Prostatakrebs wirksam behandeln: PSMA-gerichtete Therapie

Zwei internationale Studien, an denen Urologen und Nuklearmediziner der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und des Universitätsklinikums Essen beteiligt waren, und die kürzlich in den renommierten Journalen New England Journal of Medicine und Lancet Oncology veröffentlichten wurden, zeigen neue Möglichkeiten für eine wirksamere Behandlung von Prostatakrebs: Die neuartige 177Lu-PSMA-Radioliganden-Therapie [1,2].

Den Studien zufolge kann die 177Lu-PSMA-Radioliganden-Therapie bei Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs die Zeit bis zu einem Fortschreiten der Erkrankung, also das progressionsfreie Überleben, und auch die Lebenszeit der Patienten verlängern. Diese kürzlich im New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse werden voraussichtlich zur Zulassung dieser neuen Therapie führen. „Die Ergebnisse sind ein Meilenstein für die Prostatakrebstherapie“, so Prof. Ken Herrmann, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin.

177Lu-PSMA ist ein niedermolekularer Inhibitor, der an das prostataspezifische Membranantigen (PSMA) bindet und eine gezielte Betabestrahlung des Tumors ermöglicht. Kandidaten für die gezielte 177Lu-PSMA-Therapie werden in der Regel mit einem PSMA-PET-Scan untersucht - einer neuen Technik, bei der Positronen-Emissions-Tomographie in Verbindung mit einem PET-sensitiven Medikament eingesetzt wird, um Prostatakrebs im ganzen Körper zu erkennen - um die PSMA-Expression in den Tumoren zu überprüfen.

In Lancet Oncology berichten Forscher aus sechs Einrichtungen, darunter auch das Universitätsklinikum Essen, über ein neues Prognoseinstrument, sogenannte Nomogramme, mit deren Hilfe die individuelle Erfolgswahrscheinlichkeit einer 177Lu-PSMA Behandlung berechnet werden kann [2]. „Diese Berechnungen werden dazu beitragen, die am besten geeigneten Patienten für die 177Lu-PSMA-Therapie zu identifizieren", so Prof. Wolfgang Fendler, Leitender Oberarzt in der Klinik für Nuklearmedizin. „So sprechen Patienten mit einer höheren PSMA-Expression des Tumors mit größerer Wahrscheinlichkeit auf 177Lu-PSMA an, was sich durch eine längere Lebenszeit des Patienten und längere Dauer der Kontrolle seiner Krankheit zeigt.“

Originalveröffentlichungen:
[1] Sartor O, de Bono J, Chi KN, Fizazi K, Herrmann K, et al. 2021. Lutetium-177–PSMA-617 for Metastatic Castration-Resistant Prostate Cancer https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/nejmoa2107322
[2] Gafita A, Calais J, Grogan TR, Hadaschik, B, et al. 2021. Nomograms to predict outcomes after 177Lu-PSMA therapy in men with metastatic castration-resistant prostate cancer: an international, multicentre, retrospective study. Lancet Oncol 22: 1115-1125.

Quelle: Universität Duisburg-Essen



20. August 2021

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