|
Inwieweit schützen höhere Androgenspiegel ältere Männer vor kardiovaskulären Ereignissen?
|
Mit zunehmendem Alter erhöht in der männlichen Bevölkerung der Anteil derjenigen mit niedrigen
bis hypogonadalen Testosteronspiegeln. In diesem Personenkreis wurde eine erhöhte Mortalitätsrate ermittelt.
Allerdings konnte noch nicht geklärt werden, ob niedriges Testosteron zur Verschlechterung der Gesundheit beiträgt,
oder ob es ein Biomarker für bestehende Krankheiten ist. Entgegen den Ergebnissen aus Tierversuchen, die anti-atherogene
Effekte des Estradiols (E2) gefunden haben, wurde bei Männern mit Schaufensterkrankheit ermittelt, dass erniedrigte
Spiegel an Testosteron und Dihydrotestosteron (DHT) – nicht aber an Estradiol (E2) – für die Manifestation peripherer
Arterienkrankheit prädestinieren. Es fehlen aber vergleichbare Berichte zu kapitalen kardiovaskulären Ereignissen bei älteren Männern, deren
Testosteron-, DHT- und E2-Spiegel mit Massenspektrometrie exakt bestimmt worden sind.
Die Hypothese, wonach Testosteron, DHT und E2 bei älteren Männern auf unterschiedliche
Weise mit der Myokardinfarkt- und Schlaganfall-Inzidenz im Zusammenhang stehen, wurde überprüft (Yeap BB, et al. 2014):
Bei 3.690 Männern der australischen Health in Men Study (Alter: 70-89 Jahre) wurde im Plasma von am
frühen Morgen abgenommenen Blutproben mittels Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung das Gesamttestosteron,
DHT und E2 bestimmt.
Die Teilnehmer wurden im Mittel 6,6±2,3 Jahre nachverfolgt. Während des Follow-up erlitten 344 Männer einen
fatalen oder nicht-fatalen Myokardinfarkt und 300 einen Schlaganfall. Unter den Betroffenen waren ältere
Männer, mehr gegenwärtige und ehemalige Raucher, mehr Diabetiker und früher kardiovaskulär Erkrankte sowie Patienten
mit höheren Kreatinin-Konzentrationen als unter den Studienteilnehmern ohne Myokardinfarkt oder Apoplex.
Weder das Gesamttestosteron noch dessen Metabolite DHT oder E2 waren mit der Myokardinfarkt-Inzidenz assoziiert.
Nur das freie Testosteron stand in der univariaten Analyse mit einer verringerten Inzidenz der
Myokardinfarkte in Verbindung (Hazard Ratio [HR]: 0,70, 95% CI, 0,52-0,95).Nach Korrekturen für Alter
und andere Risikofaktoren verlor sich die Signifikanz.
Die Männer mit höheren Spiegeln an Gesamttestosteron, freiem Testosteron oder DHT hatten sowohl in der univariaten
als auch in der komplett adjustierten Analyse eine deutlich erniedrigte Schlaganfall-Inzidenz
(Gesamttestosteron [Abb.]: Q3 vs. Q1, Hazard Ratio [HR], 0,72, p=0,046; Q4 vs. Q1, HR, 0,56, p=0,002).
Für das freie Testosteron und DHT ergaben sich ähnliche Resultate. Die Schlaganfall-Inzidenz war hingegen
nicht mit dem E2-Spiegel assoziiert.
Höhere Spiegel an Gesamt- und freiem Testosteron wie auch an Dihydrotestosteron sind Biomarker für verringertes
Apoplex-Risiko nicht aber für verringertes Myokardinfarkt-Risiko.
⇒
Estradiol in der Zirkulation konnte nicht mit der Inzidenz von Myokardinfarkt oder Apoplex in Verbindung gebracht
werden, so dass der Exposition mit Androgenen bei Männern die prädiktive Rolle beizumessen ist. Die Beziehung
zwischen freiem Testosteron und Myokardinfarkt erreichte jedoch keine statistische Signifikanz.
|
|
Yeap BB, Alfonso H, Chubb SAP, et al. 2014.
In older men, higher plasma testosterone or dihydrotestosterone is an independent predictor for reduced incidence
of stroke but not myocardial infarction. J Clin Endocrinol Metab 99:4565-4573.
|
| |
|