Therapie des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC):
Real World-Studien bestätigen positiven Effekt von Radium-223 (Xofigo®) auf Gesamtüberleben, Lebensqualität und Verträglichkeit


Eine Behandlung mit Radium-223-dichlorid (Xofigo®) bewirkt klinischen Daten zufolge bei erwachsenen Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) und symptomatischen Knochenmetastasen ohne bekannte viszerale Metastasen eine Verlängerung des Gesamtüberlebens (OS)* sowie eine Verbesserung der Lebensqualität bei insgesamt guter Verträglichkeit [3]. Diese guten Ergebnisse unterstreichen nun zwei aktuelle nicht-interventionelle Studien zu Radium-223** aus dem klinischen Alltag, die beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) 2021 präsentiert wurden [1, 2].

REASSURE-Studie: Günstige Überlebensdaten, gutes Sicherheitsprofil

Professor Dr. Kurt Miller (Berlin) stellte die Daten der REASSURE-Studie vor. Bei der REASSURE-Studie handelt es sich um eine globale prospektive nicht-interventionelle Studie zur Anwendung von Radium-223 im klinischen Alltag bei Patienten mit mCRPC und Knochenmetastasen [1]. Die Beobachtungsdauer soll insgesamt bei sieben Jahren liegen. Ziel der Studie ist die Dokumentation der kurz- wie auch langfristigen Sicherheit einer Radium-223-Behandlung.

Weltweit wurden im Rahmen der Studie bislang 1.465 Patienten mit Radium-223 behandelt, davon 899 in Europa. Die Mehrzahl der Patienten wies ein mCRPC im Stadium III oder IV, Knochenmetastasen und mehr als sechs Metastasenlokalisationen auf. Neben der Langzeitsicherheit und dem Auftreten von sekundären Malignomen und Knochenmarksupressionen wurde auch das Gesamtüberleben analysiert. Die Patienten waren umfassend vorbehandelt und hatten zumeist bereits eine Behandlung mit Abirateron/Prednisolon und Docetaxel erhalten. Bei 98 Prozent von ihnen war zuvor eine systemische Krebstherapie durchgeführt worden und 62 Prozent hatten auch eine Radiotherapie erhalten.

Das mittlere Follow-up betrug zum Zeitpunkt der vorgeplanten zweiten Interimsanalyse 11,5 Monate. Zum Zeitpunkt des Cut-offs hatten 59 Prozent der Studienteilnehmer bereits im Median sechs Radium-223-Injektionen erhalten. Das Auftreten sekundärer Malignome war durch die Therapie mit Radium-223 nicht erhöht, wie bereits durch die Langzeitsicherheitsdaten gezeigt wurde und die Inzidenz einer Knochenmarksuppression wie auch die Frakturrate waren laut Prof. Miller niedrig. Die Radium-223-Therapie erwies sich insgesamt als gut verträglich, als häufigste Nebenwirkungen traten eine Diarrhoe (11 Prozent), Übelkeit (9 Prozent) sowie eine Anämie (8 Prozent) auf.

„Bemerkenswert sind insbesondere die Ergebnisse zum Gesamtüberleben“, berichtete Prof. Miller. So zeigte sich in der Real-World-Studie ein medianes OS (sekundärer Endpunkt) von 15,6 Monaten. In der Phase-III-Zulassungsstudie lag das mediane OS (primärer Endpunkt) bei 14,9 Monaten* [3]. „Zudem waren keine neuen oder unerwarteten Sicherheitssignale in der Studie zu beobachten. Die Ergebnisse der finalen Studienauswertung erwarten wir Ende 2024“, erklärte Prof. Miller.

PARABO-Studie: Hinweis auf relevante Schmerzreduktion, gute Verträglichkeit, verbesserte Lebensqualität

Bei der PARABO-Studie handelt es sich um eine prospektive beobachtende, nicht-interventionelle, einarmige Studie [2]. Diese untersucht unter Alltagsbedingungen das Schmerzansprechen und die Schmerz-assoziierte Lebensqualität (QoL) bei Patienten mit mCRPC, die mit Radium-223 behandelt wurden. Die Ergebnisse der Interimsanalyse stellte Professor Dr. Holger Palmedo (Bonn) beim DGN-Kongress vor.

