Training und Testosteronsubstitution zur Verhinderung von Muskelschwund bei Patienten mit Herzinsuffizienz

Hintergrund

Bei männlichen Patienten mit Herzinsuffizienz findet sich in bis zu 30% der Fälle ein deutlich erniedrigter Testosteronspiegel. Dabei ist die Aktivität der neurohormonalen Regelkreise langfristig erhöht, so dass das Risiko eines weiter beschleunigten Krankheitsprozesses besteht. Das steht im Zusammenhang mit erhöhter Morbidität und Mortalität. Als unabhängiger Marker für Mortalität gilt eine verminderte MSNA (muscle sympathetic nerve activity). In diesem Zusammenhang findet Muskelschwund (Sarkopenie) bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz besondere Beachtung.

Zielsetzung
In einer prospektiven, randomisierten Studie mit Herzinsuffizienz-Patienten sollte geklärt werden, ob sich mit einer kombinierten Therapie aus körperlichem Training und Testosteronsubstitution bessere Ergebnisse auf die neurovaskuläre Kontrolle und den Muskelschwund erzielen lassen als mit den Einzeltherapien.

Teilnehmer und Methoden
Von 2010 bis 2013 wurden 39 männliche Patienten mit Herzinsuffizienz der New York Heart Association (NYHA) funktionellen Klasse III rekrutiert. Sie hatten einen Gesamttestosteronspiegel <2,49 ng/ml und einen Spiegel an freiem Testosteron <131 pmol/l. Die Teilnehmer wurden randomisiert in drei Behandlungsgruppen aufgeteilt: (I) 4-monatiges Zykloergometertraining (n=13), (II) Testosteronsubstitution für 4 Monate (n=12) und (III) Training plus Testosteronsubstitution (n=14).

Ergebnisse
Innerhalb der vier Behandlungsmonate normalisierten sich in Gruppe II und III die Testosteronspiegel. Aber auch bei den Männern mit alleinigem Trainingsprogramm stiegen die Spiegel des Gesamt- und des freien Testosterons.

Bei den Männern erniedrigte sich die MSNA durch das Training mit und ohne begleitende Testosterontherapie anhand der Bursts pro Minute und Bursts pro 100 Herzschläge signifikant (jeweils p<0,01). Nach beiden Messlatten war die MSNA-Absenkung in der Gruppe mit Kombinationstherapie am deutlichsten ausgeprägt. Sie war größer als die addierten Ausmaße der Einzeltherapien (Abb).

In allen drei Gruppen stieg der Spitzensauerstoffverbrauch an. Die maximale Kraft (in Watt) erhöhte sich allerdings nur in den beiden Gruppen mit Trainingsprogramm signifikant.

Mit alleiniger Testosterontherapie nahmen das Körpergewicht und der Body Mass Index (BMI) signifikant ab (p<0,01). Im Gegensatz dazu erhöhten sich das Körpergewicht und der BMI bei Trainingsanstrengung (Training und Training + Testosteron). Das war direkt mit erhöhter fettfreier Körpermasse assoziiert.

In beiden Gruppen mit Training verbesserte sich die Lebensqualität der Männer anhand des Minnesota Living with Heart Failure Questionnaire signifikant. Mit Testosteron alleine wurde in dieser Population keine deutliche Veränderung registriert.

Ausgangs waren alle Teilnehmer in der NYHA Funktionsklasse III. Mit Trainingsprogramm verbesserte sich die funktionelle Klasse deutlich von 3,0±0,0 auf 1,4±0,2 (p<0,01).

Schlussfolgerungen
Mit der Kombination von körperlichem Training und Testosteronsubstitution ließen sich bei androgendefizienten Herzinsuffizienz-Patienten bessere Ergebnisse hinsichtlich der Abschwächung sympathischer Hyperaktivität, der Vermeidung von Muskelverlusten und verbesserter funktionaler Leistungsfähigkeit erzielen als mit beiden Therapien für sich allein. Daher sollte bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Testosteronmangel neben dem Testosteronausgleich obligatorisch auch immer ein Trainingsprogramm durchgeführt werden.
   
Literatur:
dos Santos MR, Sayegh ALC, Bacurau AVN, et al. 2016. Effect of exercise training and testosterone replacement on skeletal muscle wasting in patients with heart failure with testosterone deficiency. Mayo Clin Proc 91:575-586.


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