Urologen können bei Patienten mit Testosteronmangel-Syndrom deren kardiovaskuläres Risiko einschätzen

Hintergrund

Beim Testosteronmangel-Syndrom sind sowohl die Komponenten eines MetS, sexuelle Defizite als auch Aging Male Symptome (AMS) integriert. Die Ausprägung der damit verbundenen Beschwerden kann stark variieren und auf das Risiko für die Entwicklung kardiovaskulärer Krankheiten hinweisen.

Zielsetzung
[1] Bei Männern mit einem MetS und niedrigen Testosteronspiegeln assoziierte kardiovaskuläre Komorbiditäten und Risikofaktoren (einschließlich ED) wurden identifiziert.
[2] Die Verbindung zwischen Vorliegen/Schwere von Symptomen eines Testosteronmangels und der Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines metabolischen Syndroms wurden analysiert.

Patienten und Methoden
Von 1 094 Männern (mittleres Alter 61 Jahre) hatten 97,6% ED. Bei 69,6% der Patienten lag ein MetS vor. Das Gesamttestosteron im Serum lag bei 80% der Teilnehmer <8 nmol/l. Bei einem berechneten freien Testosteron ≤250 pmol/l waren es <12 nmol/l [1]. Ein Testosteronmangel-Syndrom wurde bei 999 der obigen Männern abgeklärt (ED: 97,4%, AMS: 94,9%, MetS: 69,6%). Die Ausprägung der AMS wurde anhand der AMS-Skala als keine/leicht und als moderat/schwer eingestuft [2].

Bisherige Befunde
Testosteronmangel steht in enger Verbindung mit dem metabolischen Syndrom. Beim Testosteronmangel-Syndrom kann die Ausprägung der damit verbundenen Beschwerden stark variieren. Testosteronmangel steht in enger Verbindung mit dem metabolischen Syndrom (MetS). Beide Risikofaktoren können als Ursache des jeweils anderen betrachtet werden. Ferner ist sowohl Testosteronmangel als auch das MetS mit sexuellen Funktionsstörungen wie insbesondere erektiler Dysfunktion (ED) assoziiert.

Aktuelle Ergebnisse
Von 1 094 Männern (mittleres Alter 61 Jahre) hatten 97,6% ED. Bei 69,6% der Patienten lag ein MetS vor. Der Spiegel an Gesamttestosteron im Serum lag bei 80% der Teilnehmer <8 nmol/l. Bei einem berechneten freien Testosteron ≤250 pmol/l waren es <12 nmol/l [1].
      Der Spiegel an Gesamttestosteron war bei Männern mit MetS signifikant niedriger als bei denen ohne MetS (6,4 nmol/l versus 6,8 nmol/l; p <0,02; Abb.). Allerdings verringerte sich die Wahrscheinlichkeit eines MetS mit ansteigendem Testosteronspiegel kaum. Erst ab einem Testosteronspiegel von 7,7 nmol/l wurde der Schwellenwert für einen signifikanten Unterschied in der Prävalenz von MetS erreicht. Von den Komponenten des MetS standen nur erhöhte Triglyceridspiegel und der HDL-Wert in deutlichem Zusammenhang mit der Erniedrigung des Testosteronspiegels [1].
      Die Prävalenz eines MetS war bei Adipositas, Rauchen und höherem Alkoholkonsum wie auch bei Hypertonie, Diabetes, Dyslipidämie und peripherer Gefäßkrankheit signifikant erhöht [1]. Für die Bewertung des Testosteronmangel-Syndroms standen die Daten von 999 der obigen Männern zur Verfügung (ED: 97,4%, AMS: 94,9%, MetS: 69,6%). Die Ausprägung der AMS wurde anhand der AMS-Skala als keine/leicht und als moderat/schwer eingestuft [2].
      Bei Männern mit moderaten oder schweren AMS lag signifikant häufiger ein MetS vor als bei Männern mit keinen oder leichten AMS. Eine solche Abhängigkeit des MetS von moderaten/schweren gegenüber keinen/leichten sexuellen Symptomen bestand hingegen nicht.
      Im Einklang mit der Schwere der Symptome allgemein nahm die Anzahl der jeweils vorliegenden Komponenten eines MetS zu. Bei 195 Männern (57,9%) mit keinem oder nur leichtem AMS lag ein MetS (3-5 MetS-Komponenten) vor. Hingegen hatten 500 Männer (75,5%) mit moderatem oder schwerem AMS ein MetS.


Schlussfolgerungen
Bei Männern, die sich aufgrund sexueller Probleme in ärztliche Behandlung begeben, liegt mehrheitlich ein Abfall des Testosteronspiegels vor, der vielfach mit der Ausbildung eines metabolischen Syndroms in Verbindung steht. Letzterer Indikator für erhöhte kardiovaskuläre Risiken bietet die Gelegenheit bei der Abklärung sexueller Defizite zugleich die kardiovaskuläre Gesundheit des Patienten mit beurteilen zu können. Bei einem Testosteronmangel-Syndrom kann die Schwere der Symptome auf erhöhte kardiovaskuläre Risiken hinweisen.
   
Literatur:
[1] García-Cruz E, Leibar-Tamayo A, Romero-Otero J, et al. 2013. Metabolic syndrome in men with low testosterone levels: relationship with cardiovascular risk factors and comorbidities and with erectile dysfunction. J Sex Med 10:2529-2538.
[2] García-Cruz E, Leibar-Tamayo A, Romero-Otero J, et al. 2014. Marked testosterone deficiency-related symptoms may be assiciated with higher metabolic risk in men with low testosterone levels. J Sex Med 11:2292-2301.


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