ASCO 2021
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom:
Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617


Die Phase-III-Studie VISION hat beide primären Endpunkte erreicht und zeigt, dass 177Lu-PSMA-617 das Gesamtüberleben und radiographische progressionsfreie Überleben von Patienten mit PSMA-positivem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom signifikant verlängern kann [1]. Die ersten Studiendaten wurden kürzlich bei der digitalen Jahrestagung der ASCO vorgestellt und sollen noch in diesem Jahr bei den Zulassungsbehörden in den USA und Europa eingereicht werden.

Bereits Ende März verkündete das Pharmaunternehmen Novartis eine erfolgreiche erste Auswertung der Phase-III-Studie VISION zur Wirksamkeit und Sicherheit von 177Lu-PSMA-617 im Vergleich zu bestehenden Therapiestandards [1,2,3]. Bei dem untersuchten Wirkstoff handelt es sich um eine zielgerichtete Radioligandentherapie für Patienten mit PSMA-positivem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC).

Primäre Endpunkte erreicht

VISION ist eine internationale, prospektive, randomisierte, multizentrische open-Label-Studie zur Evaluierung der Wirksamkeit und Sicherheit von 177Lu-PSMA-617 (7,4 GBq per i.v. Infusion alle 6 Wochen, max. 6 Zyklen) in Kombination mit der Protokoll-spezifischen Standardtherapie (best standard of care, SOC, ausgewählt durch den behandelnden Arzt) im Vergleich zur SOC allein [3,4]. Dabei wurden 831 mCRPC-Patienten mit PSMA-positiver PET-Bildgebung und Progress nach vorhergehender Taxane- und Androgenrezeptor-gerichteter Therapie (ARDT) 2:1 in den Untersuchungs- bzw. Kontrollarm der Studie randomisiert [1,3,4]. Die Studie erreichte die beiden primären Endpunkte Gesamtüberleben (OS) mit einer statistisch signifikanten Reduktion des Sterberisikos um 38% im 177Lu-PSMA-617-Studienarm und radiographisches progressionsfreies Überleben (rPFS) mit einer Risikoreduktion um 60% im Vergleich zur Kontrollgruppe. Das mediane OS betrug 15,3 Monate unter 177Lu-PSMA-617 vs. 11,3 Monate in der Kontrollgruppe. Das Sicherheitsprofil stimmte mit Daten aus vorherigen klinischen Studien überein, indem mehr behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse im 177Lu-PSMA-617-Studienarm als in der Kontrollgruppe gemeldet wurden [1]. Auch die sekundären Endpunkte wurden erreicht [5].

Die Ergebnisse der VISION-Studie wurden im Rahmen des ASCO Annual Meeting 2021 vorgestellt und sollen noch in diesem Jahr bei den Zulassungsbehörden in Europa und den USA eingereicht werden. Die nuklearmedizinische Theragnostik, zu der auch die 177Lu-PSMA-617-Therapie zählt, bündelt Novartis in Deutschland unter dem Dach der hundertprozentigen Tochterfirma Advanced Accelerator Applications Germany (AAA) mit Hauptsitz in Bonn.

Hoher Bedarf treibt Fortschritt an

Patienten mit mCRPC benötigen neue Behandlungsoptionen, denn die Wahrscheinlichkeit eines 5-Jahres-Überlebens liegt für diese Patientenpopulation unter 1:6 [6]. „Die Daten aus der VISION-Studie stellen einen Durchbruch dar und bestätigen das Potenzial von 177Lu-PSMA-617 sowie der Plattform Radioligandentherapie“ erläutert Dr. Dirk Holler, General Manager von AAA Germany & Austria. „In Deutschland sterben jährlich noch immer ca. 14.000 Menschen an dieser Krebserkrankung [7]. Jeder Schritt in Richtung neuer Therapieoptionen kann potenziell helfen, diese Zahl in Zukunft zu verringern,“ betont Dr. Germo Gericke, Chief Medical Officer von AAA, die Relevanz von klinischen Studien wie VISION für den Behandlungsalltag. Zwei weitere Studien zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617 bei mCRPC sollen in der ersten Jahreshälfte 2021 starten [5].

Innovative onkologische Therapie

Bei der Radioligandentherapie wird eine Komponente, die spezifisch an molekulare Marker auf der Oberfläche von Tumorzellen bindet, mit einem radioaktiven Isotop gekoppelt. Durch die gezielte Strahlung wird die DNA der Krebszellen beschädigt und so Zellteilung und -wachstum unterbunden, während das umliegende gesunde Gewebe weitgehend geschont wird. Novartis und AAA haben eine globale Expertise bei der Herstellung sowie spezialisierte Lieferketten in einem Netzwerk von vier Produktionsstätten etabliert, um die Patientenversorgung mithilfe der Radioligandentherapien zu gewährleisten und auszubauen.

