Stehen Androgenspiegel vor einer Prostatakrebs-Diagnose im Zusammenhang mit dem Krankheitsergebnis?

Hintergrund

Sexualhormone spielen bei der Entwicklung und Regulierung der Prostata eine maßgebliche Rolle. Allerdings hat sich die dem Testosteron aus histologischer Sicht beigemessene Mitwirkung an der Pathogenese von Prostatakrebs aufgrund der Ergebnisse aus vielfältigen Untersuchungen nicht halten lassen [1]. Andererseits gibt es Beobachtungen, die erniedrigten Testosteronspiegeln vor der Prostatakrebs-Therapie eine ungünstige prognostische Bedeutung zuschreiben.

Zielsetzung
Mit Prostatakrebs-Patienten aus zwei laufenden prospektiven Kohortenstudien wurde die Verbindung der prädiagnostischen Sexualhormonspiegel mit letalem Prostatakrebs analysiert [2].

Patienten und Methoden
Die Analyse wurde mit Daten von 963 Prostatakrebs-Patienten durchgeführt. Sie waren entweder Teilnehmer der Health Professionals Follow-up Study (HPFS; n=700) oder Teilnehmer der Physician´s Health Study (PHS; n=263). Von den Männern standen eingefrorene Blutproben aus der Zeit vor der Prostatakrebs-Diagnose zur Verfügung.

Bisherige Befunde
Bei der Durchsicht der Krankenakten von 3.860 Patienten mit klinisch lokalisiertem Prostatakrebs, die mit radikaler Prostatektomie behandelt worden waren, wurde ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem prätherapeutischen Testosteronspiegel und den pathologischen Tumorstadium ermittelt. In der multivariaten Analyse waren prätherapeutisch erniedrigte Spiegel an Gesamttestosteron mit einem fortgeschrittenen Tumorstadium assoziiert [3].
      Bei Prostatakrebs-Patienten mit Tumoren, die einen hohen Gleason-Score aufweisen, wurden niedrigere Testosteron- und Estradiolspiegel ermittelt als bei Patienten mit günstigerem Gleason-Score. Da zugleich niedrigere Gonadotropinspiegel gemessen wurden, ließe dies bei hohem Gleason-Score eine Tumor-vermittelte Supprimierung der hypothalamo-hypophysär-testikulären Achse schließen [4].
      Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs und niedrigem Gesamttestosteronspiegel (<270 ng/dl) wurden nach radikaler retropubischer Prostatektomie vermehrt positive Schnittränder vorgefunden [5].

Aktuelle Ergebnisse
Die Studienteilnehmer mit Prostatakrebs wurden nach der Diagnose im Mittel 12,0±4,9 Jahre nachverfolgt. Ihr mittleres Alter bei der Blutabnahme und der Prostatakrebsdiagnose betrug 64,7±7,6 bzw. 69,1±7,3 Jahre. Während des Follow-up traten 421 Gesamttodesfälle auf – 134 davon aufgrund des Prostatakrebses. Letztere bildeten in Kombination von 14 noch lebenden Patienten mit metastasierter Krankheit die Kategorie letaler Prostatakrebs.
      Das Hazard Ratio (HR) des Zusammenhangs zwischen der Höhe von Sexualsteroidspiegeln und letalem Prostatakrebs wurde anhand verschiedener Modelle analysiert, bei denen (HR1) Korrekturen für das Alter bei der Diagnose, (HR2) plus Korrekturen für BMI, körperliche Aktivität und Raucherstatus und (HR3) plus Korrekturen für den Gleason-Score und den das TNM-Stadium vorgenommen wurden. Zwischen den Quartilen (Q1-4 der Sexualhormonspiegel (Gesamttestosteron, freies Testosteron, Estradiol) und letalem Prostatakrebs bestand weder nach HR1 (Abb.) noch nach HR2 oder HR3 eine signifikante Assoziation. Keine Abhängigkeit wurde auch für die Gesamtmortalität festgestellt.
      Getrennte Analysen für die Patienten aus HPFS und PHS ergaben mit Ausnahme für Estradiol (deutlich erhöhte Letalität bei hohem Estradiolspiegel) ebenfalls keine signifikanten Zusammenhänge. Subanalysen mit Stratifizierung nach dem Gleason-Score wie auch nach dem TNM-Stadium ergaben ebenfalls keinen markanten Zusammenhang zwischen Sexualhormon-Quartilen und letalem Prostatakrebs.


Schlussfolgerungen
Es bestand kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen den prädiagnostischen Sexualhormonspiegeln und letalem Prostatakrebs. Gleiches wurde für die Gesamtmortalität registriert.
      In vorausgegangenen Befunden, die bei niedrigem prätherapeutischem Androgenspiegel eine verschlechterte Prognose bei Prostatakrebs registriert hatten, könnte sich der Einfluss der malignen Krankheit auf die Supprimierung der hypophysären Gonadotropine widerspiegeln.
   
Literatur:
[1] Endogenous Hormones and Prostate Cancer Collaborative Group, 2008. Endoge­nous sex hormones and prostate cancer: a col­laborative analysis of 18 prospective studies. J Natl Cancer Inst 100:170-183.
[2] Gershman B, Shui IM, Stampfer M, et al. 2014. Prediagnostic circulating sex hormones are not associated with mortality for men with prostate cancer. Eur Urol 65:683-689.
[3] Isom-Batz G, Bianco FJ Jr, Kattan MW, et al. 2005. Testosterone as a predictor of pathological stage in clinically localized prostate cancer. J Urol 173:1935-1937.
[4] Schatzl G, Madersbacher S, Thurridl T, et al. 2001. High-grade prostate cancer is associated with low serum testosterone levels. Prostate 47:52-58.
[5] Teloken C, Da Ros CT, Caraver F, et al. 2005. Low serum testosterone levels are associated with positive surgical margins in radical retropubic prostatectomy: hypogonadism represents bad prognosis in prostate cancer. J Urol 174:2178-2180.


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