Testosteron beeinflusst das Immunsystem – und den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung bei Männern

Zahlreiche Studien konnten bereits zeigen, dass mehr Männer als Frauen an COVID-19 sterben [1,2]. Es scheint also eine Geschlechterdisposition zu geben, die möglicherweise mit dem Sexualhormon Testosteron (T) zusammenhängt. Denn niedrige T-Spiegel haben einen Einfluss auf das Immunsystem und auf den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung bei Männern. Dieses Thema diskutierten Experten im Rahmen eines Webinars der neu gegründeten „Andrology Research Academy“ (AReA). Die Online-Plattform wurde ins Leben gerufen, um interessierten Ärzten Neuigkeiten aus der Andrologie in Form von Webinaren zur Verfügung zu stellen.

Der Endokrinologe Prof. Hugh Jones, Sheffield (UK), wies zu Beginn des Premieren-Webinars der AReA-Plattform darauf hin, dass niedrige T-Spiegel mit zahlreichen Komorbiditäten wie zum Beispiel kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, COPD oder Depressionen assoziiert sind [3]. Dies ist jedoch ein wechselseitiges Phänomen: So kann eine Adipositas zu einem Rückgang der T-Produktion führen – und ein primär niedriger T-Spiegel im Blut wiederum kann die Zunahme des Fettgewebes fördern. Seit Beginn der Corona-Pandemie stellt sich zudem die Frage, ob auch der Verlauf einer COVID-19-Erkrankung von der Höhe des T-Spiegels bei Männern abhängt.

Dr. Linda Vignozzi, Endokrinologin aus Florenz (Italien), stellte daher die Ergebnisse einer aktuellen italienischen Studie vor. Diese konnte einen hochsignifikanten Zusammenhang zwischen dem Gesamt-T und dem berechneten freien T (cFT, calculated free testosterone) mit der Wahrscheinlichkeit einer Behandlung auf der Intensivstation (ICU, intensive care unit) oder eines COVID-19-verursachten Todes zeigen [4]. Dabei wiesen die Patienten mit einem intensivpflichtigen Verlauf initial deutlich niedrigere Gesamt-T- bzw. cFT-Werte auf. Die auf die ICU verlegten bzw. verstorbenen Patienten (n=4) hatten dabei besonders niedrige T-Werte (medianes Gesamt-T bzw. cFT: 1,0nmol/l bzw. 17,5pmol/l). Als klinisch relevanten Cut-off-Wert für T, der einen besonders unvorteilhaften COVID-19-Verlauf vorhersagt, berechneten die Forscher 5 nmol/l Gesamt-T und 100 pmol/l cFT. Bei einem Gesamt-T von <5nmol/l betrug die Wahrscheinlichkeit für eine Verlegung auf die ICU 14,18%, bei einem Wert ≥5nmol/l hingegen nur 0,60% (siehe Abb.).

Abb.: Assoziation zwischen Gesamt-Testosteronspiegel und Überweisung auf die ICU bei COVID-19-Patienten, modifiziert nach [4].

Androgenrezeptoren auch auf Immunzellen

Bei Männern nimmt mit steigendem Alter das Risiko für einen Hypogonadismus, also für einen symptomatischen T-Mangel zu. Dabei ist es aber nicht das Alter an sich, das für diese Risikoerhöhung verantwortlich ist – vielmehr ist es die mit dem Alter in der Regel steigende Komorbidität (z.B. Adipositas, metabolisches Syndrom oder Diabetes mellitus Typ 2), die sich negativ auf die durchschnittlichen T-Werte der Männer auswirkt [5]. Und ein niedriger T-Spiegel wiederum hat Auswirkungen auf das Immunsystem, wie Dr. Mary Samplaski, Urologin aus Los Angeles (USA), im Rahmen des Webinars ausführte. Auf den Zellen des Immunsystems befinden sich unter anderem Androgenrezeptoren, an denen T bindet und so zu einer Reduktion der Entzündungsreaktion führt [6]. Das spielt auch bei der durch SARS-CoV-2 ausgelösten COVID-19-Erkrankung eine Rolle. Bei den betroffenen Patienten kann es zu einem sogenannten Zytokin-Sturm kommen, der unter anderem durch einen schnellen und hohen Anstieg von Interleukin 6 (IL-6) gekennzeichnet ist. Dieser Zytokin-Sturm ist ein wichtiger Treiber der COVID-19-Mortalität [7,8,9].