Über das fortgeschrittene Prostatakarzinom

Das Prostatakarzinom ist eine Tumorentität, die sich in der sogenannten Vorsteherdrüse entwickelt, einer kleinen walnussförmigen Drüse im männlichen Becken. Beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom (CRPC) zeigen sich trotz Testosteron-verringernder Hormontherapien Anzeichen eines Tumorwachstums, beispielsweise steigende Werte des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut [8]. Beim metastasierten CRPC (mCRPC) breitet sich die Tumorerkrankung auf weitere Teile des Körpers wie umliegende Organe und Knochen aus und spricht weiterhin nicht auf eine hormonelle Behandlung an [9]. Das 5-Jahres-Überleben bei Patienten mit mCRPC beträgt ca. 15% [6].

Über phänotypische Präzisionsmedizin beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom

Trotz Fortschritten in der Behandlung des Prostatakarzinoms besteht ein hoher, nicht erfüllter Bedarf an neuen, zielgerichteten Therapieoptionen für Patienten mit mCRPC. Über 80% aller Prostatakarzinome weisen eine hohe Expression eines phänotypischen Biomarkers auf [10], des Prostataspezifischen Membranantigens (PSMA) [1,11-14]. Das PSMA ist somit sowohl von diagnostischem Interesse (über Positronenemissions-Tomografie (PET) Bildgebung) als auch ein vielversprechendes Ziel für die Radioligandentherapie [11].

Über 177Lu-PSMA-617

177Lu-PSMA-617 ist eine experimentelle PSMA-gerichtete Radioligandentherapie zur Behandlung des mCRPC, die in Heidelberg entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um eine präzisionsonkologische Therapie, die eine zielgerichtete Komponente (Ligand) mit einem therapeutischen Radionuklid kombiniert [15-17]. Nach der Verabreichung per Infusion bindet der Wirkstoff an die Tumorzellen, welche PSMA exprimieren [18]. Sobald die Bindung erfolgt ist, schädigt die vom Radionuklid ausgehende Strahlung die Tumorzellen und verhindert die Zellteilung und/oder löst den Zelltod aus. Dabei beschränkt sich die Strahlung auf eine sehr kurze Distanz, sodass umliegende Zellen weitgehend geschont werden [19,20].

Über Advanced Accelerator Applications S.A. (AAA)
AAA ist ein führender Anbieter von Diagnostikverfahren und Radioligandentherapien. Die Novartis-Tochter beschäftigt weltweit über 1000 Mitarbeiter an 31 Standorten in 12 Ländern. In Deutschland ist die Advanced Accelerator Applications Germany GmbH in Bonn und München vertreten. Das hochspezialisierte Unternehmen entwickelt zielgerichtete, Evidenz-basierte Diagnostikverfahren und Radioligandentherapien und ist ein führender Anbieter in der Nuklearmedizin.

AAA vereint innovative Ansätze mit 20 Jahren Erfahrung in der Nuklearmedizin und über 15 Jahren Erfahrung in der Herstellung von nuklearmedizinischen Diagnostika für die Bildgebung. Als Theragnostik-Pionier möchte AAA den Zugang zu innovativen, zielgerichteten Diagnose- und Therapielösungen ermöglichen, um Leben zu verlängern und Lebensqualität zu verbessern.

Quellen:
[1] Novartis Data on File.
[2] Pressemitteilung Novartis, 23. März 2021. Abrufbar unter: www.novartis.com/news/media-releases/novartis-announces-positive-result-phase-iii-study-radioligand-therapy-177lu-psma-617-patients-advanced-prostate-cancer
[3] Clinical Trial ID NCT03511664. Abrufbar unter: https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT03511664.
[4] Sartor AO et al. J Clin Oncol 2019;37(15 suppl):TPS5099.
[5] Pressemitteilung Novartis, 3. Juni 2021. Abrufbar unter: www.novartis.com/news/media-releases/novartis-177lu-psma-617-significantly-improves-overall-survival-and-radiographic-progression-free-survival-men-metastatic-castration-resistant-prostate-cancer.
[6] Moreira DM et al. Clin Genitourin Cancer 2017;15(1):60–66.e2.
[7] Zentrum für Krebsregisterdaten, Robert Koch Institut. Abrufbar unter: www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Prostatakrebs/prostatakrebs_node.html
[8] Kirby M et al. Int J Clin Pract 2011;65(11):1180–92.
[9] Hupe MC et al. Front Oncol 2018;8:623.
[10] Sant GR et al. NPJ Precision Oncology 2017;1(1):21.
[11] Bostwick DG et al. Cancer 1998;82(11):2256–61.
[12] Minner S et al. Prostate 2011;71(3):281–8.
[13] Hope TA et al. J Nucl Med 2017;58(12):1956–61.
[14] Pomykala KL et al. J Nucl Med 2020;61(3):405–11.
[15] Boyd M et al. Gene Ther 1999;6(6):1147–52.
[16] Eder M et al. Bioconjug Chem 2012;23(4):688–97.
[17] Benešová M et al. J Nucl Med 2015;56(6):914–20.
[18] Haberkorn U et al. Clin Cancer Res 2016;22(1):9–15.
[19] Violet J et al. J Nucl Med 2019;60(4):517–23.
[20] Hofman MS et al. Lancet Oncol 2018;19(6):825–33.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.adacap.com

Quelle: Advanced Accelerator Applications Germany GmbH

22. Juni 2021

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