereignisfreie Überleben betrug im neoadjuvanten Arm 4,53 Jahre und 1,81 Jahre im operativen Arm.
Patienten im neoadjuvanten Arm waren auch länger metastasenfrei als Patienten im operativen Arm (HR, 0,70).
Mortalitätsraten
Zwischen beiden Armen gab es keinen Unterschied bei der PCa-spezifischen Mortalität (HR, 0,69).
Das OS war bei den Patienten im neoadjuvanten Arm vorteilhafter als bei den Patienten im operativen Arm (HR, 0,61).
Im neoadjuvanten Arm gab es 36 Todesfälle (23 an PCa) gegenüber 52 Todesfälle (30 an PCa) im operativen Arm.
Nach 10 Jahren betrug die Überlebenswahrscheinlichkeit im operativen Arm 0,74 und 0,80 im neoadjuvanten Arm.
Toxizität
Todesfälle traten in Verbindung mit der Chemo-Hormontherapie nicht auf.
Bei der Chemotherapie betrugen die Raten an Grad-3- und Grad-4-Nebenwirkungen 26% bzw. 19%.
Am häufigsten waren Neutropenie (23%), Hyperglykämie (6%), Fatigue (4%) und
febrile Neutropenie (4%).
Intraoperative Komplikationen waren selten und unabhängig davon, ob der Patient eine neoadjuvante
Chemo-Hormontherapie erhielt.
An den Tagen 3 und 30 nach der Operation wurden Komplikationen und Morbidität ermittelt.
Im neoadjuvanten Arm traten mehr Grad-3-Spiegel von niedrigem Hämoglobin und postoperative Blutungen
auf als im operativen Arm (5 vs. 0 bzw. 9 vs. 3 Patienten).

❏ Zwischen den Behandlungsgruppen bestand kein Unterschied im biochemisch progressionsfreiem
3- und 5-Jahresüberleben oder dem krebsspezifischem Überleben.
❏ Bei Männern, die mit neoadjuvanter Chemo-Hormontherapie und radikaler Prostatektomie behandelt wurden,
waren das insgesamte biochemisch progressionsfreie Überleben, das metastasenfreie Überleben,
und das Gesamtüberleben verbessert.
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Eastham JA, Heller G, Halabi S, et al. 2020.
Cancer and Leukemia Group B 90203 (Alliance): radical prostatectomy with or without neoadjuvant
chemohormonal therapy in localized, high-risk prostate cancer.
J Clin Oncol 38:3042-3050.
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