An der Studie nehmen bisher 346 Patienten aus Deutschland teil, Prüfparameter sind das Schmerzansprechen anhand des stärksten Schmerzes im Brief Pain Inventory-Short Form-Fragebogen (BPI-SF) sowie die Lebensqualität der Patienten. Zum Zeitpunkt der Auswertung hatten 61 Prozent der Patienten im Median sechs Injektionen Radium-223 erhalten. 68 Prozent der Studienteilnehmer gaben im Fragebogen an, Schmerzen zu haben (Pain Score >1) und wurden in die Analyse eingeschlossen. Von diesen zeigten 60 Prozent ein klinisch relevantes Schmerzansprechen. Dieses war unabhängig vom Ausmaß der Erkrankung.

Nach der dritten Radium-223 Injektion trat bei 25 Prozent der Patienten, die Opioide erhielten, eine komplette Schmerzlinderung (80-100-prozentige Schmerzreduktion) auf und bei 15 Prozent der Patienten, die keine Opioide bekommen hatten. „Das Schmerzansprechen verbesserte sich generell mit weiteren Gaben von Radium-223“, berichtete Prof. Palmedo.

Sehr positiv sind nach seiner Darstellung insbesondere die Ergebnisse zur Lebensqualität der Patienten: „Die medianen Werte für jeden Einzelparameter des BPI-SF blieben entweder gleich oder verbesserten sich sogar. Dies war zudem unabhängig von einer Opioidgabe zu beobachten“.

Effektiv und sicher auch bei mehrfach vorbehandelten Patienten

Die beiden Real World-Studien bestätigen die positiven Daten der Placebo-kontrollierten Phase-III-Zulassungsstudie ALSYMPCA(3). In der Phase III-Studie wurden 921 Patienten mit Radium-223 plus bestmöglichem Therapiestandard (BSoC, best standard of care) versus Placebo plus BSoC allein behandelt. In der Radium-223-Gruppe resultierte eine signifikante mediane Verlängerung des Gesamtüberlebens* von 3,6 Monaten im Vergleich zu Placebo (14,9 vs. 11,3 Monate; p=0,002). Die Verlängerung des Gesamtüberlebens* war unabhängig davon, ob die Patienten zuvor eine Chemotherapie erhalten hatten oder nicht. Radium-223 erwies sich in der Studie zudem als gut verträglich, die Nebenwirkungsraten im Radium-223- und im Placeboarm waren vergleichbar [3].

Die Ergebnisse der Studien REASSURE und PARABO weisen nun darauf hin, dass Radium-223 im klinischen Alltag auch bei mehrfach vorbehandelten Patienten, die schon mehrere Therapielinien des mCRPC einschließlich einer Chemotherapie erhalten haben, wirksam und gut verträglich sowie sicher in der Anwendung ist. „Die Daten unterstreichen die Relevanz der Radium-223-Therapie für Patienten mit mCRPC in der aktuellen Therapielandschaft“, sagte Prof. Miller.

Keine Therapiechancen verpassen

Damit die Patienten von allen zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen des mCRPC profitieren können, ist es wichtig, den geeigneten Zeitpunkt für den Einsatz von Radium-223 nicht zu verpassen. Haben sich erst viszerale Metastasen gebildet, ist Radium-223 kontraindiziert.

* Eine Radium-223-Therapie bei Patienten mit einer geringen Anzahl von osteoblastischen Knochenmetastasen wird nicht empfohlen
** Xofigo® ist zugelassen als Monotherapie oder in Kombination mit einem LHRH-Analogon zur Behandlung von Erwachsenen mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) und symptomatischen Knochenmetastasen ohne bekannte viszerale Metastasen, bei denen die Erkrankung nach Erhalt von mind. zwei vorausgehenden systemischen Therapielinien zur Behandlung des mCRPC (außer LHRH-Analoga) fortschreitet, oder für die keine andere verfügbare systemische mCRPC Therapie geeignet ist.

[1] Miller K, et al.; 59. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin– digital: 14. bis 17. April 2021, Abstract WIB130
[2] Palmedo H, et al.; 59. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin– digital: 14. bis 17. April 2021, Abstract WIB121
[3] Parker C, et al. 2013. N Engl J Med 369: 213-223.

Quelle: Bayer Vital GmbH

19. April 2021

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