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Vorhersagemodell für akute Toxizität bei Prostatakrebspatienten unter Salvage-Strahlentherapie: ICAROS-Studie
Hintergrund
Ziel dieser Studie war die Entwicklung eines Vorhersagemodells für akute gastrointestinale (GI) und genitourinäre (GU) Toxizität
bei Prostatakrebspatienten, die nach einer Prostatektomie mit einer Salvage-Strahlentherapie (SRT) behandelt wurden.
Sie bietet potenzielle
Krankheitskontrolle und verbesserte Überlebenschancen, ist jedoch sowohl mit akuten als auch mit späten Toxizitäten
verbunden, was die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigt. Die Identifizierung prädiktiver Faktoren für Toxizität
ist entscheidend für die Optimierung der Behandlung.
Akute Toxizität ist klinisch relevant, weil sie die Therapietreue beeinträchtigen, den Patientenkomfort verringern und zu
daraus resultierender Spättoxizität beitragen kann.
Zur Identifizierung wichtiger Prognosefaktoren wurden in dieser Studie Verfahren
wie die Regression mit dem Least Absolute Shrinkage and Selection Operator (LASSO) und KI-basierte
Ansätze mit verschiedenen Methoden des maschinellen Lernens (ML) eingesetzt.
Patienten und Methoden
In der multizentrischen retrospektiven Studie wurden 454 Patienten aus drei italienischen Strahlentherapiezentren analysiert,
die mit einer SRT behandelt wurden. Anhand der Patientendaten wurden verschiedene maschinelle Lernverfahren angewendet,
um die wichtigen Toxizitätsprädiktoren zu identifizieren. Zu den analysierten Variablen gehörten Operationstechnik,
Abstand zwischen klinischem Zielvolumen (CTV) und Planungszielvolumen (PTV), Umfang der Lymphadenektomie,
Strahlentherapietechnik und Androgendeprivationstherapie (ADT).
Die akute Toxizität wurde anhand der Kriterien der Radiation Therapy Oncology Group bewertet.
Prädiktoren für eine Toxizität ab Grad 2 wurden mittels Least Absolute Shrinkage and Selection Operator (LASSO)-Regression und
Klassifikations- und Regressionsbaum-Modellierung (CART) identifiziert.
Prädiktives Modell der urogenitalen Toxizität
Der wichtigste Einflussfaktor auf die akute GU-Toxizität war die Operationstechnik. Patienten, die sich einer offenen Operation
unterzogen, wiesen eine signifikant höhere Toxizitätsrate auf als Patienten, die sich einer laparoskopischen oder
roboterassistierten Operation unterzogen (35,9% vs. 12,2%).
Bei Patienten mit offener Operation wurde das Toxizitätsrisiko zusätzlich durch den
CTV-zu-PTV-Abstand stratifiziert. Ein Abstand von weniger als 10 mm wies eine Toxizitätsrate von 29,9% auf,
während Patienten mit einem Abstand von ≥10 mm eine deutlich höhere Toxizitätsrate von 70,4% aufwiesen.
Bei Patienten mit einem CTV-zu-PTV-Abstand von weniger als 10 mm war das Ausmaß der Lymphadenektomie
ein zusätzlicher Determinant. Bei Patienten mit weniger als 15 resezierten Lymphknoten
lag die Toxizitätsrate bei 22,7% versus 46,8% bei Patienten mit 15 oder mehr resezierten
Lymphknoten.
Ergebnisse
Operationstechnik, CTV-zu-PTV-Abstand und Strahlentherapieparameter
erwiesen sich als die wichtigsten Determinanten, wobei offene Operationen und größere Ränder mit einer akuten Toxizität
von höherem Grad ≥2 assoziiert waren.
Die in dieser Studie angewandte leicht verständliche ML-Technik kann nichtlineare Beziehungen
zwischen Variablen verarbeiten und eine auch für nicht-technische Anwender leicht verständliche Baumstruktur darstellen.
Die Ergebnisse bestätigen die gute Verträglichkeit der SRT.
Bei keinem Patienten trat eine Toxizität Grad ≥4 auf, und die Toxizität Grad 3 lag sowohl bei GI- als auch bei GU-Ereignissen
unter 1%.
Der primäre Faktor für akute Toxizität war die Operationstechnik. Die offene Prostatektomie war mit einer signifikant
höheren GI- (41,8%) und GU-Toxizität Grad ≥2 (35,9%) assoziiert als laparoskopische/roboterassistierte Verfahren (18,9% bzw. 12,2%).
Ein Sicherheitsabstand zwischen CTV und PTV von ≥10 mm erhöhte die Toxizität zusätzlich, insbesondere in Kombination
mit einer ausgedehnten Lymphadenektomie. Die SRT-Technik und die ADT waren in einigen Untergruppen zusätzliche Prädiktoren.
Zusammenfassung
Diese Studie beleuchtet das Zusammenspiel von Patientenmerkmalen, Operationstechniken und Strahlentherapieparametern
bei der Bestimmung der akuten Toxizität nach SRT. Entscheidungsbaumbasierte ML-Modelle zeigten, dass sie das Risiko
akuter gastrointestinaler und urogenitaler Toxizitäten präzise einschätzen und eine verständliche Erklärung für die
individualisierte Risikovorhersage liefern können. Die Studienergebnisse unterstreichen die Bedeutung personalisierter
Behandlungsstrategien zur Minimierung der Toxizität und zur Optimierung der Patientenergebnisse.
Deodato F, et al. 2025.
A Multicenter Machine Learning-Based Predictive Model of Acute Toxicity in Prostate Cancer Patients Undergoing Salvage
Radiotherapy (ICAROS Study).
Cancers 25;17(13):2142. doi: 10.3390/cancers17132142.
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