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Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren: Einfluss von Alter und Gebrechlichkeit auf die Akutversorgung
Hintergrund
Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) stellen einen wichtigen Bestandteil des klinischen Instrumentariums zur Bekämpfung solider Tumoren
dar und wurden bereits bei einer Vielzahl von Tumoren zugelassen, was zu einem Paradigmenwechsel in der
Krebstherapie führte. Obwohl ICI im Allgemeinen besser vertragen werden als die zytotoxische Chemotherapie, entwickeln
einige Patienten immunvermittelte Nebenwirkungen, die spezifisch für diese Wirkstoffklasse sind. Deren Behandlung kann
eine stationäre Aufnahme, weiterführende diagnostische Abklärungen oder den Einsatz kostspieliger immunmodulatorischer
Substanzen erforderlich machen und sich folglich negativ auf die Lebensqualität der Patienten auswirken.
Um den Einfluss von Alter und Gebrechlichkeit bei älteren
Erwachsenen, die mit ICI behandelt werden, auf die Inanspruchnahme akuter Versorgungsleistungen sowie
auf Krankenhausaufenthalte aufgrund immunvermittelter unerwünschter Ereignisse zu ermitteln, wurde eine bevölkerungsbasierte
Studie durchgeführt.
Patienten und Methoden
Krebspatienten im Alter von 65 Jahren oder älter, die zwischen Juni 2012 und Oktober 2018 (Ontario, Kanada) eine ICI-Therapie
begannen, wurden anhand von Daten zur Verabreichung systemischer Therapien identifiziert. Der Einfluss von Alter und Gebrechlichkeit auf
die Inanspruchnahme akuter Versorgungsleistungen sowie auf Krankenhausaufenthalte aufgrund immunvermittelter unerwünschter
Ereignisse wurden mittels multivariabler Cox-Proportional-Hazard-Modelle evaluiert.
Ergebnisse
In die Analyse kamen 2.737 Patienten, medianes Alter 73 Jahre; 26% von ihnen waren präfragil und 4% fragil. 72% der
Patienten nahmen akute Versorgungsleistungen in Anspruch, während 8% aufgrund eines immunvermittelten unerwünschten Ereignisses
stationär behandelt werden mussten.
Zunehmende Gebrechlichkeit war mit einem erhöhten Risiko für die Inanspruchnahme akuter
Versorgungsleistungen assoziiert (präfragil vs. robust: adjustierte Hazard Ratio [HR]=1,20; 95%-Konfidenzintervall [KI]=1,07–1,36; p=0,003;
fragil vs. robust: adjustierte HR=1,45; 95%-KI=1,12–1,86; p=0,004); das Alter zeigte hingegen keine Assoziation mit
der Inanspruchnahme akuter Versorgungsleistungen.
Zunehmendes Alter war mit einem verringerten Risiko für Krankenhausaufenthalte aufgrund immunvermittelter unerwünschter
Ereignisse assoziiert (adjustierte HR=0,97 pro
Lebensjahr; 95%-KI=0,95–0,99; p=0,01); im Vergleich zu Patienten im Alter von 65 bis 69 Jahren wiesen Patienten
im Alter von 80 Jahren oder älter ein verringertes Risiko für Krankenhausaufenthalte aufgrund immunvermittelter
unerwünschter Ereignisse auf (adjustierte HR=0,63; 95%-KI=0,39–1,01; p=0,05). Gebrechlichkeit zeigte keine
Assoziation mit Krankenhausaufenthalten aufgrund immunvermittelter unerwünschter Ereignisse. Die Zusammenhänge
blieben konsistent, auch wenn Alter und Gebrechlichkeit in denselben Modellen evaluiert wurden.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass ein höheres Alter mit einem geringeren
Risiko für durch Immunreaktionen bedingte Krankenhausaufenthalte einhergeht, während eine zunehmende Gebrechlichkeit
bei älteren Erwachsenen unter ICI-Therapie mit einem erhöhten Risiko für die Inanspruchnahme
akuter medizinischer Leistungen verbunden ist. Die Effekte von Alter und Gebrechlichkeit auf diese Ergebnisse waren
voneinander unabhängig. Angesichts des zunehmenden Einsatzes von Immuncheckpoint-Inhibitoren in der onkologischen
Versorgung ist zukünftige Forschung zur Entwicklung von Vorhersageinstrumenten für die Inanspruchnahme akuter
medizinischer Leistungen und für immunbedingte Nebenwirkungen bei älteren Erwachsenen, die eine ICI-Therapie erhalten,
sowie zur Entwicklung unterstützender Behandlungsstrategien zur Reduzierung
dieser Risiken angezeigt.
Fazit
Das Alter war mit einem verringerten Risiko für eine Hospitalisierung aufgrund immunvermittelter unerwünschter Ereignisse
assoziiert, jedoch nicht mit der Inanspruchnahme akuter Versorgung. Zunehmende Gebrechlichkeit war mit der Inanspruchnahme
akuter Versorgung assoziiert, jedoch nicht mit einer Hospitalisierung aufgrund immunvermittelter unerwünschter Ereignisse.
Alter und Gebrechlichkeit sollten möglicherweise unabhängig voneinander berücksichtigt werden, wenn deren Auswirkungen auf die Toxizität
bei älteren Erwachsenen unter ICI-Behandlung evaluiert werden.
Eng L, et al. 2026.
Impact of age and frailty on acute care use during immune checkpoint inhibitor treatment. Journal of the National Cancer Institute, 118(5), 892–902
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