Effekte des Testosteronausgleichs auf Muskelkraft, Muskelpower und Funktionalität

Hintergrund

Positive Einflüsse einer Testosteronausgleichstherapie auf die Körperzusammensetzung bei älteren Männern wurden übereinstimmend aus zahlreichen Untersuchungen berichtet. Inwieweit sich dabei auch Auswirkungen auf die Muskelkraft und die physische Funktion nachweisen lassen, erbrachte hingegen uneinheitliche Ergebnisse. Untersuchungen zur Muskelpower und Ermüdbarkeit fehlten bislang.

Zielsetzung
Diesbezüglich wurden bei älteren Männern im Rahmen der Testosteron´s Effects on Atherosclerosis Progression in Aging Men (TEAAM)-Studie die Effekte einer dreijährigen Testosteronbehandlung auf Muskelkraft, Muskelpower, Ermüdbarkeit und physische Funktion bestimmt (Storer, et al. 2016):

Teilnehmer und Methoden
An der doppelblinden, Placebo-kontrollierten, randomisierten Studie nahmen gesunde Männer im Alter ≥60 Jahre und einem Spiegel an Gesamttestosteron von 1,0–4,0 ng/ml oder einem Spiegel an freiem Testosteron <50 pg/ml teil. Sie wurden randomisiert entweder mit einem 1%igen Testosterongel oder einem Placebo-Gel behandelt. Zu Baseline sowie nach 6, 18 und 36 Monaten wurden die Muskelkraft der oberen und unteren Extremität mit der 1 RM-Methode, die Muskelpower (das Produkt aus Kraft und Geschwindigkeit), die Ermüdungsanfälligkeit der Muskeln und die Power beim Treppensteigen mit und ohne Last bestimmt.

Ergebnisse
Die Kraft beim Brustpressen erhöhte sich in der Gruppe mit Testosteron behandelter Männer signifikant (Abb. A). Zwischen der Veränderung beim Brustdrücken und der Zunahme der Spiegel an Gesamt- und freiem Testosteron bestand ein signifikanter Zusammenhang. Ein solcher ergab sich auch zwischen den Veränderungen beim Brustdrücken und dem Ausmaß an zugelegter fettfreier Körpermasse.

Die Veränderungen der Kraft beim Beindrücken unterschieden sich bei beiden Behandlungsgruppen nicht signifikant. Im Testosteron-Arm bestand aber ein signifikanter Zusammenhang mit dem Anstieg an Gesamt- und freiem Testosteron sowie der Power beim Treppensteigen mit und ohne Last. Andererseits wurde keine Verbindung mit der fettfreien Körpermasse registriert.

Die Power beim Brust- und Beindrücken (Abb. B) veränderte sich in der Testosteron-Behandlungsgruppe signifikant stärker als in der Placebo-Gruppe. Für die Veränderungen in bei Testosteron-Behandlung bestand wiederum eine signifikante Assoziation mit dem Anstieg beider Testosteron-Parameter.

Mit dem Testosteronausgleich war eine signifikante Verbesserung der Power beim Treppensteigen mit und ohne zusätzliche Last verbunden (Abb. C). Beide Leistungssteigerungen standen nicht signifikant mit den erhöhten Testosteronspiegeln in Verbindung.

Die Testosterontherapie über drei Jahre führte zu einer signifikanten, anhaltenden Vermehrung der fettfreien Körpermasse. An den Armen betrug die Zunahme 0,9 kg innerhalb der drei Behandlungsjahre.

Signifikante Behandlungseffekte auf die Ermüdungsanfälligkeit der Muskulatur beim Brust- und Beindrücken ließen sich nicht feststellen.

Schlussfolgerungen
Ältere Männer mit niedrigen Androgenspiegeln, die drei Jahre lang mit Testosteron behandelt wurden, erreichten im Vergleich zu einer Placebo-Gruppe moderat aber signifikant bessere Steigerungen ihrer Muskelmasse, der Muskelpower und der Power beim Treppensteigen.
   
Literatur:
Storer TW, Basaria S, Traustadottir T, et al., 2016. Effects of testosterone supplementation for 3-years on muscle performance and physical function in older men. J Clin Endocrinol Metab doi: 10.1210/jc.2016-2771 [Epub ahead of press].

Januar 2017 Druckversion jfs
fusszeile

 
       © 2003-2016 pro-anima medizin medien  –   impressum   –  mediadaten  –   konzeption