64. DGU-Kongress
Bei Sexualstörungen und Adipositas Testosteron prüfen


Das metabolische Syndrom war beim diesjährigen Kongress in Leipzig ein gewichtiges Thema. Aus internistischer Sicht ist bei der nicht benignen Adipositas die Insulinresistenz bereits vermindert und das HbA1c erhöht. Über eine Testosterontherapie lassen sich beide Parameter verbessern. Auch das Bauchfett wird reduziert und der Cholesterinspiegel sinkt langsam. Aus urologischer Sicht ist das metabolische Syndrom eng vergesellschaftet mit Erektionsproblemen, Hypogonadismus und chronisch entzündlichen Veränderungen des Hodens, die auch einer Infertilität Vorschub leisten könnten.

Wie "pfundig" die Hypothek für deutsche Männer ist, verdeut-lichte Prof. Wolfgang Weidner (Gießen). Die Hälfte der Männer ist übergewichtig, ein knappes Viertel adipös. Negative Folgen sind für die allgemeine Gesundheit und speziell auch für das Sexualleben gesichert: Gerade bei adipösen Männern und Diabetikern sind sexuelle Dysfunktionen häufig. Das höchste Risiko wurde in der "Look Ahead Study" bei Männern mit metabolischem Syndrom (MS) erhoben (OR 3,05). Eine erektile Dysfunktion bessert sich bei diesen Patienten durch Gewichtsabnahme und Sport nur geringgradig.

Testosteron bessert vor allem die Libido

In der "Times 2 Study" wiederum zeigte sich bei Gabe von Testosteron vor allem eine deutlich verbesserte Libido. In Kombination mit einem Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE5) ist eine additive Wirkung auf die Erektionsfähigkeit dokumentiert (Diabetes Daily Dose Study). Bei hypogonadalen und leicht unter dem Normwert liegenden Männern mit MS oder auch Adipositas kann die positive Wirkung einer Testosteron-gabe auf die Insulinresistenz genutzt werden. Weidner empfiehlt die Testosterongabe nicht bei adipösen Patienten mit Normwerten. Bei Patienten mit Kinderwunsch ist sie dagegen eindeutig kontraindiziert, da sich die Spermatogenese dadurch nachweislich verschlechtert. Obwohl MS auch bei der männlichen Subfertilität eine Rolle spielen könnte.

20 Jahre Testosterontherapie: Sicher und nebenwirkungsarm

Die Testosterontherapie wird beim Klinefelter-Syndrom seit über 30 Jahren eingesetzt. Seit 20 Jahren hat sie einen gesicherten Platz bei Altershypogonadismus. Ein weiteres wichtiges Indikationsgebiet ist der Borderline-Hypogonadismus mit Supportivtherapie bei der Behandlung von Erektionsproblemen. "Bei diesen und einigen anderen, seltenen Syndromen ist die Testosterontherapie fest etabliert. Sie ist gut steuerbar, sicher und nebenwirkungsarm", fasste PD Dr. Thorsten Diemer (Gießen) im Akademieforum zusammen.
Ernsthafte Bedenken wegen Nebenwirkungen haben sich überwiegend nicht bestätigt: Im kardiovaskulären Bereich sind Infarkte eher mit niedrigen Testosteronspiegeln assoziiert. Beim Prostatavolumen ist ein Anstieg auf Normalwerte dokumentiert. Bei Therapiezeiten bis zu drei Jahren fand sich kein gesteiger-tes Risiko für Prostatakarzinome.
Die International Society for Sexual Medicine (ISSM) hebt in ihren brandneuen Empfehlungen die Bedeutung der Testosterongabe bei sexuellen Funktionsstörungen hervor. Speziell die additive Gabe von Testosteron bei erektiler Dysfunktion (ED) zeigt demnach sehr positive Ergebnisse, auch andere Sexualstörungen sprechen teilweise gut an.

Bei Sexualstörungen und Adipositas Testosteron prüfen

Die ISSM spricht sich in den Empfehlungen eindeutig dafür aus, bei Männern mit Sexualstörungen und/oder viszeraler Adipositas sowie metabolischen Erkrankungen ein Testosterondefizit zu überprüfen und bei nachgewiesenem Mangel zu therapieren. Und zwar in allen Altersgruppen. Bei älteren Männern sind Nutzen und Risiko intensiv abzuklären.

Testosteron moduliert die sexuelle Motivation und Erektion, hat aber weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit des Mannes. So sind niedrige Testosteronwerte assoziiert mit einer verminderten Lebenserwartung, einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, Übergewicht, Sarkopenie, eingeschränkter Beweglichkeit, Osteoporose und anderen chronischen Erkrankungen. Diese Assoziationen sind zwar gut belegt, sagen aber nichts über die Ursächlichkeit aus. Deshalb lehnt die Gesellschaft derzeit eine präventive Testosterontherapie ab.

Bei Altershypogonadismus kurzwirksame Präparate

Bei der Auswahl der Präparate und der galenischen Form zählt der Wunsch des Patienten. Speziell beim Altershypo-gonadismus sind langwirkende Zubereitungen nach den gültigen Leitlinien nicht empfehlenswert. Stattdessen sollten kurzwirksame Präparate eingesetzt werden. Die transdermale Form bietet hier in Form von täglich aufzubringenden Gelen (etwa Androtop® Gel) den Vorteil der Feindosierung - und die Möglichkeit zum sofortigen Stopp der Therapie.

Quelle: Dr. Kade/BESINS GmbH

64. DGU-Kongress, Leipzig, 26. - 29.09.2012


Oktober 2012

 
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