„Entzündungs-Schutzfunktion“

IL-6 ist aber auch bei hypogonadalen Männern ohne COVID-19-Erkrankung erhöht, was frühere Studien bereits zeigen konnten [10]. Durch die exogene Zufuhr von T wird in diesen Fällen die IL-6-Genexpression herunterreguliert – so entwickelt T möglicherweise eine „Schutzfunktion“ vor Entzündungsprozessen [11]. Auch wenn mittlerweile erste Zusammenhänge zwischen COVID-19 und T bekannt geworden sind, gibt es aber auch noch einige offene Fragen in Bezug auf die Behandlung männlicher COVID-19-Patienten, z.B.:

  • Sollte bei diesen Patienten routinemäßig T bestimmt werden?
  • Würde eine T-Therapie das Outcome verbessern?
  • Hat eine überstandene COVID-19-Erkrankung kurz- und/oder langfristige Auswirkungen auf die männliche Fortpflanzungsfähigkeit?

    Unabhängig von den aktuellen Fragen rund um COVID-19 stehen zur Therapie eines Hypogonadismus etablierte T-Präparate mit unterschiedlichen Applikationsformen zur Verfügung. Gele wie z.B. Testogel® Dosiergel weisen unter anderem den Vorteil auf, dass sie durch die tägliche transdermale Anwendung leicht zu titrieren sind – die Dosis also besonders schnell und einfach an den individuellen Bedarf des einzelnen Patienten angepasst werden kann. Mit T-Gelen werden bei korrekter Dosis und einmal täglicher Anwendung über 24 Stunden gleichmäßige T-Spiegel im Normbereich erzielt – zudem weisen sie ein vorteilhaftes Sicherheitsprofil auf [5]. Folglich sind T-Gele besonders gut für ältere Patienten, die häufig multimorbid sind und leitliniengemäß [5] mit Vorsicht behandelt werden sollen, geeignet.

    Weitere Informationen für medizinische Fachkreise stehen zur Verfügung unter www.hormonspezialisten.de .

    Die Webinare der Andrology Research Academy (AReA) von BESINS HEALTHCARE stehen (nach Anmeldung) online zur Verfügung unter www.arealive.org oder www.hormonspezialisten.de/fortbildung/webinare/ .

    Literatur:
    [1] Pradhan A, Olsson PE. Sex differences in severity and mortality from COVID-19: are males more vulnerable? Biol Sex Differ 2020; 18: 53.
    [2] Papadopoulos V et al. Why does COVID-19 kill more elderly men than women? Is there a role for testosterone? Andrology 2020; doi: 10.1111/andr.12868.
    [3] Zarotsky V et al. Systematic literature review of the risk factors, comorbidities, and consequences of hypogonadism in men. Andrology 2014; 2: 819-34.
    [4] Rastrelli G et al. Low testosterone levels predict clinical adverse outcomes in SARS-CoV-2 pneumonia patients. Andrology 2020; Epub May 20; doi: 10.1111/andr.12821.
    [5] Dohle GR et al. EAU-Leitlinie „Männlicher Hypogonadismus“. J Reproduktionsmed Endokrinol 2020; 17 (2): 66-85.
    [6] Bereshchenko O et al. Glucocorticoids, sex hormones, and immunity. Front Immunol 2018; 9: 1332.
    [7] Wang Z et al. Clinical features of 69 cases with coronavirus disease 2019 in Wuhan, China. Clin Infect Dis 2020; 71: 769-77.
    [8] Ye Z et al. Chest CT manifestations of new coronavirus disease 2019 (COVID-19): a pictorial review. Eur Radiol 2020; 30: 4381-89.
    [9] Mehta P et al. COVID-19: consider cytokine storm syndromes and immunosuppression. Lancet 2020; 395: 1033-4.
    [10] Ershler WB et al. Age-associated increased interleukin-6 gene expression, late-life diseases, and frailty. Annu Rev Med 2000; 51: 245-70.
    [11] Malkin CJ et al. The effect of testosterone replacement on endogenous inflammatory cytokines and lipid profiles in hypogonadal men. Clin Endocrinol Metab 2004; 89: 3313-8.


    DR. KADE / BESINS Pharma GmbH, Berlin.

    Dezember 2020

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