Lokalisierter Nierentumor:
Aktive Überwachung mit und ohne spätere Intervention


  Um der unterschiedlichen klinischen Signifikanz von lokalisierten Nierentumoren und der damit zusammenhängenden potenziellen Überbehandlung Rechnung zu tragen, bietet sich active Surveillance (AS) als eine initiale Behandlungsoption an. Allerdings beruhen bislang publizierte ermutigende Ergebnisse mit AS-Kohorten erst auf relativ kurzen Nachbeobachtungsperioden.

  Aktuell wurden die umfassenden Erfahrungen eines Einzelzentrums mit aktiver Überwachung bei Patienten mit lokalisiertem Nierentumor über median mehr als fünf Jahre berichtet (McIntosh AG, et al. 2018):

  Aus der prospektiv geführten Nierenkrebs-Datenbank der Temple University, Lewis Katz School of Medicine, Philadelphia, PA, USA, wurden 457 Patienten mit insgesamt 544 Läsionen identifizierst, die in den Jahren 2000 bis 2016 mit AS betreut worden waren.
Die lineare Wachstumsrate (LWR) wurde anhand einfacher linearer Regression bestimmt.

  Für die Analyse standen 457 Patienten (544 Läsionen) mit soliden oder Bosniak III/IV zystischen lokalisierten Nierentumoren und adäquat vorhandenen Daten zur Verfügung. Das mediane Alter bei der Aufnahme war 70 Jahre  
Abb.: Wasserfall-Diagramm der linearen Wachstumsrate (LWR)-Verteilung nach dem Status der späteren Intervention (SI). Bei Vorliegen multipler Läsionen wurde bei Patienten ohne SI die größte Läsion oder bei Patienten mit SI die zuerst operierte Läsion gewählt.


(Interquartilenbereich [IQR] 60–78 Jahre), und die mediane Nachbeobachtungsdauer überlebender Patienten betrug 67 Monate (IQR 41–94 Monate). Diejenigen Patienten, die nicht zu einem späteren Zeitpunkt zur Intervention überwechselten, verweilten median 41 Monate (IQR 19–71 Monate) im Überwachungsstatus.

Die mediane LWR für alle Läsionen betrug 1,9 mm/Jahr. Die Abbildung zeigt die Verteilung des LWR- und VI-Status im Gesamtkollektiv. Die kumulative Inzidenzrate späterer Interventionen nach 1, 2, 3, 4 und 5 Jahren aktiver Überwachung betrug 9%, 22%, 29%, 35% bzw. 42%.

In der Analysekohorte waren insgesamt 73 Patienten verstorben. Die 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate belief sich auf 89%. Patienten, die später zur Intervention wechselten, hatten kein signifikant höheres Risiko als Patienten, die bei AS verblieben.

Neunundneunzig Patienten mit einem mehr als fünfjährigen Follow-up (median 99 Monate; IQR 77–115 Monate) hatten nicht zur Intervention gewechselt. Für solide (n=82) und zystische Tumoren (n=17) betrug die maximale Größe initial 21 mm bzw. 19 mm. Die mediane LWR betrug insgesamt 1,1 mm/Jahr bzw. 1 mm/Jahr. Zwölf Patienten starben. Einer davon hatte mehr als acht Jahre nach Aufnahme in das AS-Programm ein metastasiertes Nierenzellkarzinom entwickelt.

   Aktive Überwachung mit und ohne spätere Intervention ist bei sorgsam geführten Patienten eine sicherere Vorgehensweise. Die Entscheidung zur Intervention fällt überwiegend in die ersten zwei bis drei Jahren unter aktiver Überwachung.

McIntosh AG, Ristau BT, Ruth K, et al. 2018. Active surveillance for localized renal masses: tumor growth, delayed intervention rates, and >5-yr clinical outcomes. Eur Urol https://doi.org/10.1016/j.eururo.2018.03.011 (Epub ahead of print).

Juli  2018

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