Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) haben das therapeutische Szenario der Behandlung des metastasierten Urothelkarzinoms (mUC) auf eine
breitere Basis gestellt. Die Assoziation des programmed death ligand 1 (PD-L1) mit Ansprechen und Überleben bei mit ICI-behandelten
Patienten wird noch kontrovers beurteilt. Aktuell wurde der Zusammenhang zwischen PD-L1 und der Gesamtansprechrate sowie dem Gesamtüberleben
bei Patienten mit metastasiertem Urothelkarzinom, die mit Immuncheckpoint-Inhibitoren behandelt wurden, analysiert.
Inkludiert waren randomisierte und nicht ranomisierte klinische Studien mit mUC-Patienten, die Immuncheckpoint-Inhibitoren erhielten, für die Daten zum Gesamtüberleben (OS),
progressionsfreien Überleben (PFS) oder zur Gesamtansprechrate (ORR) verfügbar waren: getrennt nach Patienten mit PD-L1-positiven
und PD-L1-negativen Tumoren.
Primärergebnisse waren die Odds Ratios (OR) für ORR und die Hazard Ratios (HR) für OS von Patienten mit PD-L1-positiven- vs. Patienten
mit PD-L1-negativen-Tumoren. Sekundärergebnisse waren aus nur randomisierten klinischen Studien ermittelte PFS-HR von Patienten
mit PD-L1-positiven- bzw. PD-L1-negativen-Tumoren sowie das OS-HR zwischen ICI-Armen und Nicht-ICI-Armen.
Merkmale der klinischen Studien
Für die Analyse wurden insgesamt 14 Studien ausgewählt: 7 Studien der Phase 1 oder 2 und 7 randomisierte Studien der Phase 3.
In 5 Studien wurden Immuncheckpoint-Inhibitoren vorbehandelten Patienten verabreicht. In 8 Studien wurden Immuncheckpoint-Inhibitoren
als Erstlinienbehandlung verwendet und in einem Fall wurde Avelumab als Erhaltungstherapie verabreicht.
Insgesamt 8 Studien verwendeten die Anti-PD1-Wirkstoffe Nivolumab oder Pembrolizumab.
In 6 Studien wurden PD-L1-Inhibitoren verabreicht (Avelumab, Atezolizumab oder Durvalumab).
In 2 Studien wurden die Anti-CTLA4-Wirkstoffe Ipilimumab und Tremelimumab zu Nivolumab (Zweitlinie) bzw. Durvalumab (Erstlinie) hinzugefügt;
in der Erstlinie wurden Atezolizumab, Nivolumab und Pembrolizumab in 3 Studien mit Chemotherapie kombiniert; und
in einer Studie wurde Pembrolizumab mit Enfortumab Vedotin kombiniert.
ORR-Vergleich: PD-L1–positive vs. PD-L1–negative Tumoren
Daten zum ORR bei Patienten mit PD-L1-positiv- vs. PD-L1-negativ-Tumor entstammten 10 Studien. Von 3.068 behandelten Patienten, hatten 1.590 einen
PD-L1-positiven und 1.125 einen PD-L1-negativen-Tumor. Die ORR betrug 13,8% bis 78,6% bei Patienten mit PD-L1-positiven-Tumoren und 5,1% bis 63,2%
bei Patienten mit PD-L1-negativen-Tumoren. Es bestand eine Assoziation zwischen dem PD-L1-Status und der ORR zugunsten von Patienten mit
einem PD-L1-positiven-Tumor (OR, 1,94, p <0,001; Abb. 1). Die Studien wiesen geringe Heterogenität auf.
OS-Vergleich: PD-L1–positive vs. PD-L1–negative Tumore
Die Daten zum OS entstammten 12 Studien mit 4.909 Patienten, von denen 2.267 einen PD-L1-positiv- und 1.888 einen PD-L1-negativ-Tumor hatten. Das mediane OS lag
bei Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren zwischen 8,4 und 24,1 Monaten und bei Patienten mit PD-L1-negativen Tumoren zwischen 6,0 und 19,1 Monaten.
Das gebündelte HR ergab eine signifikante Reduktion des Sterberisikos für Patienten mit PD-L1-positiven-Tumoren im Vergleich zu denen mit PD-L1-negativen-Tumoren
(HR, 0,71; p=0,003) und des Progressionsrisikos (HR 0,55; 95 % KI 0,44–0,69; p < 0,001, Abb. 1), wenn ICIs verabreicht wurden.
PD-L1 ist wahrscheinlich kein prädiktiver Biomarker für die ICI-Reaktion. Unter den Studien bestand eine moderate Heterogenität (I²=61%; p <0,001).
PFS-Vergleich: PD-L1–positive vs. PD-L1–negative Tumore
In 6 Studien war das PFS für insgesamt 1.638 Patienten (884 mit PD-L1-positiven-Tumoren und 754 mit PD-L1-negativen-Tumoren) verfügbar. Im Vergleich zu Patienten mit
PD-L1-negatviven-Tumoren, hatten jene mit PD-L1-positiven-Tumoren eine längere PFS (HR, 0,55; p <0,001) (Abb. 1). Es bestand keine Heterogenität.
Subgruppenanalysen
Bezüglich des ICI-Wirkmechanismus (ORR für Anti-PD1 vs. Anti–PD-L1: OR, 1,83; p=0,69; OS für Anti-PD1 vs. Anti–PD-L1: OR, 0,68; p=0,92),
der Therapielinie (ORR für Erst- vs. Zweit- vs. Erhaltungstherapie: OR, 1,83; p=0,73; OS für Erst- vs. Zweit- vs. Erhaltungstherapie:
0,68; p=0,07 für OS) oder Einzelsubstanzen vs. Kombinationen (ORR: OR, 1,94; p=0,08; OS: OR, 0,69; p=0,29) wurden keine Unterschiede festgestellt.
Assoziation von PD-L1 mit OS zwischen ICI und Nicht-ICI beim mUC
In sechs Studien wurde die ICI-Therapie mit unterschiedlichen Behandlungen im Kontrollarm (Chemotherapie oder Best Supportive Care) verglichen. Es ergaben sich
keine Unterschiede in der PD-L1–positiven versus PD-L1–negative Subgruppe (HR, 0,79; p=0,93 hinsichtlich des Überlebens mit ICI im Vergleich
zu anderen Behandlungen; Abb. 2).

❏ Der systematische Review mit Metaanalyse veranschaulicht, dass die PD-L1-Expression bei Patienten mit mUC, die mit
Immuncheckpoint-Inhibitoren behandelt werden, mit verbesserten ORR, OS und PFS assoziiert ist.
❏ Die Ergebnisse sind für ICI bei der Verwendung als Erstlinien- und auch Zweitlinienbehandlung gleichwohl signifikant.
❏ PD-L1 ist wahrscheinlich kein prädiktiver Biomarker für die ICI-Reaktion.
Die Entwicklung prädiktiver Biomarker ist jedoch notwendig, um Patienten auszuwählen, die am wahrscheinlichsten von ICIs profitieren,
und um toxische Wirkungen und finanzielle Belastungen durch diese Wirkstoffe zu vermeiden.
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Maiorano BA, Di Maio M, Cerbone L, et al. 2024.
Significance of PD-L1 in metastatic urothelial carcinoma treated with immune checkpoint inhibitors. A systematic review and meta-analysis.
JAMA Netw Open 7:e241215.
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