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Lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Urothelkarzinom

Überlebensergebnisse von in der Erstliniensituation nicht für platinbasierte Chemotherapie geeigneten Patienten

Hintergrund: Bei Real-World-Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die für eine Platin enthaltende Chemotherapie in der Erstliniensituation als nicht geeignet erschienen, wurden Überlebensergebnisse analysiert.

Methoden: In der retrospektiven Beobachtungsstudie wurden Daten einer aus elektronischen Gesundheitsakte entnommenen Datenbank verwendet. Geeignete Erwachsene hatten die Diagnose eines lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinoms. Nichteignung für Platin war wie folgt definiert: ECOG-PS von zumindest 3, eine Kreatinin-Clearance <30 ml/min, oder ein ECOG-PS von 2 und eine Kreatinin-Clearance von weniger als 45 ml/min.

Ergebnisse:

Platingeeignete und nicht platingeeignete Patienten

In der Gesamtpopulation von 4.270 Patienten, wurde eine Eignung oder eine Nichteignung für Platin in 2.335 bzw. 477 Fällen festgestellt. Von den 2.335 platingeeigneten Patienten, hatten 677 in der Erstlinie einen PD-1- oder PD-L1-Inhibitor und 1.229 (53%) eine platinbasierte Chemotherapie erhalten. Von den 477 nicht platingeeigneten Patienten, waren es in 262 (55%) Fällen in der Erstlinie ein PD-1- oder PD-L1-Inhibitor und in 118 (25%) Fällen eine platinbasierte Chemotherapie.

Von den insgesamt 2.286 Patienten, die entweder einen PDL1-/PD1-Antagonisten oder eine Platinbasierte Chemotherapie erhalten hatten, waren 380 (17%) als nicht platingeeignet und 1.906 (83%) als für Platin geeignet bewertet worden. An den nicht platingeeigneten Patienten war der Anteil Frauen überproportional groß (37% vs. 25%; p<,001). Nicht platingeeignete Patienten waren bei Beginn der Behandlung älter als platingeeignete (medianes Alter: 80 vs. 72 Jahre; p<0,001), und sie hatten häufiger nicht-normale Laborwerte; insbesondere für Hämoglobin (84% vs. 67%; p<0,001) und den Albumin-Spiegel (35% vs. 23%; p<0,001). Weniger nicht platingeeignete als platingeeignete Patienten (38% vs. 51%; p<0,001) hatten sich zuvor der Zystektomie unterzogen. Der größere Anteil nicht platingeeigneter Patienten waren Frauen (37% vs. 25%; p<0,001). Etwas mehr als zwei Drittel (69%; n=262) der nicht platingeeigneten Patienten hatte als Erstlinientherapie einen PD-1- oder einen PD-L1-Inhibitor erhalten. In 31% der Fälle (n=118) war es eine platinbasierte Chemotherapie.

Abb.: Kaplan-Meier-Kurven des Gesamtüberlebens nach Eignung der Patienten für Platin.

Bei den 118 nicht platingeeigneten Patienten, die eine platinbasierte Chemotherapie erhalten hatten, war zumeist (81%; n=95) ein Carboplatin-basiertes Regime angewendet worden. In 23 (19%) Fällen war es ein Cisplatin-basiertes Regime). Die meisten platingeeigneten Patienten hatten eine platinbasierte Chemotherapie erhalten (64%; n=1.229). In 36% der Fälle (n=677) war es ein PD-1- oder PD-L1-Inhibitor. Von 1.229 platingeeigneten Patienten, mit platinbasierter Chemotherapie, hatte etwas mehr als die Hälfte (58%; n=709) ein Cisplatin-basiertes Regime erhalten. In 42% (n=520) der Fälle war ein Carboplatin-basiertes Regime verabreicht worden.

OS- und PFS-Ergebnisse

Das mediane OS betrug bei den nicht platintauglichen Patienten 5,1 Monate und 13,3 Monate bei den platintauglichen Patienten (Abb.). Nach Art der Erstlinientherapie stratifiziert, war das OS bei beiden nicht platingeeigneten Gruppen am kürzesten. In der exploratorischen Analyse ergaben sich verschiedene demographische und klinische Charakteristika wie Alter, vorausgegangene Operation, der ECOG-PS, Hämoglobin, die Leukozytenzahl, die Aspartat-Aminotransferase, die alkalische Phosphatase und andere Laborwerte, die über alle Behandlungsgruppen hinweg als klinisch signifikante Prädiktoren für Gesamtüberleben geeignet erscheinen.
Das mediane PFS betrug bei den nicht platingeeigneten Patienten 3,4 Monate und 5,9 Monate bei den platingeeigneten Patienten. Der gleiche Trend war ersichtlich, wenn nach Art der Erstlinientherapie stratifiziert wurde. Eine exploratorische durch Propensity-Score adjustierte Analyse ergab ein generell längeres Gesamt- und progressionsfreies Überleben für diejenigen beider Gruppen, die mit platinbasierter Chemotherapie behandelt worden waren.


❏ Die Real-World-Studie zeigt erstmals die Behandlungsmuster und -ergebnisse bei Patienten mit neu diagnostiziertem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die für eine Chemotherapie auf Platinbasis nicht infrage kommen.

❏ Die Befunde liefern quantitative Maßstäbe bei Nichteignung für Platin der Erstlinien-Situation des fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinoms und betonen die Notwendigkeit neuer Therapieoptionen.


Gupta S, Andreev-Drakhlin A, Fajardo O, et al. 2024. Platinum ineligibility and survival outcomes in patients with advanced urothelial carcinoma receiving first-line treatment. J Natl Cancer Inst 116:547–554.

 

November  2024

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